Druck bei der WM in Aachen: „Pferde sind auch nur Menschen“
40.000 Fans täglich dabei
Die Weltmeisterschaft in Aachen wurde für Bianca Babanitz und Peter Gmoser zum Auftritt auf einer der größten Bühnen des internationalen Pferdesports. Sportlich verlief das Championat für die beiden burgenländischen Vertreter allerdings nicht nach Wunsch.
Für Bianca Babanitz und „I Will Be Famous“lief die WM nicht nach Wunsch.
© Thomas Holcbecher
Rund 40.000 Besucher täglich, Weltklasse in sechs Disziplinen (Dressur, Vielseitigkeit, Voltigieren, Springen, Para-Dressur und Vierspänner) und eine Atmosphäre, wie sie selbst im internationalen Pferdesport nicht alltäglich ist: Die Weltmeisterschaft in Aachen war eines der großen Sportereignisse des Jahres.
Mit Bianca Babanitz vom Team Pink Unicorn Purbach im Springreiten und Peter Gmoser vom Reitsportzentrum Sieggraben in der Dressur waren auch zwei burgenländische Vertreter auf dieser Bühne dabei.
Die sportliche Bilanz fiel für beide allerdings durchwachsen aus. Vor allem für Babanitz und ihren 13-jährigen Wallach I Will Be Famous nahm die WM einen Verlauf, den sich die Springreiterin nach der Vorbereitung ganz anders vorgestellt hatte.
Beim Warm-up präsentierte sich „Famous“ noch in hervorragender Verfassung. Im Zeitspringen am Freitag änderten sich die Voraussetzungen jedoch schlagartig. Genau zum Start von Babanitz setzte starker Regen ein. Nach zwei Verweigerungen folgte die Disqualifikation.
„Famous hat sich beim Warm-up fantastisch angefühlt und ein richtig gutes Gefühl für die kommenden Tage gegeben. Am ersten Wettkampftag war dann leider der Wettergott nicht auf unserer Seite. Genau zu unserem Start setzte starker Regen ein und Famous fühlte sich unter diesen Bedingungen einfach nicht mehr so wohl wie am Tag zuvor“, schilderte Babanitz.
Damit war die WM für die Burgenländerin aber noch nicht endgültig beendet. Beim Abreiten für den folgenden Teambewerb zeigte sich allerdings, dass ihr Pferd weiterhin nicht in gewohnter Verfassung war. Gemeinsam mit dem Teamtierarzt entschied sich Babanitz deshalb gegen einen Start.
Eine schwierige Entscheidung bei einem Saisonhöhepunkt, auf den lange hingearbeitet worden war – für Babanitz dennoch eine klare. „So schwer diese Entscheidung in diesem Moment auch war – das Wohl meines Pferdes steht für mich immer an erster Stelle. Natürlich hätten wir uns ein anderes Ende dieser WM gewünscht. Wir sind mit großen Träumen, viel Vorbereitung und voller Motivation nach Aachen gekommen. Aber genau das ist unser Sport: Nicht immer läuft alles nach Plan.“
Trotz des sportlich enttäuschenden Verlaufs nahm Babanitz auch positive Eindrücke aus Aachen mit. Alleine der Start vor dieser Kulisse und die Möglichkeit, Österreich bei einer Weltmeisterschaft zu vertreten, hatten für sie besonderen Stellenwert.
„Bei einer Weltmeisterschaft in Aachen für Österreich an den Start gehen zu dürfen, ist etwas ganz Besonderes. Diese Kulisse, dieses Stadion und diese Atmosphäre werden mir noch lange in Erinnerung bleiben. Ich bin unglaublich stolz auf Famous und dankbar für alles, was er jeden Tag für mich gibt.“
Auch für Peter Gmoser verlief die Weltmeisterschaft nicht nach Wunsch. Der Dressurreiter ging mit seiner Stute Dante’s Daiquiri, genannt Dagi, an den Start. Das Paar hatte in den Wochen und Monaten zuvor mit ausgezeichneten Leistungen überzeugt, konnte diese in Aachen jedoch nicht bestätigen.
Dabei hatte beim Aufwärmen zunächst noch alles nach Plan ausgesehen. Im großen Stadion änderte sich die Situation. Die sensible Stute reagierte auf die außergewöhnliche Kulisse und die vielen Menschen und ließ sich stärker ablenken als erhofft.
Gmoser nahm es mit einer Portion Selbstironie: „Ich hatte schon bessere Championate! Aber Pferde sind auch nur Menschen. Am Vorbereitungsviereck war sie richtig gut. Bei der Grußaufstellung hat sie gemerkt, was hier im Stadion los ist und dann ging die Reise los.“
Der Routinier war vor allem darüber enttäuscht, seinem Team diesmal nicht entscheidend helfen zu können. Gleichzeitig zollte er seinen österreichischen Kolleginnen großen Respekt. „Leider konnte ich zum Team nichts beitragen, aber was die Mädels hier abgeliefert haben, ist Weltklasse!“
Österreich beendete den Dressur-Teambewerb mit insgesamt 208,479 Prozentpunkten auf dem elften Platz und verpasste damit knapp einen Rang unter den besten zehn Nationen.
Dass die Resultate der beiden Burgenländer hinter den eigenen Erwartungen zurückblieben, änderte nichts an der Dimension ihres Antretens. Allein die Qualifikation für eine Weltmeisterschaft in Aachen bedeutete, sich über einen langen Zeitraum auf internationalem Niveau behauptet zu haben.
Vor Ort unterstützte auch Burgenlands Pferdesport-Präsident Dietrich Sifkovits die beiden Aktiven. „Bei all diesem großartigen Sport darf man nicht vergessen, welch langer und anstrengender Weg bereits hinter den Reiterinnen und Reitern liegt, bevor sie überhaupt bei einer Weltmeisterschaft an den Start gehen dürfen“, betonte Sifkovits und verwies dabei auch auf die Arbeit von Trainern, Grooms, Pferdebesitzern und weiteren Helfern im Hintergrund.
Babanitz und Gmoser richtete er nach deren Bewerben aufmunternde Worte aus: „Kopf hoch, es wird sicher wieder die nächste Chance geben. Wir sind stolz auf euch.“
Die beiden Burgenländer nahmen jedenfalls Eindrücke von einer außergewöhnlichen Veranstaltung mit nach Hause. Rund 40.000 Menschen verfolgten täglich die Bewerbe in Dressur, Vielseitigkeit, Voltigieren, Springen, Para-Dressur und Vierspänner.
Den Schlusspunkt setzte am Sonntag die große Abschlussfeier nach der letzten Siegerehrung. Zahlreiche Showeinlagen standen auf dem Programm, zu den Höhepunkten gehörte ein Grand-Prix-Ritt der deutschen Dressurlegende Isabell Werth.
Für Babanitz und Gmoser blieb damit eine Weltmeisterschaft, bei der sportlich vieles anders lief als erhofft. Gleichzeitig durften beide das Burgenland auf einer der größten Bühnen ihres Sports vertreten. Gerade Babanitz brachte nach ihrem vorzeitigen WM-Aus auf den Punkt, was von Aachen trotz aller Enttäuschung bleiben wird: die besondere Kulisse, die Atmosphäre – und der Stolz auf ihr Pferd.