Patrick Farkas: „Will beweisen, dass ich noch da bin“. Der Oberdorfer will nach vier Jahren in Salzburg nun in der Schweiz durchstarten – und sich sportlich neu positionieren.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 04. Juli 2021 (02:41)
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„Ich bin ein Luzerner.“ Nach dem SV neuen Klub will sich der 28-jährige
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Vierfacher Meister und dreifacher Cupsieger darf sich Patrick Farkas nennen. Nicht nur das. Der Südburgenländer hat in den vergangenen vier Jahren bei Red Bull Salzburg auch Champions League-Luft schnuppern dürfen und war bei Österreichs Nummer-eins-Verein eine Konstante, die sich stets in den Dienst der Mannschaft gestellt hat.

Der 28-Jährige surfte aber nicht nur dauerhaft auf der Erfolgswelle, sondern erlebte auch zahlreiche schwierige mentale Phasen. Ein Kreuzbandriss Mitte Mai 2018 und vor allem ein Schlaganfall Ende Oktober 2019 waren schwere Rückschläge, die es zu bewältigen galt. Auch der Umstand, dass sich der ehemalige Kapitän des SV Mattersburg nicht dauerhaft einen Stammplatz erkämpfen konnte, nagte.

„Ich habe Salzburg viel zu verdanken. Hier habe ich die schönsten, aber auch die schwierigsten Momente meiner Karriere erfahren.“ Patrick Farkas, demütig

„Ich habe Salzburg viel zu verdanken. Hier habe ich die schönsten Momente wie die Meistertitel oder auch mein Tor im Mai 2019 beim Cupfinale gegen Rapid erlebt. Hier habe ich aber auch die schwierigsten Momente meiner Karriere erfahren. Es war jede Menge Emotion dabei, beim Abschied sind natürlich Tränen geflossen,“ will Patrick Farkas die Zeit bei Österreichs Serienmeister in keiner Weise missen. Weil sie von gegenseitiger Wertschätzung geprägt war, wie er klarstellt. Und doch hat sich nun an der Schwelle zum 30er die Lust auf wesentlich mehr Spielzeit und eine neue Herausforderung durchgesetzt. „Ich hatte ein gutes Gespräch mit Sportdirektor Christoph Freund, bei dem er ehrlicherweise gesagt hat, dass sich für mich in der neuen Saison nicht viel ändern wird, was die Einsatzzeiten betrifft – und dass sie mir nichts in den Weg legen, wenn ich mich sportlich verändern will. Salzburg geht einfach den Weg mit jungen Spielern, das ist voll zu akzeptieren.“

Bei den Möglichkeiten rund um einen neuen Verein entpuppte sich laut Farkas schließlich der FC Luzern als beste Adresse. „Es gab davor auch Interesse von Rapid, das hat mich gefreut. Die Gespräche sind dann aber nicht fortgeschritten, auch ein Angebot aus Ungarn war dabei.“ Nun wurde es die Schweiz, wo der Außenverteidiger einen Zweijahresvertrag unterschrieben hat und seiner neuen Aufgabe entgegenfiebert. „In mir brennt das Feuer“, steht die Spielpraxis beim neuen Klub, übrigens frischgebackener Schweizer Cupsieger, an erster Stelle. Patrick Farkas könnte hier eine durchaus tragende Rolle zuteil werden, weil Ex-Salzburg-Profi Christian Schwegler seine Karriere bei Luzern beendet hatte. Das hat er jedenfalls schon von Sportchef Remo Meyer erfahren. „Luzern will hier einen Mentalitätsspieler wie es Schwegler auf der rechten Seite war. So wie sich der Verein um mich bemüht hat, ist es ein Zeichen, dass ich hier Stammspieler werden kann. Ich werde jetzt natürlich alles dafür geben und will mich nun in der Vorbereitung beweisen.“

International spielen ist für Luzern möglich

Reizvoll sei die neue Aufgabe auch deshalb, weil bei Luzern nicht nur viel Tradition im Spiel ist, sondern „der Verein einiges vorhat. Da entsteht etwas – und mit der möglichen Qualifikation für die Conference League könnten wir auch international spielen.“ In der dritten Quali-Runde wird es hier für Luzern ernst. Auch die Schweizer Super League hat schon zu Beginn einiges zu bieten. Am 24. Juli startet die Punktejagd für Luzern mit einem Heimspiel-Kracher gegen Young Boys Bern.

Es passt also, was auf Farkas zukommt. Stimmig ist die am Vierwaldstättersee gelegene Stadt in der Zentralschweiz aber auch deshalb, weil der Burgenländer privat nicht alleine vor Ort sein wird. Seine Verlobte Christine Halwachs wird ihn begleiten. „Sie hat mir auch bei der Entscheidung geholfen und gesagt, wenn, dann soll ich jetzt diesen Schritt gehen. Die Stadt und das Umfeld passen für uns beide richtig gut, das war mir sehr wichtig.“ Bislang läuft es jedenfalls, wie er aus der Schweiz wissen lässt: „Das Trainingszentrum ist top, ich bin auch extrem gut aufgenommen worden.“ Auch den Umstand, wieder einfach nur als Fußballprofi wahrgenommen zu werden, tut gut. Das war in Salzburg lange Zeit aufgrund des erlittenen Schlaganfalls im Zuge eines Trainings nur schwer möglich. Zu sehr standen die Reha, der Kampf zurück und das Thema an sich im Vordergrund. „Ich habe das damals bewusst offensiv kommuniziert, habe mich dann ins Fußballerleben zurückgekämpft und bin als Persönlichkeit sicher um einiges reifer geworden. Jetzt will ich aber allen vor allem beweisen, dass ich sportlich noch da bin.“