Der flexible Plan für das Wertungsziel. Ob die Saison 20/21 fertiggespielt werden kann, ist unsicher. Die Chancen, trotzdem zu werten, stehen aber gut.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 14. November 2020 (01:12)
Zuversicht. Die Siegendorf-Spieler Florian Frithum, Roman Tullis und Simon Buliga (l.) wollen den Sprung in die Regionalliga Ost schaffen. Die Chance auf eine Wertung ist 2020/2021 viel größer als 2019/2020.
Frank

Sie ist längst ein ständiger Begleiter in Zeiten von Covid-19: die Ungewissheit. Nach der Herbst-Unterbrechung drängt sich derzeit die Frage auf, wann es wieder weitergeht. Die Fußballverbände reagierten auf den bis Ende November verhängten bundesweiten Lockdown und entschieden, 2020 auf keinen Fall mehr mit der Punktejagd weiterzumachen.

Vorerst bleibt die Hoffnung, im neuen Jahr möglichst früh wieder einsteigen zu können. Im Fall der Regionalliga Ost etwa gibt es zumindest Überlegungen, bereits im Februar Verpasstes nachzuholen. Karl Schmidt, Geschäftsstellenleiter des Burgenländischen Fußballverbands (BFV): „Die Paritätische Kommission der Regionalliga hat das zumindest angedacht, eine Entscheidung ist aber extrem schwer.“

Weil niemand weiß, wie sich die Lage der behördlichen Maßnahmen im Februar oder März 2021 entwickeln wird. Darf dann wieder gespielt werden? Ab wann ist ein Mannschaftstraining wieder erlaubt, das für die Vorbereitung essenziell ist? Ganz nebenbei: Dürfen dann wieder Zuschauer auf die Plätze, die den einen oder anderen Einnahmen-Euro an der Kantine ausgeben?

BFV-Sportreferent Josef Bauer: „So rasch es geht mit dem Training beginnen.“
BVZ

Antworten darauf sind Mitte November 2020 nicht seriös, darum bleibt vorerst nicht mehr als die Warteschleife. Das gilt freilich auch für den kompletten Betrieb im Burgenland. Schmidt: „Es macht keinen Sinn, jetzt eine finale Lösungsvariante auszuarbeiten, wo wir noch keinerlei weitere Vorgaben haben.“ Was der Geschäftsstellenleiter sehr wohl verraten kann: „Dass es schon eine spruchreife Variante ist, den regulären Start der Frühjahrssaison nach hinten zu verschieben, um erst einmal die noch offenen Runden aus dem Herbst nachzuholen.“

„Wir müssen auf das Wetter und die behördlichen Vorgaben Rücksicht nehmen.“ Josef Bauer, BFV-Sportreferent, über die Prognose-Schwierigkeit, wie der unterbrochene Herbst 2021 möglichst früh nachgeholt werden kann

Schließlich gelte es, die Hinrunde möglichst rasch regulär zu beenden. Jedes Team muss dafür gegen jedes andere einmal gespielt haben. Hintergrund: Ist das erledigt, kann die Meisterschaft in jedem Fall gewertet werden. Das besagen die vor der Saison beschlossenen Covid-Sonderregelungen, die für einen möglichen Abbruch aufgesetzt wurden und die Hälfte der Punktejagd als Wertungs-Mindestmaß vorsehen. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass das gelingen wird“, glaubt Schmidt in jedem Fall an eine Wertung. Und auch BFV-Sportreferent Sepp Bauer, Vorsitzender des Spielausschusses, geht davon aus, dass die Meisterschaft diesmal nicht wie jene 2019/2020 annulliert wird. Eben weil nun bereits vorzeitig eine Wertung möglich ist. Weniger optimistisch gibt sich Bauer allerdings bei der Frage, ob alle Partien durchgeführt werden können. „Das bezweifle ich. Es sind noch sehr viele Nachtragspartien ausständig. Außerdem ist nicht vorhersehbar, wie der Jänner und der Februar witterungsbedingt sein werden. Wir müssen auf das Wetter und die behördlichen Vorgaben Rücksicht nehmen.“

Quotienten-Regel für Spiel-Unterschiede

Ein Drahtseilakt, noch dazu, wo bis mindestens Ende November auch kein Mannschaftstraining erlaubt ist. Hier braucht es laut Bauer die nötige Flexibilität der Teams, um für den Fall der Fälle gerüstet zu sein. „Wir appellieren an die Vereine, so rasch es geht mit dem Training zu beginnen, wenn es behördlich wieder erlaubt ist, um möglichst früh bei Kräften für eine Wiederaufnahme zu sein.“

Überhaupt brauche es im Amateurfußball durch die unsichere Verordnungs-Lage jede Menge Flexibilität. Fürs Erste zählt das Erreichen des Wertungsziels, am besten so schnell wie möglich. Um in weiterer Folge mehr Spiele für die Endabrechnung zählen zu können, braucht es danach mindestens ein Drittel der Frühjahrsmeisterschaft.

Dann könnte im Falle eines vorzeitigen Aus der Stand der Tabelle zum Zeitpunkt des Abbruchs herangezogen werden. Falls hier dann zumindest zwei Teams eine unterschiedliche Anzahl an Spielen absolviert haben, würde bei allen Mannschaften der Quotient – also Punkte dividiert durch absolvierte Spiele – errechnet und die Tabelle gegebenenfalls korrigiert werden. Wie sich so etwas auswirken könnte, ist anhand der Burgenlandliga-Tabelle (siehe links) gut ersichtlich. Wäre hier jetzt der Quotient ausschlaggebend, würde der Vierte, Siegendorf, Tabellenführer Deutschkreutz überholen – weil der Titelfavorit mit nur einer Pleite eine sehr gute Bilanz und eben drei Spiele weniger aufweist.

Unweigerlich drängt sich in diesem Zusammenhang die Frage nach gerecht oder ungerecht auf, sollte der Regelbetrieb irgendwann im Frühjahr tatsächlich weitergehen und die Meisterschaft dann trotzdem vorzeitig abgebrochen werden müssen. Für Sepp Bauer ist hier die Quotienten-Regel „die fairste Variante, um bei einem Abbruch und einer unterschiedlichen Anzahl von Spielen eine aussagekräftige Wertung vornehmen zu können.“

Nachsatz: „Über dieses Thema kann man lange diskutieren.“ Spiele, die noch nicht im Trockenen sind, werden hier mathematisch hochgerechnet. Andererseits ist der Vorteil jener Teams, die bereits mehr Matches erfolgreich absolviert haben, nicht von der Hand zu weisen. Gleiches gilt bei einem vorzeitigen Saisonabbruch aber nicht nur für den Aufstiegs-, sondern auch für den Abstiegsfall. Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) empfiehlt zwar generell auf den Abstieg zu verzichten, entscheiden können das aber die Landesverbände. Im Fall des BFV ist dieser Punkt schon im Sommer geklärt worden. Die Covid-19-Sonderregelungen sehen bei einem Abbruch neben dem Auf- auch den Abstieg vor – unter anderem deshalb, um in der Folge-Saison die Ligen nicht durch eine zu große Anzahl an Absteigern wieder regulieren zu müssen.

Als Fangnetz noch die „Sonderfall-Variante“

In jedem Fall ist es ein Drahtseilakt für die Verantwortlichen, kollektiv möglichst fair zu beurteilen. Um sozusagen ein Regel-Fangnetz zu haben, gibt es deshalb noch die Variante, unter Punkt e) „nicht geregelte Fälle bzw. Sonderfälle“ durch Beschlussfassung zu adaptieren. Auf deutsch: Sollte es eine prekäre Situation nötig machen, könnte das Regulativ auf verschiedenen Ebenen theoretisch noch abgeändert werden. Wenn es also einen Vorteil an der Saison 20/21 gibt, dann den, dass nicht komplett starre Muster vorherrschen. Diese im richtigen Moment mit dem nötigen Fingerspitzengefühl zu versehen, wird die hohe Kunst sein. Und dass es gar keine Verlierer gibt, ist ohnehin unwahrscheinlich.