Alois Höller: "Gar kein Gefühl, nur eine Leere!". Wie gingen grün-weiße Langzeit-Profis mit dem Aus des SVM um? Die BVZ fragte bei Alois Höller und Patrick Bürger nach.

Von Bernhard Fenz. Erstellt am 14. August 2020 (03:02)
„Ein Abenteuer kommt für mich nicht in Frage. Ich habe einen kleinen Sohn, baue Haus, das ist es mir einfach nicht wert.“
Alois Höller will im Osten Österreichs aktiv bleiben
Martin Ivansich

Der eine wechselte im Jänner 2005 als 17-Jähriger vom damaligen BNZ Burgenland zu den Profis des SV Mattersburg, spielte bis auf ein zweijähriges Hartberg-Intermezzo (2008 - 2010) durchgehend beim SVM und ist nun nebenbei als 33-Jähriger mit 58 Toren der erfolgreichste Mattersburger Bundesliga-Torschütze aller Zeiten.

Der andere stieß 2008 zu den Amateuren, schaffte 2010 den Sprung zu den Profis, brachte jede Menge Kämpferqualitäten mit, etablierte sich im Mittelfeld als absolute Mannschafts-Stütze, baut(e) in Mattersburg, absolvierte nebenbei die Lehrer-Ausbildung, ist am Gymnasium Mattersburg aktiv und hat demnach nicht nur sportlich als 31-jähriger Routinier seinen langfristigen Lebensmittelpunkt hier im Burgenland geschaffen.

„Ein Abenteuer kommt für mich nicht in Frage. Ich habe einen kleinen Sohn, baue Haus, das ist es mir einfach nicht wert.“ Alois Höller will im Osten Österreichs aktiv bleiben

Die Rede ist von Patrick Bürger, dem „graden Michl“ aus Bad Tatzmannsdorf, und Alois Höller, dem stets gut gelaunten Allrounder aus Lichtenegg, beide sind mittlerweile so etwas wie die personifizierten SVM-Dauerprofis.

Stadion-Erhalt wäre wichtiges Signal

Wer insgesamt 13 beziehungsweise 12 Jahre bei einem Klub unter Vertrag steht, den wird das Aus, wie es in Mattersburg der Fall war, besonders hart treffen. Höller kann das nur bestätigen: „Im Vorfeld der Hauptversammlung, als immer klarer wurde, dass es auf das Ende hinausläuft, ist es mir schon extrem schlecht gegangen.“ Was der gebürtige Niederösterreicher gefühlt hat, als klar war, dass es vorbei ist mit dem Fußball in Mattersburg? „Es war da gar kein Gefühl da, nur eine Leere.“ Freilich sei er enttäuscht über all das, was in Zusammenhang mit der Commerzialbank Mattersburg, dem Sportverein und Präsident Martin Pucher stehe. „Ich hätte nicht geglaubt, dass das alles so zusammenhängt und deshalb auch nicht mehr fortgeführt werden kann.“

Und auch Patrick Bürger muss im Rückblick zugeben: „Es hat schon ordentlich wehgetan, als die gesamte Causa ans Tageslicht gekommen ist. Du spielst, kämpfst, gibst alles für deinen Verein, schaffst auch den Klassenerhalt – und dann kommt auf einmal so etwas. Es ist schon enttäuschend.“

Und doch richtet sich der Blick des Südburgenländers bereits wieder nach vorne: „Jetzt gilt es für alle, das Beste daraus zu machen. Das Leben geht weiter.“ Bürger selbst war bereits aktiv und hat schon eine neue Aufgabe gefunden: Er wird künftig in der 2. Liga bei Lafnitz auf Torjagd gehen.

Dass nun in Mattersburg bis auf weiteres kein Erwachsenenfußball mehr zu sehen sein wird, ist trotzdem Fakt. Der Erhalt des Pappelstadions wäre für Höller aber ein enorm wichtiges Signal – auch in Bezug auf die Zukunft, falls doch wieder Meisterschaft gespielt wird. „Ich kann mich noch an meine Bundesheer-Zeit in Eisenstadt erinnern. Da bin ich einige Male zum ehemaligen Lindenstadion raufgefahren und habe es einfach nicht verstanden, dass so eine historische Sportstätte einfach verschwindet. Diese Bilder sind mir im Zusammenhang mit dem Pappelstadion in den Kopf gekommen. Es wäre enorm wichtig, das Stadion zu erhalten – zumindest so erhält man auch die Erinnerung.“ Gekämpft haben am Platz schließlich alle Beteiligten. Wo Höller künftig als Fußballer aktiv sein wird, das ist übrigens noch offen. „Ein Abenteuer kommt für mich nicht in Frage. Ich habe einen kleinen Sohn, baue Haus, das ist es mir einfach nicht wert. Sollte sich im Osten Österreichs eine Möglichkeit ergeben, wäre das natürlich erfreulich.“

Langfristig ist der berufliche Weg von Alois Höller übrigens ohnehin vorgezeichnet. Am Gymnasium Mattersburg unterrichtete der Mittelfeld-Akteur bislang schon fünf Stunden pro Woche. Das Kontingent aufstocken oder gar eine volle Lehrverpflichtung annehmen ist für das neue Schuljahr aufgrund der Fristen allerdings nicht mehr möglich, sondern erst 2021. Das war auch Höllers ursprünglicher Plan B, lief seine grün-weiße Vertragszeit doch noch eine Saison. „Ich wollte im nächsten Jahr mehr Stunden machen, falls der SVM nicht mehr verlängert hätte.“ Nun gilt es, sich ein alternatives berufliches Paket zu schnüren, ehe danach die Karriere in der Schule voll anläuft. Auch dafür werden Höllers Kämpferqualitäten gefragt sein.