Daniel Toth kehrt zum SC Neusiedl zurück. Daniel Toth wird wieder dort kicken, wo seine tolle Karriere begann — in der Heimat beim SC Neusiedl am See. Es ist eine ganz spezielle Rückkehr für Klub und Spieler.

Von Martin Ivansich. Erstellt am 16. Mai 2021 (02:11)
Elf Jahre war Daniel Toth der Admira treu und trug dabei auch eine lange Zeit die Kapitänsschleife des Bundesligaklubs aus der Südstadt.
Gerhard Möhsner

„Das wird extrem emotional“, blickt Daniel Toth auf den kommenden Juli. Dann wird der 33-Jährige mit hoher Wahrscheinlichkeit erstmals seit 2007 wieder das Trikot des NSC überstreifen, wenn die Neusiedler in der ersten Runde des ÖFB Cups antreten und für jede Menge Fußball-Romantik sorgen. Immerhin kehrt sowas wie der verlorene Sohn nach mehr als einem Jahrzehnt nach Hause.

Der Gegner ist noch nicht ausgelost — einen Wunsch hätte der langjährige Admira-Kapitän dennoch: „Admira, ganz klar. Das wäre ein Traumlos.“ Das besagte Duell gab es bereits 2018, als Neusiedl die Sensation gelang und der Bundesliga-Klub mit 1:0 besiegt wurde. Toth stand damals eben noch für seine Admira auf dem Platz und bestritt sein einziges Karriere-Spiel gegen den NSC, verschoss beim Stand von 0:0 einen Elfer: „Jetzt kann ich darüber schmunzeln, damals war ich natürlich nicht so ‚amused‘.

Und wenn es das Duell tatsächlich wieder geben sollte und ich wieder einen verschieße, dann hat sich das mit den Elfmetern für mich erledigt“, meint der zweifache Familienvater, der im vergangenen Sommer zu Stripfing wechselte und dort auch noch das eine oder andere Jahr eingeplant war — bevor sich die Situation beruflich und sportlich eben änderte. Totti, wie der sympathische Burgenländer von seinen Teamkollegen und Freunden genannt wird, wohnt in Weiden und arbeitet seit kurzem auch in Weiden bei einem Steuerberater.

„Außerdem ist der Kontakt zu Neusiedl natürlich nie abgerissen und jetzt ist das Gesamtpaket für mich eben richtig rund. Ich habe ja auch eine Verantwortung gegenüber meiner Familie“, stellt der Rückkehrer ganz klar fest. In Stripfing hätte man Toth logischerweise gerne noch gesehen, ließ den Mittelfeldakteur nur ungern ziehen, brachte aber letztendlich auch Verständnis auf. Jetzt kickt Totti eben wieder für seinen Heimatverein, wo einst seine große Reise in den Profifußball begann und mit über 200 Spielen in der Bundesliga (für Ried und die Admira) endete. Toth kommt also mit jeder Menge Erfahrung zurück in die Seestadt, wo er „einiges zurückgeben“ will.

„Der Verein hat mir damals, als ich als junger Spieler in der Kampfmannschaft begann, stets großes Vertrauen entgegengebracht und war definitiv mein Sprungbrett in das Profigeschäft. Jetzt will ich natürlich auch dem Verein helfen, die Ziele zu erreichen, die man sich gesteckt hat.“

„Wir haben einiges vor, wollen uns auf keinen Fall in einer Abstiegskampf-Situation wiederfinden, sondern eine gute Rolle spielen.“ Daniel Toth über die Ziele mit dem SC Neusiedl

Toth ortet im Klub eine Aufbruchsstimmung: „Ich denke, der NSC ist jetzt auch mit dem neuen Vorstand sehr gut aufgestellt. Wir haben einiges vor, wollen uns auf keinen Fall in einer Abstiegskampf-Situation wiederfinden, sondern eine gute Rolle spielen.“ Die Erwartungshaltung in Toth ist klarerweise nicht klein, der stellt aber klar: „Das ist in Neusiedl immer so und mir ist das bewusst, dass man auf mich setzt. Aber eines ist auch klar, ich bin kein Messi. Wir gewinnen und verlieren immer als Team. Der Zusammenhalt ist es ja auch, der Neusiedl ausmacht und immer ausgemacht hat. Das kenne ich auch aus meiner Admira-Zeit.“ Stichwort Zusammenhalt: Toth bekommt bei seinem Stammverein nicht nur die Aufgabe des Leithammels und Mittelfeldregisseurs, sondern wird auch Co-Trainer in der Seestadt, offen ist allerdings noch unter wem.

NSC auf der Suche nach neuem Coach

Weil sich der Club vor wenigen Tagen von Jürgen Halper trennte – den zieht es in die Wiener Stadtliga zum SV Gerasdorf –, ist man nun in der nördlichsten Bezirkshauptstadt auf der Nachfolger-Suche und will rasch einen neuen Coach präsentieren, wie Manager Lukas Stranz verlautbart: „Wir sind intensiv am Sondieren, führen schon Gespräche und hoffen zeitnah einen neuen Trainer bekanntgeben zu können.“ Zum Abgang von Halper erklärt Stranz: „Wir haben die Zusammenarbeit in einem freundschaftlichen Verhältnis beendet, Jürgen Halper hat ein für ihn interessantes Angebot wahrgenommen.“ Ergo wird Halper, der in Wien lebt, nun den Stadtliga-Klub Gerasdorf coachen.

Unabhängig vom kommenden Neusiedler Cheftrainer freut sich Toth auf seine Doppelfunktion: „Ich sehe mich da vor allem auch als einer, der jungen Spielern helfen kann, will dazu meine Erfahrung einbringen.“ Speziell dem Nachwuchsfußball will Toth, der in Kürze mit der B-Lizenz beginnt, auch nach der aktiven Karriere verbunden bleiben: „Weil das etwas ist, das mir viel Spaß macht.“ Als Trainer im Profigeschäft tätig werden, hat Daniel Toth nicht auf seinem Zettel: „Das steht eigentlich nicht auf meinem Plan, eher vielleicht in einer Akademie. Das lasse ich alles auf mich zukommen.“ Aktuell gilt aber sowieso der volle sportliche Fokus seiner alten Liebe: dem Neusiedler SC.