Ein Kinderarzt schenkt Hoffnung

Gemeinsam helfen

Der Kinderarzt und ehemalige Primar des Krankenhauses in Eisenstadt Dr. Hans Peter Wagentristl half beim Aufbau einer Neugeborenenintensivstation in Afrika. Was in Kleinhöflein mit der Taufe des kleinen Valentin begann, wurde zu einer Mission, die Leben retten kann.

Von Nina Mayer

Drei mit dem Herz am rechten Fleck: Betreiber des Hofgassl-Heurigen Markus Kaiser, Pater Innocent und Dr. Hans Peter Wagentristl im Dienst der guten Sache.

Drei mit dem Herz am rechten Fleck: Betreiber des Hofgassl-Heurigen Markus Kaiser, Pater Innocent und Dr. Hans Peter Wagentristl im Dienst der guten Sache.

© Nina Mayer

Das Leben schreibt Geschichten, die so berührend sind, dass sie weitererzählt werden müssen. Diese beginnt mit der Taufe eines kleinen Buben in Kleinhöflein und führt bis nach Burundi, in ein Land, in dem medizinische Hilfe für Kinder keine Selbstverständlichkeit ist.

Markus und Magdalena Kaiser, die Betreiber des Hofgassl-Heurigen, ließen ihren Sohn Valentin von Pater Innocent taufen. Der Geistliche aus Burundi ist Hilfspfarrer der Pfarren Eisenstadt-Oberberg und Kleinhöflein und studiert an der Hochschule des Stiftes Heiligenkreuz. Unter den Gästen war auch Markus Kaisers Vater, Dr. Hans Peter Wagentristl, vielen als langjähriger Primarius der Kinderstation des Krankenhauses in Eisenstadt bekannt.

Dr. Hans Peter Wagentristl bei einer Ultraschall-Untersuchung eines Babys in Burundi.

Dr. Hans Peter Wagentristl bei einer Ultraschall-Untersuchung eines Babys in Burundi.

© zVg/Wagentristl

Ein Kinderarzt mit Herz und Erfahrung

Fast sein ganzes Berufsleben widmete Dr. Wagentristl den jüngsten Patienten. Mit außergewöhnlichem medizinischem Wissen und großer menschlicher Wärme kämpft er bis heute darum, Kinder gesund zu machen und ihr Leben zu retten. Selbst in vielen Urlauben stellte er seine Fähigkeiten in den Dienst anderer, unter anderem in einem rumänischen Waisenhaus.

Bei der Taufe seines Enkerls lernte er Pater Innocent kennen. Dieser erzählte von seiner Heimat Burundi, einem Land in Ostafrika, etwa ein Drittel so groß wie Österreich. Die Folgen von Bürgerkrieg und bitterer Armut sind bis heute spürbar, auch in der medizinischen Versorgung.

So entstand die Idee, beim Aufbau einer Neugeborenenintensivstation im Hospital Saint Theresa in Gitega zu helfen. Die Pfarren Kleinhöflein und Eisenstadt-Oberberg sammelten Spenden. Damit konnten ein Inkubator für gefährdete Neugeborene und ein Ultraschallgerät finanziert werden. Dr. Wagentristl reiste für fast drei Wochen nach Burundi, um die Geräte zu liefern und sein Wissen weiterzugeben. In einem Vortrag im Hofgassl-Heurigen erzählte er am Sonntag gemeinsam mit Pater Innocent von seinen Erlebnissen.

Die Ärzte in Burundi bei der Anwendung des neuen Ultraschall-Geräts. Mit viel Begeisterung wandten sie sich der neuen Technik zu.

Die Ärzte in Burundi bei der Anwendung des neuen Ultraschall-Geräts. Mit viel Begeisterung wandten sie sich der neuen Technik zu.

© zVg/Wagentristl

Wenn Selbstverständliches zum Luxus wird

Das Krankenhaus wird von einer 72-jährigen Ärztin und Ordensfrau mit großer Kompetenz und strenger Hand geführt. Auf Hygiene wird geachtet, doch die Rahmenbedingungen sind schwierig. Eine Spitalsküche gibt es nicht. Angehörige versorgen die Patienten, waschen ihre Wäsche und sogar die Windeln der Kinder im Garten. Manche Familien müssen weite Strecken zu Fuß zurücklegen, um überhaupt ins Krankenhaus zu gelangen. Treibstoff ist kaum leistbar.

Überwachungsmonitore, wie sie auf österreichischen Neugeborenenintensivstationen zum Alltag gehören, fehlen. Mütter bleiben eng bei ihren Babys, halten und beobachten sie. Körperkontakt und Wärme sind wichtig, ersetzen aber keine medizinische Überwachung. Auch an grundlegenden Materialien wie Venflos mangelt es.

Die anfängliche Skepsis dem weißen Arzt gegenüber wich bald Vertrauen. Dr. Wagentristl schulte die einheimischen Ärzte am neuen Ultraschallgerät ein. Bis dahin waren viele Untersuchungen nur mittels Röntgen möglich gewesen. Die Diagnostik brachte allerdings auch erschütternde Befunde ans Licht: Bei zwei Kindern wurden schwere Herzfehler festgestellt. Eine Operation vor Ort war nicht möglich. Hoffnung gibt es dennoch: Einmal jährlich reist ein Schweizer Ärzteteam an, um solche Eingriffe durchzuführen.

Interessierte Besucher des Vortrags von Dr. Hans Peter Wagentristl und Pater Innocent im Hofgassl-Heurigen.

Interessierte Besucher des Vortrags von Dr. Hans Peter Wagentristl und Pater Innocent im Hofgassl-Heurigen.

© Nina Mayer

Jeder Euro kann Leben retten

Viel Wissen wurde in diesen drei Wochen weitergegeben. Doch noch immer fehlt es an wichtigen Geräten, darunter Pulsoxymetern zur Messung der Sauerstoffsättigung und Möglichkeiten zur nicht-invasiven Atemunterstützung.

Im April 2027 wird Dr. Wagentristl erneut nach Burundi reisen und wieder dazu beitragen, dass Kinder die Chance bekommen, gesund zu werden und zu überleben. Einfache medizinische Hilfsmittel können über Leben und Tod entscheiden. Wegzusehen, obwohl Hilfe möglich wäre, ist keine gute Antwort.

In Kleinhöflein geht die Geschichte weiter: Markus und Magdalena Kaiser öffnen ihr „Hofgassl“ wieder am 23. Dezember zum „Weihnachtswein in Kleinhöflein“. Bei winterlichem Glühwein werden wieder Menschen zusammenkommen, und wer weiß, was sich diesmal ergibt.

Wer die medizinische Versorgung der Kinder in Burundi unterstützen möchte, kann mit einer Spende helfen: Kiwanis Club Eisenstadt – Aufbruch, Kontonummer: AT 72 3300 0000 0113 3925.

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Ein Kinderarzt schenkt Hoffnung
Markus Kaiser

© Nina Mayer

Ein Kinderarzt schenkt Hoffnung
Pater Innocent

© Nina Mayer

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Dr. Hans Peter Wagentristl

© Nina Mayer

Ein Kinderarzt schenkt Hoffnung
Markus Kaiser

© Nina Mayer