Andreas Posch: Ex-Kinderfreunde-Obmann für Babler

Einer tanzt aus der Reihe

Bisher gab es in der SPÖ Burgenland kaum offene Unterstützter für andere Kandidaten als Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Andreas Posch, ehemaliger Kinderfreunde-Obmann, versteht sich als „Unabhängiger, mit eigener Meinung“ und wirbt offen für Andreas Babler - auch unter einem Facebook-Post seiner Ortspartei.

Von Peter Wagentristl

Andreas Posch: ehemaliger Kinderfreunde Burgenland-Obmann, passionierter Gummientensammler und Unterstützer von  Andreas Babler.

Andreas Posch: ehemaliger Kinderfreunde Burgenland-Obmann, passionierter Gummientensammler und Unterstützer von Andreas Babler.

© SPÖ Steinbrunn

Dass die burgenländischen SPÖ-Mitglieder fast ausnahmslos - zumindest nach außen - hinter dem burgenländischen Kandidaten für den Bundesvorsitz der Partei stehen, scheint naheliegend. Unzählige Ortsgruppen im ganzen Land warben für Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, wie auch für neue Parteimitglieder. Stand letzte Woche freute man sich im Burgenland über 450 neue SPÖ-Mitglieder im Rahmen der aktuellen Diskussion.

Neben einer Schein-Kandidatur aus Hornstein und einem Besuch der SPÖ Hirm in Traiskirchen bei Andreas Babler sind im Nordburgenland abweichende Meinungen rar gesät. Partei-Kritiker Andreas Posch, bis 2019 Vorsitzender der Kinderfreunde Burgenland, hält mit seiner Einstellung aber nicht hinter dem Berg. Eine Position hat Posch in der SPÖ nicht mehr über, vor einem Jahr übergab er die Leitung der Kinderfreunde Steinbrunn, in der Ortspartei legte er vor einem Monat den Sitz im Vorstand zurück. Zwar mittlerweile ohne Rang, aber nicht ohne Namen, wirbt Posch nun offen für den wohl aussichtsreichsten Herausforderer von Doskozil und Parteichefin Pamela Rendi-Wagner, den Traiskirchener Bürgermeister Andreas Babler.

Rendi-Wagner „kann es nicht“, Doskozil „kein Teamplayer“

„Wir wissen nun, dass sie es nicht kann“, erklärt Posch seine ablehnende Haltung gegenüber der Parteichefin, möchte aber „bewundernd festhalten, dass sie sich lange als Frau gegen die ,Übermacht' der patriarchalen Männerwelt in der SPÖ gehalten hat.“ Die Vorwürfe gegen Doskozil „in Kooperation mit bürgerlichen und Boulevard-Medien“ findet der Sozialdemokrat vom alten Schlag „unfair und unerträglich.“

Andreas Posch: Ex-Kinderfreunde-Obmann für Babler

© SPÖ Steinbrunn

Doskozil sieht er allerdings ebenso wenig als Teamplayer und als einen Proponenten jener patriarchalen Männerwelt, die es Frauen in Führungspositionen der Sozialdemokratie besonders schwer macht, so Posch - auch im Zusammenhang mit seiner Ortsparteikollegin Astrid Eisenkopf. Dass ihr „bereits einmal bei der Vertretung des Landeshauptmanns ein männlicher Landesrat Schneemann vorgesetzt wurde und dass grundsätzlich wenig respektvoll mit Frauen im Besetzungsspiel von Funktionen umgegangen wird, ist nicht neu“, spart der Steinbrunner Sozialdemokrat nicht mit Kritik.

„Old School“-Sozialdemokratie mit Kapitalismuskritik und Klassenkampf

Nicht nur aus Freundschaft wirbt Posch daher offensiv für seinen Kinderfreunde-Genossen Andreas Babler, auch unter anders lautenden Facebook-Posts seiner Ortspartei. Dass der „linke“ Babler - Posch selbst hält von der Links-rechts-Diskussion (ebenso wie Babler) in diesem Zusammenhang wenig - in Österreich nicht mehrheitsfähig sei, zweifelt der Polit-Pensionist jedenfalls an. Es gäbe in der SPÖ genug Mitglieder, „die andere Vorstellungen von der politischen Zukunft Österreichs haben und die auch wieder bereit sind, von Klassenkampf oder Kapitalismuskritik zu reden, die Menschen zusammenzubringen und ihnen eine starke gemeinsame Stimme zu geben.“ Mit Rendi-Wagner und Doskozil gehe das jedenfalls nicht. „Die SPÖ ist mehr als ein Wahlverein.“

Andreas Posch: Ex-Kinderfreunde-Obmann für Babler

© APA, ROBERT JAEGER

Dass die rot-goldenen Sozialdemokraten - zumindest nach außen - so geschlossen hinter Doskozil stehen, habe laut Posch zwei Gründe. Einerseits weil die SPÖ die Themenführerschaft mit „wichtigen Themen wie Mindestlohn, Initiativen für mehr Ärzte im Burgenland oder Anstellungen für privat Pflegende“ übernommen hat - und diese Themen „einfach positiv ankommen“. Andererseits spricht Posch aber auch von Druck auf Ortsparteien und Vorfeldorganisationen, die vorgegebene Linie mitzutragen. „Aktuell gibt es für Mitgliederbefragung zum Bundesvorsitz eben ein dichtes Netz an Vergatterung und Vereinnahmung von SPÖ-Strukturen und kritische Stimmen tun sich schwer. Vor allem, wenn sie in Funktion oder Abhängigkeit stehen.“