„Fenster zur antiken Leitharegion“

Archäologie Leitha-Region

Die fast 5.000 Jahre alte Siedlungsgeschichte in Leithaprodersdorf kann nun nachgelesen werden.

Von Sigrid Furtner-Janisch

Zusammenarbeit. Nikolaus Hofer, Maria Teuschel, Eva Steinberger (alle vom Bundesdenkmalamt), Lucia Formato, Violetta Reiter, Petra Weiss (Fachdirektorin des Bundesdenkmalamts) und Bürgermeister Martin Radatz (v.l.) mit ihren Werken und Abgüssen eines Fundes.

Zusammenarbeit. Nikolaus Hofer, Maria Teuschel, Eva Steinberger (alle vom Bundesdenkmalamt), Lucia Formato, Violetta Reiter, Petra Weiss (Fachdirektorin des Bundesdenkmalamts) und Bürgermeister Martin Radatz (v.l.) mit ihren Werken und Abgüssen eines Fundes.

© Furtner-Janisch

Seit über 4.700 Jahren leben Menschen auf dem heutigen Gebiet rund um Leithaprodersdorf. In den letzten 20 Jahren gruben Archäologien viele Reste der Besiedelung aus, untersuchten sie und präsentierten nun in „Fundberichte aus Österreich, Beihefte Band fünf (2025)“ ihre Erkenntnisse der Öffentlichkeit.

Zunächst zeigte Violetta Reiter, die seit 2015 bei Grabungen im Ort dabei ist, ihre Ergebnisse der Funde aus der Zeit der Kelten.

Archäologische Spurensuche in Leithaprodersdorf

Sie gab auch einen kurzen Überblick über frühere Grabungen, etwa rund um das „Badener Grab“, die bereits in den 1970er Jahren begonnen wurden. „Das ist einer der ältesten Funde in Leithaprodersdorf“, so Reiter.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Funde aus der Keltenzeit, beginnend in der neolithischen Zeit (rund 2.500 v. Chr.), die Leithaprodersdorfer Gruppe oder die Wieselburger Kultur (aus der Frühbronzezeit um 1.700 v. Chr.).

Archäologische Funde: Trinkgefäß und Goldfadenband

Funde entdeckten die Archäologen bei den Kreuzäckern, Edelseeäckern oder den Bachreuthäckern. Bei Letzterem wurde auch ein Goldfadenband gefunden, einen ähnlichen Fund machte man auch in einem Grab in Ebenfurth. Zu den wichtigsten Funden in Leithaprodersdorf zählt ein kleines Trinkgefäß aus einem Kindergrab, das bei den Grabungen in den Kreuzäckern in den Jahren 2005 bis 2015 gefunden wurde.

„Fenster zur antiken Leitharegion“

© Furtner-Janisch

„Es ist in Schuhform mit vielen Details und Verzierungen darauf. Es gibt einen Hinweis darüber, wie die Schuhe der Menschen damals aussahen. Da diese üblicherweise aus organischem Material, wie Leder sind, gibt es nur wenige Schuhfunde. Das gibt uns einen guten Einblick in die alltägliche Kleidung der Menschen“, erklärt Reiter begeistert.

„Fenster zur antiken Leitharegion“

© Furtner-Janisch

Weitere spannende Funde und deren Deutung finden sich in ihren veröffentlichten Büchern, darunter in „Fundberichte aus Österreich, Beihefte Band Nr. 5“. Diese sind auch online abrufbar.

Leithaprodersdorf ist für die Forschung ein besonderer Ort und „ein Fenster zur antiken Leitharegion“. Für die Archäologin Lucia Formato ist Leithaprodersdorf ein „Glücksfall, weil hier Siedlung und Ruhestätte nebeneinander gefunden wurden“. Sie spezialisierte sich auf die Zeit der Römer in der Region.

Formato fand auch Belege von einem Übergang der Kelten zu einem „römischen Lebensstil“, wie etwa an den Bestattungsriten erkennbar sei. „Im späten ersten Jahrhundert findet man regional typische Traditionen, wie man basierend auf den Hügelgräbern erkennt“, so Formato.

Archäologische Funde belegen antike Vernetzung

„Ab dem zweiten Jahrhundert kam es zum Übergang. Nun gibt es etwa Schüsseln aus Gallien in der Region. Das zeigt eine antike Vernetzung über die Region hinaus“, stellt sie fest. Auch bei den Gräbern gab es Neues, etwa Grabmonumente. Das ließe wiederum auf eine wohlhabende Gesellschaft schließen, da das „eine teure Tradition ist“, wie die Forscherin weiter erklärt. In den Bauten habe man außerdem die Fußbodenheizung der Römer gefunden.

„Es waren Menschen mit Hoffnungen, Ängsten und Traditionen – so wie wir heute. Es war eine dynamische Welt voller Veränderungen und mit der Archäologie haben wir eine Verbundenheit mit den damaligen Menschen“, schließt Formato ab. Auch ihre Ergebnisse, etwa warum Rinderhörner auf intensiven Ackerbau schließen lassen, sind in diversen Büchern nachzulesen, ein Exemplar findet sich auch in der Leithaprodersdorfer Gemeindebücherei.

Geschichte unter den Füßen

Eine Zusammenfassung der gesamten geschichtlichen Entwicklung findet man unter anderem im Buch „Leithaprodersdorf Underground“, zusammengefasst durch Franz Sauer und Nikolaus Hofer vom Bundesdenkmalamt. Franz Sauer ist seit 2005 der zuständige Archäologe vom Bundesdenkmalamt für die Region und erhielt für seine Bemühungen auch den Ehrenring der Gemeinde Leithaprodersdorf. Gesetzlich ist es vorgeschrieben, dass archäologische Funde vom Bundesdenkmalamt gesichtet werden müssen, wenn sie gefunden werden.

„Leithaprodersdorf ist ein historischer Boden, wo schon viele Völker waren. Die Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt war immer gut“, stellt auch Bürgermeister Martin Radatz fest.