Künstlerische „Bewegung“ in der Pfarrscheune Trausdorf

Ausstellung

Trausdorf an der Wulka wurde am Donnerstagabend einmal mehr zu einem Ort, an dem Kunst weit über das Sichtbare hinauswirkt. In der historischen Pfarrscheune eröffnete feierlich die diesjährige Sommerausstellung - eine Hommage an den Maler Sepp Laubner. Sie steht unter dem vielschichtigen Titel „Bewegung“ und macht genau das zum zentralen Erlebnis: Wandel, Dynamik und jene unsichtbare Energie, die Kunst lebendig werden lässt.

Von Nina Mayer

Kunstsammler Mario Müller, Claudia Priber - Geschäftsführerin der Kultur-Betriebe Burgenland, und Bürgermeister von Trausdorf Andreas Rotpuller.

Kunstsammler Mario Müller, Claudia Priber - Geschäftsführerin der Kultur-Betriebe Burgenland, und Bürgermeister von Trausdorf Andreas Rotpuller.

© Nina Mayer

Bereits seit vielen Jahren verbindet die Gemeinde eine enge Zusammenarbeit mit der Peter Infeld Privatstiftung. Auch heuer werden wieder ausgewählte Werke aus der international bedeutenden Sammlung Infeld präsentiert.

Es sind Arbeiten, die den Raum durchdringen, Emotionen auslösen und eine ganz eigene Spannung entstehen lassen. Zentraler Punkt der Ausstellung war diesmal eine besondere Hommage an den burgenländischen Künstler Sepp Laubner, dessen Werke eine zusätzliche, beinahe intime Ebene in die Schau einfließen lassen.

Bürgermeister Andreas Rotpuller begrüßte die zahlreichen Gäste, bevor Karolj Palkovich in die thematische Tiefe der Ausstellung eintauchte und einen kunsthistorischen Zugang eröffnete. Für den musikalischen Rahmen sorgte die Formation Tamburizza Baumgarten, deren Klänge sich beinahe wie eine Erweiterung der ausgestellten Werke durch den Raum legten.

Die offizielle Eröffnung nahm Claudia Priber, Geschäftsführerin der Kultur-Betriebe Burgenland, vor und setzte damit den feierlichen Auftakt zu einem besonderen Kunstsommer.

Im Mittelpunkt steht heuer ein Begriff, der auf den ersten Blick schlicht erscheint und doch nahezu unerschöpflich wirkt: Bewegung. Dabei versteht sich dieser nicht als bloßes Ausstellungsthema, sondern vielmehr als Zustand, als Prozess des ständigen Wandels. Linien beginnen zu schwingen, Formen lösen sich auf, Farben scheinen zu pulsieren. Was zuvor still wirkte, gerät in Fluss. Grenzen verschwimmen und machen Platz für neue Wahrnehmungen.

Die präsentierten Werke renommierter Künstler wie Christian Ludwig Attersee, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden eröffnen dabei unterschiedliche Zugänge zu diesem Spannungsfeld. Ausdrucksstarke Farbflächen treffen auf reduzierte Kompositionen, vibrierende Strukturen stehen stillen Momenten gegenüber.

Hinter all dem steht eine Sammlung mit bemerkenswerter Geschichte. Was in den 1960er-Jahren aus der Vision des Unternehmers und Kunstmäzens Peter Infeld sowie seiner Mutter Margaretha entstand, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einer Sammlung von internationalem Rang.

Tausende Werke zeitgenössischer Kunst vereint die Kollektion heute – getragen von der Idee, Kunst nicht zu bewahren, sondern sie immer wieder neu in Bewegung zu bringen. Seit 2012 findet genau diese Idee in Trausdorf jeden Sommer ihren besonderen Ausdruck.

Mit der diesjährigen Schwerpunktsetzung auf Sepp Laubner erhält die Ausstellung zusätzlich eine sehr persönliche Dimension. Seine Werke leben von intensiven Gegensätzen: leuchtendes Rot trifft auf dunkles Schwarz, Licht steht neben Schatten, Verdichtung begegnet Auflösung. Seine Kompositionen wirken vielschichtig, beinahe wie Erinnerungen, die sich Schicht für Schicht in Farbe verwandeln.

Auch seine Figuren bleiben bewusst offen in ihrer Deutung – geheimnisvoll, manchmal irritierend, niemals eindeutig. Gerade darin liegt die besondere Kraft seiner Arbeiten: Sie geben keine Antworten vor, sondern lassen Raum für eigene Gedanken und individuelle Begegnung.

So ist „Bewegung“ in Trausdorf weit mehr als eine klassische Kunstausstellung. Sie verwandelt die alte Pfarrscheune für einige Wochen in einen Ort, an dem Wahrnehmung in Bewegung gerät, Farben zu sprechen beginnen und Formen ihre eigene Choreografie entwickeln. Eine Einladung, sich auf Kunst einzulassen – und vielleicht selbst verändert wieder hinauszutreten.

Die Ausstellung kann noch bis 10. August besucht werden.