Neufeld: Gesundheitszentrum statt altem Beamtenhaus

Beamtenhaus muss weichen

Seit Jahren wird über das Projekt gesprochen, nun nehmen die Pläne Form an: Neufeld bekommt ein Gesundheitszentrum, 2026 sollen die Bauarbeiten starten. Dafür wird das historische Beamtenhaus neben dem Kulturzentrum abgerissen.

Von Von Peter Wagentristl

Das historische Beamtenwohnhaus neben dem KUZ Fred Sinowatz wird für den Bau des Gesundheitszentrums abgerissen.

Das historische Beamtenwohnhaus neben dem KUZ Fred Sinowatz wird für den Bau des Gesundheitszentrums abgerissen.

© google streetview

Bereits im Jänner 2025 fand in der Stadt der erste Informationsabend zum geplanten Gesundheitszentrum statt. Bürgermeister Michael Lampel, der seit Jahren am Projekt werkt, zeigt sich entsprechend erfreut über die Fortschritte bei der Planung: „Unser Ziel war immer ein modernes, optimal ausgestattetes Gebäude, das sowohl Patienten als auch Ärzten die besten Rahmenbedingungen bietet."

Neufeld: Gesundheitszentrum statt altem Beamtenhaus

© zVg

Damit soll für die knapp 4.000 Neufelder und die Sommergäste die gesundheitliche Versorgung vor Ort sichergestellt und ausgebaut werden. „Man darf nicht vergessen: In der Hochsaison wächst Neufeld dank Touristen auf 10.000 Menschen an“, so Lampel. Da gebe es eben einiges zu tun.

Beamtenhaus wird abgerissen

Als Standort wählte die Stadt das ehemalige Beamtenhaus neben dem Kulturzentrum Fred Sinowatz aus. Das Grundstück samt Gebäude steht im Eigentum der Gemeinde und bietet ausreichend Platz - dafür wird allerdings das Beamtenhaus abgerissen. Eine Sanierung und Adaptierung des Gebäudes, das trotz seines historischen Charakters nicht unter Denkmalschutz steht, sei nicht möglich, erklärt der Bürgermeister auf BVZ-Nachfrage.

Ich kenne das Haus in- und auswendig: Das Gebäude ist zu feucht, eine Sanierung wäre zu teuer. Ohne Abriss geht es nicht. Bürgermeister Michael Lampel erklärt, warum das historische Gebäude für das Gesundheitszentrum weichen muss.

Neufeld: Gesundheitszentrum statt altem Beamtenhaus

© Gemeinde, Peter Wagentristl

„Optimaler Standort im Herzen Neufelds“

Eine andere Fläche habe die Stadt für das lange geplante Projekt auch nicht in petto. Geografisch scheint der Standort „im Herzen Neufelds“ und „nahe des Seniorenwohnheims“ jedenfalls optimal. Auch die Größe des aktuell nur teilweise bebauten Grundstücks sei bestens für ein Gesundheitszentrum geeignet.

Zudem profitiere auch das benachbarte Kulturzentrum: im Zuge des Neubaus soll auch der obere Stock des KUZ barrierefrei zugänglich gemacht werden.

Realisierung mit OSG und plusminusnull

Als Architekt zeichnet Alexander Mayer-Niepel vom Planungsbüro „plusminusnull Architektur“ verantwortlich. Die Umsetzung des Projektes realisiert die Oberwarter Siedlungsgenossenschaft (OSG), mit der die Stadt etwa auch beim Rathaus zusammengearbeitet hat. „Mit vereinten Kräften schaffen wir hier einen neuen Standort für Gesundheit mitten im Zentrum – ein starkes Plus für die ganze Region", heißt es dazu von der OSG.

Neufeld: Gesundheitszentrum statt altem Beamtenhaus

© google maps; Markierung: BVZ

Planung 2025, Bauphase 2026, Betriebsstart 2027

Die Planungsphase soll noch das gesamte Jahr 2025 in Anspruch nehmen, um alle Interessenten bestmöglich einzubeziehen und Synergien zu nutzen. Einen konkreten Bauplan oder eine Visualisierung des Projektes gibt es zum aktuellen Stand noch nicht. Der Baubeginn ist für Anfang 2026 geplant, die Stadt rechnet mit einer Fertigstellung und Inbetriebnahme zur Jahresmitte 2027.

Interessierte Ärzte und Therapeuten können sich bereits jetzt an die Gemeinde oder Bürgermeister Michael Lampel wenden. „Es gibt auch schon laufend Gespräche mit Interessenten“, so der Ortschef. Die Nachfrage sei durchaus gegeben, nicht nur von Ärzten. Auch andere Gesundheitsberufe sollen im geplanten Zentrum Platz finden, vom Physiotherapeuten bis zur Kassenärztin sollen die Neufelder hier künftig rundum versorgt werden.

Beamtenhaus mit bewegter Vergangenheit

Einst lebten im Beamtenhaus - wie der Name schon verrät - Beamte der naheliegenden Jutefabrik, dem damals wirtschaftlichen Motor der Stadt mit bis zu 2.000 Beschäftigten. 1974 schloss die altehrwürdige Fabrik, Menschen arbeiteten und die Großteil der Neufelder bis zur Schließung. 1996 wurde die Fabrik abgerissen, es blieben nur der Uhrturm und einige Arbeiterhäuser sowie das Beamtenhaus.

Neufeld: Gesundheitszentrum statt altem Beamtenhaus

© Hans Wetzelsdorfer

Es folgte langjähriger Leerstand und 2012 besetzten die Neufelder Künstler Hans Wetzelsdorfer und Elke Mischling das Gebäude sogar. Ihre Forderung, das Gebäude unter dem Titel „Das Grenzwerk“ zu einem „freien Kunstraum“, einem „Ort der Kunstproduktion und –präsentation, der Kommunikation und Begegnung“ zu machen, wurde zwar umgesetzt, aber nur kurzzeitig und nicht in vollem Umfang. 2015 war Schluss, in den vergangenen zehn Jahren war es ruhig im alten Beamtenwohhaus.

Nun ist sein Schicksal besiegelt, mit dem Bau- und Abrissstart 2026 ist das historische Gebäude dann auch sprichwörtlich Geschichte.