Reminiszenzen an das Bischöfliche Seminar Mattersburg

Buch von Johann Werfring

Der gebürtige Sieggrabener und heute in Wien lebende Kulturhistoriker und Autor Johann Werfring brachte im April und Juni zwei neue Bücher heraus. Das eine widmet sich der Geschichte des „Bischöflichen Seminars Mattersburg 1954-1998“. Die Buchpräsentation findet am 30. September, 15 Uhr, im Festsaal des Mattersburger Gymnasiums statt. Das andere trägt den Neugierde erweckenden Titel „Auf der Nase des rosaroten Prinzen“ und den Untertitel „Wiener Scherznamen aus kulturgeschichtlicher Perspektive“. Die Präsentation dazu gibt es am 27. Oktober, 18 Uhr, im Großen Schwurgerichtssaal des Landesgerichts für Strafsachen Wien.

Von Helga Ostermayer

Am 30. September, 15 Uhr, präsentiert der Autor Johann Werfring sein Buch „Das Bischöfliche Seminar Mattersburg 1954-1998“ im Festsaal des Gymnasiums.

Am 30. September, 15 Uhr, präsentiert der Autor Johann Werfring sein Buch „Das Bischöfliche Seminar Mattersburg 1954-1998“ im Festsaal des Gymnasiums.

© Irina Kubadinow

Der in Sieggraben aufgewachsene Kulturhistoriker Johann Werfring ist ein eifriger Autor. Seinen Schriften ist anzumerken, dass er sich dem jeweiligen Gegenstandsbereich mit Leidenschaft und Akribie widmet. Vieles hat er zur Geschichte von Wien veröffentlicht, aber auch kulturelle Belange des Burgenlandes, zu dem er große Affinität pflegt, wie auch Themen zur Medizingeschichte, zur Volkskultur und zur Kulturgeschichte des Weins hat er in den Fokus genommen. Heuer sind im April und Juni zwei Bücher von ihm erschienen. In beiden Fällen handelt es sich um historische Werke, die sich durch einen bemerkenswerten Lesefluss auszeichnen. Das eine widmet sich der Geschichte des „Bischöflichen Seminars Mattersburg 1954-1998“, das andere trägt den Titel „Auf der Nase des rosaroten Prinzen“ und den Untertitel „Wiener Scherznamen aus kulturgeschichtlicher Perspektive“.

Nach seiner in Sieggraben verbrachten Volksschulzeit trat Werfring 1972 in das Bischöfliche Seminar in Mattersburg ein. Es sei dies „ein in jeglicher Hinsicht wichtiger und prägender Lebensabschnitt“ für ihn gewesen, sagt der heute in Wien lebende Ex-Sieggrabener. Insofern ist es naheliegend, dass er sich schriftstellerisch mit der Geschichte dieser Institution auseinandergesetzt hat. „Es war damals für mich als zehnjährigen Buben durchaus herausfordernd, mich in der neuen Umgebung zurechtzufinden“, sagt Werfring. „Das Seminargebäude wirkte von außen mächtig und von innen geradezu imposant auf mich. Wenn ich aus dem Gaupenfenster des im obersten Stockwerk gelegenen Schlafsaals hinausblickte, konnte ich als heranwachsender Neuankömmling tränenden Auges die heimatliche Sieggrabener Berglandschaft erspähen“, fährt er fort. Gewöhnungsbedürftig sei vor allem der von frühmorgens bis zum Einbruch der Dunkelheit gänzlich durchstrukturierte Alltag gewesen, und bloß einmal im Monat durfte man zu jener Zeit ein Wochenende im Elternhaus verbringen.

Gewissermaßen nach dem monastischen Prinzip „Ora et labora!“ (Bete und arbeite!) war der Alltag gestaltet. Nach dem Aufstehen um sechs Uhr morgens gab es in der Seminarkapelle eine als „Morgenlob“ bezeichnete Messfeier. Zurück vom Schulgang wurde in dem beeindruckenden Speisesaal – der sich laut Werfring bestens als Filmkulisse für einen Harry-Potter-Streifen geeignet hätte – vor und nach dem Mahl ein gemeinsames Gebet gesprochen. Zu Beginn der nachmittäglichen Studienzeit, die im Seminarleben das „labora“, also das „Arbeiten“ darstellte, sprachen die Zöglinge neuerlich ein gemeinsames Gebet. Nach Freizeit, Jause und Abendessen folgte ein zweites und auch noch ein drittes Studium. Vor dem Zu-Bett-Gehen zelebrierten die Seminaristen in der von Architekt Robert Kramreiter eindrucksvoll gestalteten Seminarkapelle betend und singend das „Abendlob“.

„Was aus heutiger Sicht als strenge moralische Zucht und Ordnung anmutet, wurde von uns Seminaristen keineswegs als dergleichen empfunden, denn nach rascher Überwindung des anfänglichen Heimwehschmerzes bildeten sich – von den 'Präfekten' (Erziehern) meist gekonnt orchestriert – wunderbare Klassengemeinschaften. Über die spirituellen Übungen hinaus gab es ein tolles Sport- und Freizeitangebot, musische Fortbildungsangebote und nicht wenige gemeinschaftsstiftende Aktivitäten“, so der Autor. „In einer Zeit, in der das Schulwesen im Burgenland noch nicht in dem Maße ausgebildet war, wie das heute der Fall ist, konnte vor allem vielen jungen begabten Burgenländern aus allen Landesteilen durch die Aufnahme in das Seminar eine Perspektive geboten werden, die ihnen andernfalls nicht eröffnet worden wäre“, ist Johann Werfring überzeugt.

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Reminiszenzen an das Bischöfliche Seminar Mattersburg
Junge Seminaristen übten 1970 im Clubraum des Seminars den Song „The House of the Rising Sun“ von Eric Burdon.

© zVg/privat

Werfring, der von vornherein den Anspruch hatte, „ein schönes Buch“ zu machen, lässt in seinem Werk „Das Bischöfliche Seminar Mattersburg 1954–1998“ facettenreich den Alltag im Seminar lebendig werden und beleuchtet darüber hinaus die in dem imposanten – einer Burg nicht unähnlichen – Gebäude gepflogene Spiritualität ebenso wie dessen architektonische Besonderheiten. Eine reiche Bebilderung rundet die anregende Lektüre ab.

Am 30. September 2026 findet um 15 Uhr im Festsaal des Gymnasiums Mattersburg im Beisein des ehemaligen Seminaristen und heutigen Diözesanbischofs Ägidius Zsifkovics die bildgestützte Buchpräsentation statt. Es werden dabei auch, instrumental begleitet von seinerzeitigen Präfekten, typische Seminarlieder gesungen. Eingeladen sind alle ehemaligen Seminaristen und Mitarbeiter sowie Freunde und Schätzer des Bischöflichen Seminars Mattersburg. Der Eintritt ist frei. Um organisatorisch entsprechend disponieren zu können, wird unter der E-Mail-Adresse seminarbuch@gmx.at vorab um Anmeldung gebeten. Das 112 Seiten umfassende Werk ist auch im Buchhandel um 27 Euro zu beziehen.

Die Präsentation des Buchs „Auf der Nase des rosaroten Prinzen“ findet im sogenannten „Landl“ statt.“

Was es mit den kulturgeschichtlichen Bezügen auf sich hat, die in Werfrings zweitem Buch mit dem verheißungsvollen Titel „Auf der Nase des rosaroten Prinzen“ enthalten sind, wird der Autor dem Publikum anhand ausgewählter Beispiele bei der Präsentation am 27. Oktober 2026 um 18 Uhr im Großen Schwurgerichtssaal des Landesgerichts für Strafsachen Wien (Eingang: Alserstraße 7) erläutern. In dem Werk werden in 15 Kapiteln Begrifflichkeiten wie Beserlpark, Bieringerin und Nasenweg oder erotisch konnotierte Bezeichnungen wie Porzellanfuhren und Pupperlhutschen oder aber kulinarische Scherznamen wie Beamtenforelle und Begriffe aus dem Würstelstandjargon wie Eitrige, Bugl, Kracherl, Sechzehnerblech & Co erläutert.

Weshalb die Präsentation ausgerechnet im Wiener Straflandesgericht stattfindet? Weil es auch für das heutige Landesgericht für Strafsachen Wien bereits zu Kaisers Zeiten eine Reihe von Scherznamen gab. Einige von ihnen beziehen sich auf das Gericht und das Gefangenenhaus zusammengenommen, andere speziell auf den Arrest. Der ursprüngliche Vulgoname „Erbsien“ wurde sogar in einem eigenen „Erbsenlied“ besungen. In seiner bildgestützten Präsentation wird der Autor auch historische Aspekte des Gefängnisalltags wie „Honoratioren-Häftlinge“ und „Intelligenz-Zellen“ oder die Rolle von bestimmten Strafgefangenen als „Arme Sünder“ ansprechen. Der Eintritt ist frei. Anmeldung erforderlich mit dem Betreff „Scherznamenbuch“ unter der E-Mail-Adresse https://bit.ly/4zesnPM. Im Buchhandel ist das reichlich illustrierte, 271 Seiten umfassende Buch um 35 Euro zu beziehen.