Am Areal des Eisenstädter Krankenhauses finden Abbrucharbeiten statt: Das Haus F wird entfernt. Auf dem Areal wird die neue Psychiatrie errichtet, die auch Angebote für Jugendliche umfassen wird.
Christian Stagl: „Das Einkaufszentrum ist heute der neue Hauptplatz“
Burgenländer der Woche
Christian Stagl leitet seit 15 Jahren mit burgenländischer Mentalität die Geschicke des Fischapark in Wiener Neustadt. Im Interview spricht er über den richtigen Shop- & Lifestyle-Mix, welche Begegnung mit einem Star ihn am meisten beeindruckte und warum das Einkaufszentrum längst zum „Hauptplatz“ geworden ist. Hier lesen Sie außerdem, warum der Manager privat am liebsten ganz bodenständig beim Heurigen abschaltet und was ihn mit der Eröffnung des Eisenstädter Kulturzentrums verbindet.
Events im Fischapark. Manager Christian Stagl (3.v.l.) bei "Style up your Life" mit Adi Weiss, Michael Lameraner und ihrer Crew.
© Hannes Winkler, Hannes Winkler
BVZ: Der Handel hat bewegte Jahre hinter sich. Wie fällt Ihre Bilanz für das aktuelle Geschäftsjahr aus?
Christian Stagl: Wenn wir zurückblicken, war das Jahr 2025 für uns ein sehr erfolgreiches Jahr, in dem wir das beste Umsatzziel seit der Erweiterung im Jahr 2015 erreicht haben. Auch der Start in das Jahr 2026 verlief im Januar zunächst extrem positiv. Allerdings spüren wir seit Februar eine gewisse Zurückhaltung bei der Kauflaune, die stark mit der geopolitischen Lage und den damit verbundenen Unsicherheiten zusammenhängt. Die Diskussionen um Spritpreise, Haushaltsthemen oder Pensionen belasten die Menschen, was sich in manchen Konsumbereichen bemerkbar macht. Dennoch sind wir insgesamt zufrieden und hoffen, dass sich die Stimmung im weiteren Jahresverlauf wieder aufhellt.
Stillstand ist im Center-Management Rückschritt. Welche baulichen Neuerungen oder neuen Shop-Partner dürfen wir in den nächsten Monaten erwarten?
Stagl: Wir sind ständig in Bewegung. Erst kürzlich konnten wir prominente Marken wie Pandora, Skechers und das innovative Gastronomie-Konzept Koko-House begrüßen – eine spannende Mischung aus koreanischer Küche und Asia-Supermarkt. Ein echtes Highlight war die Eröffnung von Starbucks Ende März. Während in Westösterreich Filialen geschlossen wurden, konnten wir eine bei uns eröffnen, was unser Haus fast ein bisschen adelt. In den kommenden Monaten wird die Bäckerei Felber innerhalb des Centers umziehen, und wir haben zwei bis drei weitere Konzepte in der Pipeline, über die ich heute noch nicht zu viel verraten kann. Ein großes Projekt ist zudem die Revitalisierung unseres Kinderbereichs „Planet Lollipop“ im August, der nach zwölf Jahren einen kompletten Umbau erhält.
© Fotostudio Ramhofer
Der Fischapark ist bekannt für Events mit Promis und Stars. Welcher Gast hat bei Ihnen persönlich den bleibendsten Eindruck hinterlassen? Und: Welche lokalen Größen aus Wiener Neustadt oder dem Burgenland sieht man eigentlich privat bei Ihnen shoppen?
Stagl: In den 15 Jahren, die ich nun hier bin, gab es unzählige Begegnungen. Jürgen Drews war als Persönlichkeit hinter der Bühne absolut beeindruckend – ein toller Mensch und eine echte Ikone. Phänomenal waren zudem Los Del Rio, die mit „Macarena“ Weltruhm erlangten; sie waren wirklich ein Wahnsinn. Privat sieht man bei uns viele bekannte Gesichter. Der burgenländische Alt-Landeshauptmann Hans Niessl kommt öfter vorbei, ebenso wie die Opernsängerin Natalia Ushakova, die in der Nähe wohnt. Auch Stadt- und Bundespolitiker nutzen den Fischapark regelmäßig für ihre privaten Einkäufe.
Der Fischapark gilt einerseits als beliebter Jugendtreffpunkt, andererseits als klassisches Familienausflugsziel. Wie schafft man es, dass sich beide Gruppen gleichzeitig wohlfühlen?
Stagl: Das Geheimnis liegt im Branchenmix. Für die Jugendlichen haben wir das Segment „Young Fashion“ seit dem Umbau stark ausgebaut, und Gastronomieangebote wie McDonald’s, Starbucks oder Boba ziehen diese Zielgruppe natürlich an. Gleichzeitig positionieren wir uns klar als Familiencenter. Unsere Kasperl-Veranstaltungen sind extrem gut besucht, und im „Planet Lollipop“ betreuen wir bis zu 38.000 Kinder im Jahr. Wir haben dort Spitzenwerte von bis zu 800 gefeierten Geburtstagen pro Jahr. Es ist eine Gratwanderung – manchmal müssen wir ein Auge auf größere Jugendgruppen werfen, damit sich alle wohlfühlen, aber insgesamt funktioniert dieses Miteinander sehr gut.
Wie bewegt sich der „typische“ Besucher heute durch das Haus? Steht der gezielte Einkauf im Vordergrund oder eher das Gesamterlebnis inklusive Gastronomie?
Stagl: Das hat sich gewandelt. Unter der Woche beobachten wir eher den gezielten Einkauf, etwa bei Technik-Artikeln, wobei hier leider oft das Phänomen auftritt, dass sich Kunden vor Ort beraten lassen, dann aber online kaufen oder vergleichen. Am Wochenende hingegen steht das Relaxen und das soziale Erlebnis im Fokus. Der Fischapark fungiert heute fast wie ein Hauptplatz – ein Treffpunkt zum Schlendern und Zeitvertreiben. Besonders die Bereiche Gastronomie, Beauty und Gesundheit boomen, da die Menschen hier weniger sparen wollen.
Sie sind Burgenländer, arbeiten aber in Wiener Neustadt. Wie viel burgenländische Mentalität bringen Sie in Ihren Führungsstil im Fischapark ein?
Stagl: Früher habe ich mich scherzhaft als „Entwicklungshelfer“ bezeichnet. Ich komme aus einer Familie, in der mein Onkel als Pendler jedes Wochenende vom südlichen Burgenland nach Wien zur Arbeit fuhr. Diese Herkunft hat mich geprägt: Ich sehe mich als strebsam, verlässlich und umsetzungsstark – das ist für mich typisch burgenländische Mentalität.

© Johannes Friedl
Die Pendler-Perspektive: Viele Burgenländer arbeiten in Wiener Neustadt oder kommen zum Shoppen zu Ihnen. Gibt es Zahlen, wie viele Burgenländer im Fischapark shoppen gehen?
Stagl: Oh ja, wir werten das über die Kennzeichen aus. Im letzten Jahr hatten wir fast eine halbe Million Kennzeichen aus dem Burgenland bei uns. Der Fischapark ist ein Phänomen: Wir liegen genau in der Mitte zwischen dem Rand von Wien und Graz. Unser Einzugsgebiet reicht vom Bezirk Neusiedl am See über Rust bis tief ins Mittel- und Südburgenland.
Wenn Sie nach einem langen Arbeitstag die Grenze ins Burgenland überqueren – was ist das Erste, das Sie an Ihrer Heimat genießen, um abschalten?
Stagl: Für mich ist das die Zeit mit meiner Familie. Ich genieße es, mit meiner Frau spazieren zu gehen oder etwas mit meinem Sohn zu unternehmen, der sehr aktiv Fußball spielt. Das ist mein Ausgleich, um wirklich abzuschalten.
Der Manager ganz privat: Kleiden Sie sich selbst auch im Fischapark ein? Und sieht man den Center-Manager am Samstagmorgen auch mal ganz privat mit dem Einkaufswagen beim Interspar im eigenen Haus?
Stagl: Absolut. Ich erledige fast alles im Haus. Mir ist es wichtig, das Center regelmäßig aus dem Blickwinkel des Kunden zu sehen. Ich gehe ganz bewusst durch das Haus, achte auf die Sauberkeit der WCs oder die Servicequalität, ohne dabei nur die Chef-Brille aufzuhaben. Nur wenn man selbst als Kunde zufrieden ist, weiß man, dass der Job gut gemacht wurde.
Als Burgenländer ist Ihnen der Genuss sicher nicht fremd. Wo findet man Sie am Wochenende eher: In der modernen Gastronomie Ihres Centers oder beim gemütlichen Heurigen in der Heimat?
Stagl: Ganz klar beim Heurigen! Auch wenn sich die Heurigenkultur gewandelt hat, schätze ich das Bodenständige. Ich bin in St. Georgen bei Eisenstadt aufgewachsen, und diese ursprünglichen Heurigen, wo man sich einfach auf eine Bank setzt, haben mich geprägt. Ich erinnere mich auch gerne an das „Fest der 1000 Weine“ im Schlosspark zurück. Kürzlich hatten wir ein Klassentreffen anlässlich unseres 40-jährigen Matura-Jubiläums am Wolfgarten, einer ehemaligen Bubenschule. Es ist schön zu sehen, dass diese Verbundenheit zur Heimat und zu alten Freunden über Jahrzehnte bestehen bleibt. Übrigens habe ich damals sogar bei der Eröffnung des Kulturzentrums Eisenstadt im Chor mitgewirkt und die „Schöpfung“ von Haydn gesungen – eine spannende Zeit!
- Name: Christian Stagl (*1963)
- Funktion: Center Manager des FISCHAPARK Wiener Neustadt.
- Herkunft: Aufgewachsen in Eisenstadt/St. Georgen, wohnhaft in Oberwaltersdorf.
- Fun Fact: Sang bei der Eröffnung des Kulturzentrums Eisenstadt vor 50 Jahren.
- Karriere: 30 Jahre bei Spar, seit 2011 beim Fischapark.
- Der Fischapark in Zahlen: über 120 Shops, ca. 42.800 m² Verkaufsfläche, über 1.000 Mitarbeiter vor Ort, ca. 1.800 Gratis-Parkplätze; eine halbe Million Mal kommen Gäste aus dem Burgenland im Jahr laut eigener Zählung