Vom Homestudio auf Platz 1: Luisa Schweig und Churro64 im BVZ-Gespräch

Burgenländer der Woche

Gleich einen quasi-pharmazeutischen Beipacktext vorab: Dieses Gespräch kann Jugend-Sprache beinhalten! Die 16-jährige Steinbrunnerin Luisa Schweig, die mit ihren authentischen Social-Media-Clips eine ganze Generation anspricht, und der 19-jährige Osliper Rapper Daniel Sánchez Pöll, bekannt als „Churro64“, der den „Hustle“ im Blut hat. Gemeinsam haben sie mit „Wiener Tauben“ einen Hit gelandet, der nicht nur die Streaming-Charts, sondern auch die FM4-Charts im Sturm eroberte. BVZ-Social Media-Reporterin Eva Neubauer hat die beiden zum ausführlichen Gespräch getroffen.

Von Eva Neubauer

Der Steinbrunner Insta-Star Luisa Schweig und der Osliper Rapper Daniel Sánchez Pöll alias Churro64 im Interview mit den BVZ-Social Media Redakteurinnen Eva Neubauer (li.) und Isabella Wagner (re.).

Der Steinbrunner Insta-Star Luisa Schweig und der Osliper Rapper Daniel Sánchez Pöll alias Churro64 im Interview mit den BVZ-Social Media Redakteurinnen Eva Neubauer (li.) und Isabella Wagner (re.).

© BVZ/Kaiser

BVZ: Es ist wirklich beeindruckend, was ihr beide in so kurzer Zeit erreicht habt. Bevor wir über den Erfolg sprechen, stellt euch doch bitte kurz vor. Wer seid ihr und was ist euer „Ding“?

Luisa Schweig: Ich bin 16 Jahre alt und bei mir ist die kreative Seite einfach voll wichtig. Ich poste viel auf Instagram und TikTok, versuche dort einfach Momente einzufangen. Derzeit will ich mich aber schon stark auf die Musik konzentrieren.

Daniel (Churro64): Und ich bin 19. Mein Fokus liegt fast ausschließlich auf der Musik, also Rap und Beats. Social Media mache ich zwar auch, aber ich konzentriere mich viel mehr auf das, was im Studio passiert. Ich mache das jetzt schon eine Weile, angefangen habe ich mit 16.

BVZ: Ein Duo aus Steinbrunn und Oslip – wie kam es eigentlich zu dieser Zusammenarbeit?

Daniel: Das war im Sommer bei einem Festl.

Luisa: Ich wusste, dass er ein Studio hat und ich unbedingt mit ihm Musik machen wollte. Ich habe Daniel gesehen und ihn einfach angesprochen: „Hey, ich kenne dich, lass uns mal was zusammen probieren“.

Daniel: Und nur ein paar Tage später stand sie schon bei mir im Homestudio. Es hat einfach sofort gepasst.

BVZ: Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit war unter anderem der Song „Wiener Tauben“. Der Track wurde mittlerweile über 700.000 Mal auf Spotify gehört und landete auf Platz 1 der FM4-Charts. Hand aufs Herz: Wie sehr hat das euer Leben umgekrempelt?

Daniel: Um ehrlich zu sein: Im Alltag hat sich leider noch nicht so viel verändert. Es ist eher ein extremes Gefühl im Kopf, das ich selbst noch gar nicht richtig begriffen habe. Aber es gibt mir eine unglaubliche Motivation, weiterzumachen.

Luisa: Bei mir ist es ein bisschen anders. Gestern zum Beispiel habe ich es richtig gespürt, als ich auf der Straße angesprochen wurde. Das ist mir zwar immer noch ein bisschen unangenehm, aber die Leute sind fast immer urlieb, wenn sie mit einem reden.

BVZ: Aber Erfolg hat ja meistens zwei Seiten. Daniel, du hast mir vorhin auch von Druck gesprochen?

Daniel: Ja, absolut. Es ist viel mehr Arbeit geworden. Man spürt dieses Momentum, diese eine Chance, und man hat einfach Angst, es zu verkacken. Plötzlich öffnen sich Türen, Kontakte entstehen, aber man muss auch vorsichtiger sein, weil man jetzt in der Öffentlichkeit steht.

Luisa: Man wird auch als Künstlerin plötzlich anders wahrgenommen. Auf einmal interessieren sich Labels oder Manager für dich, die alle ein Stück vom Kuchen abhaben wollen. Das ist eine neue Welt für mich.

BVZ: Luisa, deine Videos auf TikTok und Instagram sind oft sehr humorvoll. Du thematisiert Katzen oder die Qualen des Schienenersatzverkehrs. Wie entstehen diese Ideen?

Luisa: Ich glaube, man darf seine Gedanken nicht filtern. Ich schreibe einfach alles auf, was ich mir denke. Viele Leute haben coole Ideen, aber sie werfen sie sofort weg, weil sie denken, es sei zu banal. Ich arbeite das dann einfach aus, egal ob es am Ende „scheiße“ wird oder nicht. Manchmal ist es vielleicht gestört, aber oft ist es gerade deshalb geil.

BVZ: War dir das am Anfang nie peinlich?

Luisa: Doch, natürlich! Am Anfang war mir das alles extrem peinlich. Aber mein allererstes Video, in dem ich wirklich Musik gemacht habe, entstand mit meiner Freundin Lina an einem gefühlt 200 Jahre alten, völlig verstimmten Klavier. Wenn man jemanden hat, bei dem man sich wohlfühlt, dann scheißt man einfach drauf. Heute ist mir das relativ egal, was hinter meinem Rücken erzählt wird.

Daniel: Es kostet am Anfang enorme Überwindung, Videos hochzuladen oder Musik zu machen, solange man noch keine Streams hat. Heute ist es durch das Handy zwar leicht, in die Öffentlichkeit zu kommen, aber der erste Schritt bleibt der schwerste.

BVZ: Habt ihr diesen Hype um „Wiener Tauben“ eigentlich erwartet?

Daniel: Überhaupt nicht.

Luisa: Eigentlich war der Refrain als eine Art „Rage“ gegen diese performativen Newcomer-Artists aus Berlin gedacht – diese Typen, die sich aufgrund ihres Aussehens für extrem privilegiert halten. Das war pure Wut, die ich mir beim Laufen von der Seele geschrieben habe. Dass daraus so ein Hit wird, war nicht geplant.

BVZ: Der Songtitel scheint dich auch privat zu verfolgen, Luisa?

Luisa: Oh ja! Ein Tipp an alle: Bringt keinen Song mit „Tauben“ im Titel kurz vor Weihnachten raus. Ich habe zu Weihnachten nur noch Tauben-Sachen bekommen: Tauben-Socken, Stoff-Tauben, Sticker, Notizbücher mit Tauben... alles! Wir wollten sogar mal zu einer Taubenausstellung gehen, um dort Promo-Videos zu drehen, aber das haben wir dann doch nicht geschafft.

BVZ: Kommen wir zu den Schattenseiten des Internets. Gab es Momente, in denen ihr dachtet: „Internet reicht für heute“?

Luisa: Wir bekommen zwar extrem viel positives Feedback, aber es gibt immer wieder „Kasperl“. Das Schlimmste sind aber manche DMs (Direktnachricht auf Insta). Ich bekomme teilweise richtig bizarre Nachrichten. Letztens kam eine extrem formal geschriebene Nachricht, in der es angeblich um einen Videodreh für Hintergrundstatistinnen ging. Erst beim zweiten Lesen habe ich gemerkt, dass es um die „echte Inszenierung von Orgasmen“ ging. Das war wirklich grindig und absolut ekelhaft. Ich dachte erst, es sei eine seriöse Anfrage für meine Musik.

BVZ: Wie geht ihr mit dem Thema Geld um? Kann man von den Streams schon leben?

Luisa: Wir wissen es ehrlich gesagt noch gar nicht genau, weil Spotify erst mit ein paar Monaten Verzögerung auszahlt.

Daniel: Das Wichtigste für uns war, dass wir das alles mit 0 Euro Budget gemacht haben. Wenn man das Equipment in meinem Studio mal wegrechnet, hatten wir keine Kosten. Wir sind komplett independent. Bei großen Produktionen fressen oft Labels, Manager und Produzenten alles auf, sodass für den Künstler am Ende nichts übrig bleibt. Wir behalten 100 Prozent.

BVZ: Daniel, du hast dein Studio angesprochen. Braucht man heute noch teures Equipment, um einen Hit zu landen?

Daniel: Überhaupt nicht! Mein allererster Track entstand mit einem Handymikrofon und einem Gratisprogramm am PC. Wenn man wirklich will, gibt es keine Entschuldigung. Es gibt dieses Beispiel von Ella Stern, deren Hit nur auf einer Apple-Sprachmemo basierte. „Wiener Tauben“ haben wir in einem selbstgebastelten Studio im Haus meiner Oma aufgenommen. Man muss keine 100 Euro pro Minute für ein Profi-Studio zahlen. Wir hatten nur beim Masterin Hilfe - Shoutout an Krebsi!

Luisa: Wobei wir allein an den Drums für „Wiener Tauben“ vier Stunden gebastelt haben, nur um sie dann am Ende doch wieder wegzuwerfen. Es gibt sicher 50 Versionen von diesem Song.

BVZ: Was steht als Nächstes bei euch an?

Luisa: Ich habe gerade eine neue Single veröffentlicht, die ich in nur zehn Minuten geschrieben habe – das komplette Gegenteil zu der monatelangen Arbeit an „Wiener Tauben“. Ich versuche gerade, mich als 16-Jährige in dieser Branche selbstständig zu organisieren, was oft hart ist, wenn man plötzlich nur noch mit diesen 30-jährigen „performativen“ Männern über das Geschäft redet. Bei „rotkreiden mund“ rappe ich sogar. Für die perfekte Aussprache habe ich im Studio sogar mit einem Drumstick im Mund geübt, um jedes Wort ganz genau auszusprechen.

Daniel: Wir müssen jetzt einfach „hustlen“ und unser Ding durchziehen.

BVZ: Wenn eure Musik ein Tier wäre, welches wäre es?

Luisa: Ein Wiesel! Ich liebe einfach das Wort Wiesel, auch wenn ich noch nie eines in echt gesehen habe.

Daniel: Vielleicht ein Papagei. Ein bisschen bunt, ein bisschen klein, aber er fällt auf.

Anhören!

Luisa Schweig ist am 27. Juni in Schlaining beim „Under the Bridge“-Fest live zu sehen, danach tritt sie am 31. Juli in Krems bei „Rock im Dorf“ auf. Ihr ganz großer Event ist aber am 24. Oktober in Graz, wo sie bei „Indie Ohren“ mit Tocotronic und Anda Morts auf der Bühne steht.

Churro64 hat vor Kurzem sein neues Album „Tage nach 64“ beim Lowkey Loud in der Osliper Csello Mühle präsentiert, dieses ist natürlich auch auf Spotify und anderen Streaming-Plattformen zu hören.