Wenn es wieder summt und blüht: Das Burgenland schafft Lebensräume

Burgenland blüht

Wo heute noch Asphalt dominiert, werden bald Wildblumen wachsen: Auf Initiative von Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner bringen 37 burgenländische Gemeinden die Natur zurück ins Ortszentrum. Mit dem Projekt „Vielfalt vor der Haustür“ entstehen neue Lebensräume für Mensch und Tier, die wirksam und zu 100 Prozent gefördert sind und unsere Gemeinden noch lebenswerter machen werden.

Von Nina Mayer

Nina Mayer (BVZ) und Landeshauptmann-Stv. Anja Haider-Wallner freuten sich nach dem Interview über die ersten Krokusse vor dem Landhaus in Eisenstadt.

Nina Mayer (BVZ) und Landeshauptmann-Stv. Anja Haider-Wallner freuten sich nach dem Interview über die ersten Krokusse vor dem Landhaus in Eisenstadt.

© Nina Mayer

Es beginnt oft mit etwas ganz Einfachem: Ein paar Wildblumen am Straßenrand. Ein Schmetterling, der sich vorsichtig auf eine Margerite setzt. Das leise Summen einer Biene an einem warmen Frühlingstag. Biodiversität ist kein abstrakter Begriff, sie ist das lebendige Miteinander von Pflanzen, Tieren und Menschen. Sie schenkt unseren Orten Farbe, Duft und Bewegung. Sie kühlt die Luft an heißen Sommertagen, speichert Wasser im Boden und sorgt dafür, dass Vögel wieder Nistplätze finden.

Gerade dort, wo Asphalt und Beton überwiegen, sind solche grünen Inseln kleine Wunder. Sie verbinden Lebensräume, bieten Nahrung und Schutz und erinnern uns daran, wie sehr wir selbst Teil dieses großen natürlichen Gefüges sind.

Vor diesem Hintergrund setzt das Burgenland nun ein kraftvolles Zeichen für mehr Artenvielfalt direkt im Ortsgebiet.

Mit dem landesweiten Projekt „Vielfalt vor der Haustür“ bringt der Verein „Unser Dorf“ die Natur zurück in die Mitte der Gemeinden. Bereits im Juni 2025 wurde das Projekt erfolgreich beim österreichischen Biodiversitätsfonds eingereicht, im Februar 2026 folgte die Förderzusage durch das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK).

37 burgenländische Gemeinden – und damit mehr als jede fünfte im Land – gestalten nun sogenannte Trittsteinbiotope in ihren Ortsgebieten. Insgesamt stehen rund 322.000 Euro zur Verfügung. Für die Gemeinden selbst entstehen keine Kosten: Das Projekt wird zu 100 Prozent gefördert.

Für Landeshauptmann-Stellvertreterin Anja Haider-Wallner ist das ein entscheidender Punkt:
„Gerade in Zeiten angespannter Gemeindebudgets war es mir wichtig, eine Lösung zu schaffen, die ökologische Verantwortung und finanzielle Entlastung miteinander verbindet. Artenschutz darf keine zusätzliche Belastung sein - er soll eine Chance sein.“

Als Obfrau des Vereins „Unser Dorf“ und zuständig für die Dorferneuerung in der Landesregierung setzt sie damit bewusst auf eine Entwicklung, die Natur- und Lebensqualität zusammenführt.

Seit 1989 begleitet „Unser Dorf“ Gemeinden im Burgenland auf ihrem Weg zu einer zukunftsfähigen Ortsentwicklung. Als Netzwerk- und Servicestelle unterstützt der Verein Projekte, die ökologisch verantwortungsvoll, sozial ausgewogen und langfristig wirksam sind. Finanziert wird die Arbeit durch Fördermittel von Land, Bund und Europäischer Union, stets mit klar gemeinnütziger Ausrichtung.

Dass sich 37 Gemeinden aus allen Bezirken an „Vielfalt vor der Haustür“ beteiligen, zeigt, wie groß das Bedürfnis nach naturnaher Gestaltung im eigenen Lebensumfeld ist. Die Umsetzung startet im März 2026, realisiert werden können die Maßnahmen bis Ende 2027. Natürlich stand es allen Gemeinden frei, sich zu beteiligen.

„Wir sprechen nicht nur über Artenschutz – wir verankern ihn direkt in unseren Gemeinden“, betont Haider-Wallner. „Es geht um ein langfristiges Umdenken, bei dem Klima-, Boden- und Naturschutz selbstverständlich mitgedacht werden.“ Natürlich wird die Bevölkerung mittels Führungen und Workshops involviert.

Blühwiesen statt Schotterinseln. Hecken statt versiegelter Randflächen. Trockensteinmauern, Feuchtbiotope, neu gepflanzte Bäume – jede Gemeinde setzt ihre eigenen Akzente, abgestimmt auf Standort und Bedarf. Ach ja, sogar eine Naschhecke ist in Planung und auch entzückend: Käferburgen.

Wenn Bäume Schatten spenden, wenn Wildblumen in der Sonne leuchten und Schmetterlinge durch das Ortszentrum tanzen, verändert sich nicht nur das Landschaftsbild, sondern auch das Lebensgefühl.

„Vielfalt vor der Haustür“ ist mehr als eine Fördermaßnahme. Es ist ein gemeinsamer Schritt hin zu lebendigen, widerstandsfähigen und einladenden Orten. Jede neu gepflanzte Hecke, jede Blühfläche und jedes Trittsteinbiotop ist ein sichtbares Bekenntnis zur Verantwortung gegenüber kommenden Generationen.

Vielleicht bleibt man künftig öfter stehen, wenn es am Wegesrand summt. Vielleicht entdeckt ein Kind zum ersten Mal einen bunten Falter auf einer Blume. Vielleicht wird aus einer kleinen Wiese ein Ort der Begegnung.

So beginnt Veränderung: leise, bunt und voller Leben, direkt vor der eigenen Haustür.