Diskussionen um Zukunft des Neusiedler Sees in Trausdorf und Rust

Esterhazy und WKO

Wie komplex das Thema Neusiedler See ist, zeigten zwei Diskussionsveranstaltungen von Esterházy und der Wirtschaftskammer: Obwohl schon so viel dazu gesagt wurde, findet sich immer noch Neues.

Von Peter Wagentristl

Robert Frank, Melanie Eckart, Martina Mohapp und Franz Nechansky mit Referent Professor Peter Zellmann im Ruster Katamaran.

Robert Frank, Melanie Eckart, Martina Mohapp und Franz Nechansky mit Referent Professor Peter Zellmann im Ruster Katamaran.

© BVZ, Peter Wagentristl

Über den See wurde in den vergangenen Wochen viel diskutiert. Das überraschende an diesen Diskussionen ist, dass sie nicht immer gleich ausgehen. Einerseits, weil neue Entwicklungen dazukommen. Die Regenfälle der letzten Tage etwa. Hier dämpften der Hydrologe Georg Wolfram und Karl Maracek von der Wasserfachgruppe der Landesregierung bei einer von Esterházy organisierten Diskussion die Erwartungen: Wir bräuchten fünf dieser Niederschläge, damit sich die Aussichten auf den Sommer bessern. Allerdings, so Maracek, zeigen Daten, dass Wasserrückstauungen schnell den Grundwasserspiegel erhöhen können. Das betreffe aber nicht den Einser Kanal: Würde man das gesamte derzeit dort aufgestaute Wasser in den See schütten, gewinne man gerade einmal einen Zentimeter dazu, so Wolfram.

Austrocknung: Doch keine Gefahr für Lungen?

Alois Lang, der Illmitzer Mit-Herausgeber des See-Buches der Esterházy-Stiftung und ehemaliger Nationalpark-Mitarbeiter, entschärfte dafür bisher eher aufgebaute Sorgen über die Giftigkeit des Schlammes: Als der See in den 1860er zuletzt ausgetrocknet war und der Schlamm verblasen wurde, gab es zwar Augenentzündungen, Aufzeichnungen über ernstzunehmende Lungenkrankheiten habe er aber keine gefunden, so Lang.

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Diskussionen um Zukunft des Neusiedler Sees in Trausdorf und Rust
Georg Wolfram, Karl Maracek und Alois Lang diskutierte mit Martin Ganster über das Thema des Esterházy-Buches „Das Ende des Neusiedler Sees?“.

© BVZ, Markus Kaiser

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Esterházy-General Stefan Ottrubay hatte zur Diskussion in das Kalandahaus Trausdorf geladen.

© BVZ, Markus Kaiser

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Esterházy wollte bereits mit einem Buch die Diskussion um den See starten und dazu sehr viele Beteiligte eingebunden.

© BVZ, Markus Kaiser

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Christian Janisch präsentierte die Website, die Esterházy parallel zum Buch angelegt hat: https://zukunft-neusiedler-see.at/

© BVZ, Markus Kaiser

Diskussionen um Zukunft des Neusiedler Sees in Trausdorf und Rust
Auch die Landwirtschaft war bei der Diskussion gefragt. Franz Trautner von Bio Austria sorgte für den Sager des Abends: "Die Landwirtschaft ist wie das Nationalteam: Es gibt 8 Millionen Leute, die sich befähigt fühlen, etwas Gescheites dazu sagen zu können."

© BVZ, Markus Kaiser

Was bedeutet der See für die Wirtschaft?

Unter der provokanten Fragestellung „Wer braucht den Neusiedler See?“ wurde auf Einladung der Wirtschaftskammer die Bedeutung des Sees für die Regionalwirtschaft diskutiert. Im Restaurant Katamaran in Rust referierte Professor Peter Zellmann für zahlreiche interessierte Wirtschaftstreibende.

Die Debatte sei, wie die allgemeinen Diskussionskultur, von schwarz-weiß-Denken geprägt, kritisert Zellmann. Und er unterstreicht: „Ein Viertel bis ein Drittel aller Jobs im Nordburgenland sind ,Tourismus-induziert’ und so direkt oder indirekt vom See abhängig.“

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Professor Peter Zellmann bei seinem Vortrag im Ruster Katamaran.

© BVZ, Peter Wagentristl

Diskussionen um Zukunft des Neusiedler Sees in Trausdorf und Rust
Franz Nechansky von der Wirtschaftskammer begrüßte die zahlreichen Gäste beim Vortrag zum Thema "Wer braucht den Neusiedler See?"

© BVZ, Peter Wagentristl

„Außer Frage steht, dass der Neusiedler See enorm wichtig für Burgenlands Wirtschaft ist. Nicht nur für die hunderten Hotels, Restaurants und Freizeitbetriebe, sondern für alle Unternehmen im Burgenland. Daher müssen alle Verantwortlichen in Land und Bund zusammenarbeiten, um den See zu erhalten“, betont auch Wirtschaftskammerpräsident Peter Nemeth den Ernst der Lage.

Zellmann spart bei der Veranstaltung auch nicht mit Kritik an der Wissenschaft und ihren Auftraggebern: „Auftragsforschung ist ein großes Übel und dominiert die Wissenschaft.“ Aus wirtschaftlicher Abhängigkeit seien Studien und Analysen daher so gut wie nie objektiv - was ein qualifiziertes Urteil für Medien und ihre Leser deutlich erschwere.