Die Waldorfschule Eisenstadt wurde am Samstag, 17. Oktober 2026, offiziell an ihrem neuen Standort im Stadtteil St. Georgen eröffnet.
Alois Koller Senior feiert den 100. Geburtstag
Donnerskirchen
Vom Matrosen im Zweiten Weltkrieg zu einem der Baumeister der Gemeinde: Ein Rückblick auf ein Leben voller Tatendrang, Ehrenämter und 100 Liter Wein für einen Sportplatz.
Koller Alois und Elvira 77 Jahre verheiratet
© zVG
Wenn man in Donnerskirchen nach den Wurzeln der modernen Infrastruktur sucht, stößt man unweigerlich auf einen Namen: Alois Koller senior. Am 25.05.2026 feiert der Ehrenkommandant der Feuerwehr und ehemalige Vizebürgermeister seinen 100. Geburtstag. Ein Jahrhundertleben, das untrennbar mit dem Aufstieg seiner Heimatgemeinde, der Perle am Leithaberg, verbunden ist.
Die Geschichte von Alois Koller ist eine von Pflichtbewusstsein und tiefer Heimatliebe. Nach seiner Zeit bei der Marine unter anderem auf dem Schiff „Robert Ley“ und vor seiner glücklichen Heimkehr aus der Gefangenschaft in Russland gab er sich selbst ein Versprechen: „Wenn ich gesund heimkomme, möchte ich für Donnerskirchen arbeiten.“ Ein Versprechen, das er mehr als ein halbes Jahrhundert lang einlöste – in zahlreichen verschiedenen Funktionen.
Als Gemeinderat und Vizebürgermeister (ab 1962) war Koller kein Mann der des langen Herumredens, sondern der Taten. Er war die treibende Kraft hinter dem Güterwegebau und dem Ausbau der Weinbau-Infrastruktur. Legendär ist sein Einsatz für den Sportplatz: Als Maschinen der Landesregierung benötigt wurden, fackelte er nicht lange und „organisierte“ den Ausbau mit Handschlagqualität und 100 Litern Wein für die Arbeiter – der Platz wurde planiert, das Ziel erreicht.
Auch das heutige Haus des Gemeindeamts ist eng mit seinem Wirken verbunden. Als Obmann der Tiefkühlgenossenschaft sorgte er zu einem Zeitpunkt, als Tiefkühltruhen in immer mehr Privathaushalten eingezogen, dafür, dass das Gebäude an die Gemeinde verkauft wurde, um Donnerskirchen ein würdiges Zentrum zu geben. „Er war immer dort, wo angepackt werden musste“, sagen Wegbegleiter über den Mann, der sich selbst oft scherzhaft als denjenigen bezeichnete, der die Arbeit eben macht, „weil er es kann“.
Seine Leidenschaft galt jedoch nicht nur der Politik. Von 1961 bis 1971 leitete er als Kommandant die Geschicke der Freiwilligen Feuerwehr Donnerskirchen. Unter seiner Führung wurde das Feuerwehrhaus geweiht und die Wehr modernisiert. Seit über 50 Jahren trägt er nun bereits den Titel des Ehrenkommandanten.
Auch im Weinbau setzte er Maßstäbe: Er holte als einer der ersten Pioniere die sogenannte “Hochkultur” ins Burgenland und nach Donnerskirchen. Durch die nun hochwachsenden Weinreben wurde erstmals eine maschinelle Bewirtschaftung von Weingärten möglich. Als Winzer- und Weinbauobmann begleitete er die Ära, in der Donnerskirchner Weine internationale Anerkennung fanden, gipfelnd im Weltmeistertitel für eine Trockenbeerenauslese im Jahr 1979.
Trotz der vielen Ämter blieb Alois Koller immer ein Familienmensch. Die Basis für sein Wirken fand er bei seiner Frau Elvira, ohne deren Einsatz im privaten Weingut und für die Familie all die Ehrenämter niemals möglich gewesen wären. Die Geschichte ihres Kennenlernens beim seit Jahrzehnten nicht mehr bestehenden „Ernst Wirt“ am Hochstock, wo er sie im Tanzsaal zum ersten Mal aufforderte, ist heute fester Bestandteil der Familiengeschichte, die mit sechs Kindern, 15 Enkelkindern und mittlerweile 7 Urenkel veredelt wurde.
Heute blickt der 100-Jährige auf ein Jahrhundert zurück, in dem er Donnerskirchen seinen Stempel aufgedrückt hat. Er ist nicht nur ein Zeitzeuge, sondern ein Gestalter, dessen Erbe man bei jedem Spaziergang durch den Ort – vom Feuerwehrhaus bis zu den Güterwegen – begegnet.
Die gesamte Gemeinde und die BVZ gratulieren herzlich zum 100. Geburtstag!
Persönliches:
· Geboren: 1926 in Donnerskirchen.
· Familie: Seit 1949 Jahren verheiratet mit Elvira (Kennenlernen beim „Ernst Wirt“ am Hochstock); Vater von 6 Kindern. Mittlerweile unglaubliche 77 Jahre verheiratet.
· Motto: „Für Donnerskirchen arbeiten“ (Ein Gelübde nach der Heimkehr aus der Kriegsgefangenschaft).
Politik & Gemeinde:
· Gemeinderat: Ab 1954 (!) aktiv in der Dorfpolitik.
· Vizebürgermeister: Gewählt 1962 und 1968; Mitgestalter der Nachkriegs-Infrastruktur in Donnerskirchen.
· Bauernbundobmann: Langjährige Führung der bäuerlichen Interessen im Ort.
· Haus des Gemeindeamts: Initiator des Verkaufs des Tiefkühlgenossenschaftsgebäudes an die Gemeinde. Aus diesem Grund steht das Donnerskirchner Gemeindeamt heute an seinem Platz an der Hauptstraße.
· Feuerwehrkommandant: 1961 bis 1971. Meilensteine dabei: Bau und Weihe des Feuerwehrhauses (1966) sowie Modernisierung des Fuhrparks.
· Ehrenfeuerwehrkommandant: Seit 18. Januar 1975 Ehrenkommandant der freiwilligen Feuerwehr Donnerskirchen.
· Winzer- und Tiefkühlgenossenschaftsobmann: Obmann der Tiefkühlgenossenschaft und der Winzergenossenschaft. Unter seiner Obmannschaft errang die Donnerskirchner Winzergenossenschaft 1979 in Laibach den Weltmeistertitel für einen Welschriesling Trockenbeerenauslese
· Güterwegbauobmann: Federführender Obmann beim Ausbau des Wegenetzes (u.a. Verbindung vom Freibad zur B52).
· Lagerhaus: Vorstandsmitglied und Obmann im Lagerhaus Eisenstadt (Zuständig für die Bezirke Neusiedl und Eisenstadt).
· Mitwirkung beim örtlichen Sportverein: Aufbauhelfer und „Schlichter“ in Krisenzeiten; Organisator des Sportplatzbaus (legendärer Einsatz von 100 Litern Wein zur Planierung des Geländes).
· Jagd: Leidenschaftlicher Jäger und langjähriger Pächter.