Streng geheim: Leithaprodersdorfer Theatergruppe ermittelt in Wien

Gemeinsame Ausfahrt

Die Theatergruppe Leithaprodersdorf zählt ohne Übertreibung zu den besten Laientheatergruppen des Burgenlandes. Bekannt ist sie für ihr enormes Können, ihre ansteckende Spielfreude und vor allem für eine Stückauswahl, die Mut beweist. Hier begnügt man sich nicht mit leichter Kost – man wagt sich regelmäßig auf anspruchsvolles, mitunter schwieriges Terrain. Das Publikum dankt es mit Begeisterung, Applaus und treuer Verbundenheit.

Von Nina Mayer

35 Burgenländerinnen und Burgenländer ermittelten in der Bundeshauptstadt undercover.

35 Burgenländerinnen und Burgenländer ermittelten in der Bundeshauptstadt undercover.

© Nina Mayer

Als Zeichen der Anerkennung für die ehrenamtlichen Schauspielerinnen und Schauspieler, die ihrem Publikum Jahr für Jahr höchsten Theatergenuss bieten, unternimmt die Gruppe dreimal jährlich gemeinsame Ausfahrten. Diese führten schon zu namhaften Spielstätten wie Pürbach, Güssing oder Haag. Fixer Ankerpunkt jedoch sind das „Theater in der Josefstadt“ und die dazugehörigen „Kammerspiele“.

Wir erinnern uns: Einst standen hier regelmäßig Größen wie Otto Schenk und Ossy Kolmann auf der Bühne. Die überschaubare Größe des Hauses schafft eine intime Atmosphäre, eine Nähe zwischen Bühne und Publikum, die ihresgleichen sucht. Ein Ort, an dem man Theater atmet und an dem sich die ohnehin schon äußerst talentierten burgenländischen Akteure das eine oder andere abschauen dürfen. Ein bisserl Fortbildung und ein Hauch Werksspionage schaden bekanntlich nie.

Bereits die Anreise mit dem Bus nach Wien am Montagabend hatte Premierencharakter. Obmann Michael Graf übernahm die Rolle des Conférenciers, skizzierte mit feinem Gespür und ohne zu viel zu verraten den Inhalt des Stücks – gerade genug, um die Neugier zu schüren und Lust zu machen. Viel wurde gelacht, Pointen flogen durch den Bus wie gut platzierte Stichworte in einer Komödie, die Stimmung war von Beginn an bestens.

Da der Verkehr in die große Stadt gnädig war, blieb sogar Zeit für einen kleinen, feierlichen Zwischenakt: Man stieß gemeinsam aufs Leben an, ganz besonders aber auf Jubilarin Heidi, die ihren 60. Geburtstag feierte. Ein Prosit, herzlich und familiär.

Auf dem Spielplan der „Kammerspiele“ stand diesmal „Sherlock Holmes – Der Fall Moriarty“, inszeniert von Dominic Oley. Und um es gleich vorwegzunehmen: Den Anwesenden gefiel’s. Sehr sogar.

Rasantes Tempo, große Spielfreude bei den Darstellern, ein wandlungsfähiges, einfallsreiches Bühnenbild, das nach Good Old Britain entführte. Projektionen und gezielte Lichteffekte sorgten für Dynamik und ließen die Szenen fast filmisch wirken.

Das Stück selbst ist eine raffinierte Mischung aus drei Kurzgeschichten, kunstvoll zu einem Theaterwerk verwoben. Natürlich sind sie alle dabei: Meisterdetektiv Sherlock Holmes, sein treuer Weggefährte Dr. John Watson, Mycroft Holmes, Mrs. Hudson, der Bösewicht Jim Moriarty – ebenso König Otto und Mrs. Adler. Und weil ein Krimi allein bekanntlich zu wenig ist, darf auch die Liebe nicht fehlen. Amore in Great Britain. Ob es ein Happy End gibt? Nun ja, es sei verraten – der Fall geht tatsächlich glücklich aus.

Fast zu schnell verging die Rückfahrt ins heimische Leithaprodersdorf. Der dunkle Bus, das leise Murmeln, zufriedenes Schweigen, hier und da ein Lachen – eine Atmosphäre, die Erinnerungen an romantische Schulfahrten aufkeimen ließ. Man genoss den Moment, ließ den Abend Revue passieren, sammelte Eindrücke wie Indizien eines gelungenen Falls.

Ein wunderschönes Erlebnis, das nicht nur Theaterfreude schenkte, sondern vor allem eines tat: die Gemeinschaft stärken. Und genau darin liegt vielleicht das größte Geheimnis dieser bemerkenswerten Theatergruppe.

Übrigens: am Faschingssamstag, -sonntag und -montag hat man die Möglichkeit, die fröhliche Truppe beim alljährlichen „Prodersdorfer Fasching“ zu erleben. Reservierungen kann man unter der Telefonnummer: 0660/650 35 08 oder unter theatergruppeleithakult@gmail.com machen.