Das zweite Programm der „Grenzgänger“ begeisterte bei der Premiere im Wimpassinger Gasthof Schmalzl mit Wortwitz und klassischen Wienerliedern am vergangenen Wochenende.
Eine Stadt bekennt Farbe: Eisenstadt goes Pink
Interview
Eisenstadt goes Pink: Im Oktober zeigt eine ganze Stadt Solidarität und setzt ein starkes Zeichen für Brustkrebsvorsorge und Aufklärung. Im BVZ-Interview sprechen Bürgermeister von Eisenstadt Thomas Steiner, Krebshilfe-Burgenland-Geschäftsführerin Andrea Konrath und Pink-Ribbon-Botschafterin Agnes Ottrubay mit Nina Mayer über die Aktion und ihre Botschaft.
Pink-Ribbon Botschafterin Agnes Ottrubay, Bürgermeister von Eisenstadt Thomas Steiner, Stadtbezirksvorsteherin Waltraud Bachmaier, Geschäftsführerin der Krebshilfe Burgenland Andrea Konrath und BVZ-Herausgeber Markus Stefanitsch.
© Nina Mayer
Nina Mayer: Herr Bürgermeister, die Idee zu „Eisenstadt goes Pink“ ist bei einem Pink-Ribbon-Frühstück entstanden. Agnes Ottrubay hat dort von ihrem Traum erzählt, Eisenstadt einmal ganz in Pink zu sehen. Sie sagten: „Machen wir.“ Was hat Sie an diesem Gedanken sofort begeistert?
Thomas Steiner: Das Thema Brustkrebs ist etwas, das ich schon lange unterstütze, allerdings noch nicht in einer solchen Form. Die Idee von Agnes Ottrubay war für mich der Anstoß zu diesem Projekt. Es ist schön zu sehen, dass aus dieser Idee eine Bewegung geworden ist, an der sich so viele Menschen beteiligen.
Nina Mayer: Jetzt wird aus diesem Satz Realität: Der Pulverturm und die Pestsäule werden pink erstrahlen, der Stadtbus trägt die rosa Schleife, Fahnen wehen, Geschäfte und Gastronomie machen mit. Was bedeutet es für Sie, wenn eine ganze Stadt plötzlich Farbe bekennt und diese Farbe für Hoffnung, Solidarität und Leben steht?
Thomas Steiner: Es ist ein starkes Zeichen nach außen. Natürlich geht es auch darum, Spenden zu sammeln, aber vor allem geht es um Bewusstseinsbildung und darum, darauf aufmerksam zu machen, wie wichtig Vorsorge ist, da aufgrund der medizinischen Möglichkeiten vieles erreichbar ist, wenn man früh genug beginnt.
Nina Mayer: Brustkrebs ist kein Thema, das „die anderen“ betrifft. Fast jeder kennt eine Frau, die selbst erkrankt ist oder jemanden durch diese Krankheit begleitet hat. Wie viel persönliche Betroffenheit spüren Sie, wenn Sie als Bürgermeister über diese Initiative sprechen?
Thomas Steiner: Es ist wohl schon jeder mit dem Thema „Brustkrebs“ in irgendeiner Weise in Berührung gekommen. Deshalb spürt man die persönliche Betroffenheit dieses Thema betreffend sehr stark und aus diesem Grund unterstützen unser Projekt so viele Menschen.
Nina Mayer: Zahlreiche Unternehmerinnen und Unternehmer, Gastronomiebetriebe und Geschäfte haben spontan ihre Hilfe zugesagt. Was sagt Ihnen diese Bereitschaft über Eisenstadt und seine Menschen?
Thomas Steiner: Es ist ein wunderschönes Zeichen des Zusammenhalts, weil es um ein wichtiges Thema geht. Jeder kann selbst kreativ werden, selbst Ideen einbringen. Das geht von der Gestaltung von Auslagen oder Spendenaktionen bis zu großen Veranstaltungen. Ich hoffe, dass wir am Ende ein gutes Ergebnis präsentieren können.
Nina Mayer: Was soll „Eisenstadt goes Pink“ über den Oktober hinaus bewirken?
Thomas Steiner: Es soll ein Mosaikstein der Pink Ribbon-Bewegung sein, die seit Jahren im Burgenland mit vielen Initiativen unterwegs ist. Ich würde mich freuen, wenn „Eisenstadt goes Pink“ in den nächsten Jahren fortgesetzt wird.
Nina Mayer: Frau Konrath, wir sehen im Oktober überall die rosa Schleife. Aber was passiert eigentlich hinter dieser Schleife? Was bedeutet ein Euro, der bei einer Pink-Ribbon-Aktion gespendet wird, ganz konkret für eine betroffene Frau im Burgenland?
Andrea Konrath: Jeder Euro hilft uns, Patientinnen, die an Brustkrebs erkrankt sind, zu unterstützen. Ein Euro kann viel bedeuten, denn oft gilt es Entscheidungen zu treffen: „Kaufe ich meinem Kind eine neue Schultasche oder leiste ich mir eine Therapie, die von der Öffentlichkeit nicht übernommen wird?“ Die Spenden helfen uns, existentielle Sorgen zu minimieren.
Nina Mayer: Sie erleben täglich Menschen, die mit einer Krebsdiagnose konfrontiert werden. Was ist für Betroffene nach der Diagnose oft die größte Herausforderung?
Andrea Konrath: Gleich nach der Diagnose kommt es oft zu einer Verdrängung, gefolgt von Gedanken, wie man die nächsten Monate bewältigen und die Diagnose der Familie mitteilen soll. Und auch Fragen wie ‚Wie verarbeite ich all die Therapien?‘ oder ‚Werde ich wieder gesund?‘ beschäftigen die Betroffenen häufig.
Nina Mayer: Pink Ribbon steht für Vorsorge und Früherkennung. Was möchten Sie Frauen sagen, die aus Angst vor einer möglichen Diagnose eine Untersuchung lieber hinauszögern?
Andrea Konrath: Ich möchte an alle Frauen appellieren, sich ihrer Rolle bewusst werden, die sie in der Gesellschaft, in der Familie und in der Arbeitswelt spielen. Es ist wichtig, gut auf sich acht zu geben, auf sich zu schauen, um weiter diese tragenden Rollen einnehmen zu können.
Nina Mayer: Was hat sich durch Pink Ribbon in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Ist Brustkrebs heute tatsächlich weniger tabuisiert oder dominieren noch immer Ängste und Mythen, über die es zu sprechen gilt?
Andrea Konrath: Pink Ribbon gibt es seit 24 Jahren in Österreich. Wir merken sehr wohl, dass das Thema an Tabu verloren hat. Frauen gehen offener mit der Diagnose „Brustkrebs“ um. Natürlich gibt es noch immer einzelne Frauen, die diese aber nicht bekannt machen wollen, wo Schuld- oder Schamgefühle dominieren, die natürlich völlig unbegründet sind.
Nina Mayer: „Eisenstadt goes Pink“ macht aus einer Kampagne einen ganzen Stadtmonat. Was kann solch eine breite öffentliche Aufmerksamkeit leisten, das eine klassische Informationsveranstaltung vielleicht nicht schafft?
Andrea Konrath: „Eisenstadt goes Pink“ ist eine breitgefächerte Kampagne über einen ganzen Monat, mit der wir viele Frauen erreichen können, um ihnen nahelegen, die Vorsorge wahrzunehmen. Trotz der vielen Aktionen gehen nur etwa 40 % der Frauen zur Mammographie. Das ist viel zu wenig.
Nina Mayer: Frau Ottrubay, Sie haben beim Pink-Ribbon-Frühstück gesagt: „Ich habe einen Traum: Ich möchte Eisenstadt einmal ganz in Pink sehen.“ Warum war gerade das Ihr Traum?
Agnes Ottrubay: Eigentlich war es eine spontane Bemerkung bei einem sehr angenehmen Frühstück, bei dem ich dachte, wir müssen noch mehr Menschen ansprechen und auf die Bedeutung der Brustkrebsvorsorge aufmerksam machen.
Nina Mayer: Dann kam Thomas Steiners Antwort: „Machen wir.“ Haben Sie in diesem Moment tatsächlich geglaubt, dass daraus einmal ein ganzer Pink-Ribbon-Monat mit einer ganzen Stadt dahinter werden könnte?
Agnes Ottrubay: Das habe ich schon gedacht, denn wenn unser Bürgermeister etwas sagt, macht er das auch. Aber dass „Eisenstadt goes Pink“ mit so vielen Programmpunkten ausgeschmückt wird, habe ich mir nicht vorstellen können.
Nina Mayer: Sie engagieren sich schon seit Jahren für Pink Ribbon und veranstalten selbst Charity-Events. Was hat dieses Thema bei Ihnen zu einer persönlichen Herzensangelegenheit gemacht?
Agnes Ottrubay: Ich bin in dieses Thema hineingewachsen. Leider ist vor 25 Jahren eine gute Freundin von mir erkrankt und gestorben. Damals bin ich zum ersten Mal mit diesem Thema konfrontiert worden. Ich war jung, noch nicht in einem Alter, wo die Durchführung einer Mammographie spruchreif war und habe mich mit dieser Materie nicht wirklich beschäftigt. Aber als ich diese Freundin begleitet habe, wurde das Thema zu einem sehr wichtigen.
Nina Mayer: Pink ist eine auffällige, beinahe fröhliche Farbe. Hinter der rosa Schleife stehen aber Angst, Krankheit und Trauer. Wie schafft man es, über Brustkrebs zu sprechen, ohne dass die Botschaft Angst auslöst?
Agnes Ottrubay: Meine Erfahrung ist, dass das Thema ernst ist und deshalb auch ernst darüber gesprochen gehört. Aber man sollte nicht immer traurig sein. Natürlich kommt es zu traurigen Situationen, aber unsere medizinische Versorgung trägt dazu bei, dass sehr viele Menschen geheilt werden können. Dafür können wir dankbar und froh sein und Rosa als Farbe der Hoffnung sehen.
Nina Mayer: Was bedeutet es für Sie, wenn Sie im Oktober durch Eisenstadt gehen und plötzlich überall Ihre Ideen verwirklicht sehen – an Gebäuden, am Stadtbus, in den Auslagen? Ist Ihr Traum damit erfüllt oder fängt er gerade erst an?
Agnes Ottrubay: Es war mein Traum und ich bin dem Bürgermeister dankbar, dass dieser verwirklicht wurde. Aber ich denke, jetzt beginnt etwas Neues und meine Erfahrung ist: wenn in Eisenstadt etwas Neues angefangen wird, wird es oft zur Tradition.
Nina Mayer: Danke für das Interview!