Barbara Karlich: Talk-Queen der Herzen

Künstler Porträt

Sympathisch, eloquent, hübsch und empathisch - diese Attribute beschreiben die zu den erfolgreichsten österreichischen Moderatorinnen zählende Barabara Karlich treffend. Im Interview erzählt sie von ihrer Karriere beim ORF, vom neuen Format ihrer Nachmittagssendung und von Dingen, die sie jetzt vielleicht ein bisschen anders handhaben würde.

Von Nina Mayer

ORF-Lady Barbara Karlich im Interview mit Nina Mayer

ORF-Lady Barbara Karlich im Interview mit Nina Mayer

© Nina Mayer, Nina Mayer

Den meisten ist die in Wien geborene und in Trausdorf aufgewachsene Burgenlandkroatin aus ihrer „Barbara Karlich-Show“ bekannt. Seit unglaublichen 25 Jahren wird diese ausgestrahlt. Damit ist sie nicht nur die im deutschsprachigen Raum am längsten gesendete Talkshow, sondern sogar die einzig verbliebene.

Karlich ist überzeugt, dass es die einzigartige Chance für Menschen unterschiedlicher Herkunft und Gesinnung ist, auf einer Bühne zusammenzukommen und ihre Meinung öffentlich mitzuteilen, die den Erfolg der Sendung ausmacht. Standpunkte, Visionen, Sorgen zu transportieren und dabei Gehör bekommen. „Wir haben mit unserem Format sicher dazu beigetragen, heikle Themen zu enttabuisieren“, sinniert die Moderatorin.

Barbara Karlich: Talk-Queen der Herzen

© ORF, Milenko Badzic

Änderung bedarf Mut

Liebe, Behinderungen, Transgeschlechtlichkeit, Homosexualität - all das sind Bereiche, über die vor 20 Jahren nicht gesprochen wurde. Natürlich kostete es viele Gäste Überwindung, sich zu „outen“, zu erklären, aber oft war das einfacher, als sich weiterhin „abseits“ der Gesellschaft zu empfinden. Barbara Karlichs sprühendes, warmherziges Wesen gab ihnen Kraft und Mut und hat sicher auch dazu beigetragen, dass unsere Gesellschaft heute eine offenere und aufgeschlossenere ist.

Am 8. Jänner 2024 wurde die „Barbara-Karlich"-Show“ in „Barbara Karlich - Talk um 4“ umgetauft. Ein neues Studio beherbergt die Gäste, Publikum ist keines mehr vor Ort. „Es ist ein anderes Talken, mehr Ruhe, man ist vollkommen konzentriert auf die Diskussionen, aber es fordert noch größere Konzentration“, verrät die Moderatorin, der das Publikum zu Füßen liegt - wegen ihres Humors, ihrer Offenheit und weil sie sich für andere einsetzt.

Taktvoll den Ton angeben

Oberstes Prinzip ist für sie der respektvolle Umgang miteinander. Natürlich ist Barbara Karlich hochprofessionell, führt ihre Gäste, die sich gegenseitig die Welt erklären, gekonnt durch ihre Show. Trotzdem ist es nicht bei allen Themen einfach neutral zu bleiben, schon gar nicht, wenn Themen sehr polarisieren und die Diskussionen hitzig werden, es vielleicht sogar zu gegenseitigen verbalen Angriffen kommt.

Aber diese sind Gott sei Dank recht selten und eher im amerikanischen Raum beheimatet. In Österreich herrscht doch noch eine respektable Gesprächskultur, was die Sache für den Moderator vereinfacht.

Nicht ohne die burgenländische „Jeanne D'Arc“

Barbara Karlich blickt diesbezüglich auf ihre Schulzeit zurück. Unvorstellbar, wenn man die Talk-Queen sprechen hört - aber die ersten vier Jahre ihres Lebens hat sie nur Kroatisch beherrscht. Nicht leicht war die erste Zeit im Eisenstädter Gymnasium. Anfeindungen und Kränkungen ob ihrer Herkunft taten schon weh.

Karlichs Persönlichkeit hat das aber noch stärker werden lassen. Sie wurde Klassensprecherin, gewann den Redewettbewerb und setzte sich immer als eine moderne „Jeanne D'Arc“ für Schwächere ein. Mit Auszeichnung maturierte sie, studierte Publizistik, Psychologie und Theaterwissenschaften, belegte einen Hochschulkurs für Öffentlichkeitsarbeit und legte noch ein paar Semester Medizin drauf. Alle Studien bis auf Medizin schloss sie erfolgreich ab.

Eine Medizinerin könnte an ihr verloren gegangen sein, schmunzelt die Talkerin: „Besonders der Bereich Chirurgie hat mich fasziniert. Meine Professoren waren ganz beeindruckt von meinen ruhigen Händen.“ Und auch der Augenheilkunde konnte sie etwas abgewinnen. Wer weiß, was noch kommt?

Barbara Karlich: Talk-Queen der Herzen

© ORF, Ali Schafler

Auf vielen Bühnen zu Hause

Fast tut es ihr ein bisschen leid, diesen Studienzweig nicht beendet zu haben, aber zu intensiv war damals schon die Einbindung ins Berufsleben. Fernsehen, Theater und Radio bedient die Allrounderin heute. Im Radio Burgenland moderiert sie jeden zweiten Samstag die beliebte Sendung „Der Barbara Karlich Buchklub“. Drei Stunden lang erzählen Promis über ihre Lieblingsbücher, Lesegewohnheiten und plaudern über Privates. Ganz nach dem Motto: „Sag mir was du liest und ich sage dir, was du denkst!“

Karlich lacht: „ Es hat nicht nur eine Aussagekraft, was jemand liest, sondern auch zu welcher Tageszeit er dies tut. Der Krimi am Morgen sagt etwas anderes aus, als der am Abend gelesene, der meist dem lustvollen Gruseln dienen soll.“ Erfreulich, dass Bücher wieder vor den Vorhang geholt werden, dienen sie doch dazu, die Phantasie der Menschen anzuregen, ins Träumen zu kommen, Denkweisen kennenzulernen und selbst neue zu entwickeln.

Über die Wichtigkeit der Meinungsbildung

Was wäre eine Gesellschaft, in der unreflektiert konsumiert wird, in der keine eigenen Meinungen mehr gebildet werden? Ein Schatten ihrer selbst. In einer Demokratie wie Österreich finden Künstler und Intellektuelle noch Gehör, anders als in Diktaturen, die Menschen mit Phantasie keinen Raum geben wollen, um ihre Grundsätze nicht in Frage gestellt zu bekommen.

Die Gästeliste von „Barbara Karlichs Buchklub“ kann sich sehen lassen. Erika Pluhar, Michael Niavarani, Julian Rachlin, Nadja Bernhard und Alfons Haider sind nur einige davon. Brigitte Krenn, Alex Kristan, Nina Proll, Robert Kratky, Christoph Feuerstein - sie alle werden in den nächsten Monaten folgen und einiges von sich preisgeben. Besonders unterhaltsam ist es, wenn Größen wie Klaus Maria Brandauer und Senta Berger rezitieren. Vollkommen aus dem Stegreif - absolut bühnenreif!

Wie viel Privatsphäre ist möglich?

Eines würde Barbara Karlich heute anders machen, nämlich ihr Privatleben aus der Öffentlichkeit heraushalten. „Natürlich weiß ich, dass mein Erfolg auch darauf beruht, dass ich mich sehr geöffnet habe. Damals hielt ich es für richtig, da auch meine Gäste viel von sich preisgaben.“

Heute bekommen Moderatoren Coaching, Barbara wurde bei ihrem Berufseinstieg ins kalte Wasser gestoßen. Und trotzdem hat sie ihre Sache so grandios gemacht, dass man sich nur verbeugen und „Meine Verehrung“ sagen kann.

Barbara Karlich: Talk-Queen der Herzen

© zVg ORF, zVg