Heidi Tschank: begnadete Bildhauerin mit viel Eleganz

Künstler-Porträt/Stotzing

Lebenslustig, weltoffen und umtriebig - so lässt sich die sympathische Stotzinger Bildhauerin am besten beschreiben. In einem an sich von Männern dominierten Teil der Kunstbranche, zeigt sie unglaubliches Talent, Kraft und Eleganz.

Von Nina Mayer

Heidi Tschank beim Interview in der Wiener Innenstadt

Heidi Tschank beim Interview in der Wiener Innenstadt

© Nina Mayer

Geboren ist Heidi Tschank in Wien. Bereits in der ersten Klasse Volksschule erkannte man ihr Talent für Malerei, in der Modeschule das ihres stark ausgeprägten räumlichen Vorstellungsvermögens. Während dieser Zeit, gerade zarte 16 Lenze zählend, lernte sie am Kirtag in Loretto ihren späteren Ehemann kennen. Gleich nach der Schule, an der sie auch die Meisterprüfung ablegte, wurde geheiratet und bald folgten zwei Kinder.

Heidi Tschank: begnadete Bildhauerin mit viel Eleganz

© Nina Mayer

Süßer Vogel Jugend

Mit den Jahren erkannte Heidi Tschank, dass sie sich, um Erfüllung zu finden, mehr der Kunst widmen müsse und schrieb sich bei Wander Bertoni, einem der ganz großen Bildhauer Österreichs, auf der Angewandten in Wien ein.

Tschank war fasziniert, hatte ihre Profession gefunden, in der sie voll aufging. Wenn schon Uni, dann hineinschnuppern in alle Sparten der Kunst, so auch in die Druckgrafik und intensiv in die Buchbinderei. Ach ja: die wilden Partys, für welche die Kunststudenten berüchtigt waren, feierte sie natürlich als „Part of the game“ mit. Eine Zeit voller Lebensfreude und später, als Heidi Tschanks Mann schwer erkrankte, ein Rettungsanker.

Nach ihrem allabendlichen Besuch im Krankenhaus die Gewissheit zu haben, an die Uni gehen zu können und dort Freunde mit gleichen Interessen vorzufinden, das tat gut. Vieles war damals noch einfacher. Selbst mitten in der Nacht hatten die Kunststudenten die Möglichkeit in den Räumlichkeiten der Hochschule zu arbeiten.

Heidi Tschank: begnadete Bildhauerin mit viel Eleganz

© Nina Mayer, Nina Mayer

Selbst ist die Frau

Bertonis Arbeiten waren von großer Ästhetik geprägt und das färbte auf Heidi Tschanks Kunstwerke ab. Mit Holz, Metall und Glas arbeitet sie, am liebsten aber mit dem Material Stein. Zum Material Holz kam sie zufällig: ein Symposium fand statt und der Organisator suchte eine Frau, um „Ruhe in die Herde“ zu bringen. Angeblich benehmen sich Männer in Anwesenheit einer Frau besser.

Die Rechnung ging auf und im Zuge dessen schuf Heidi Tschank „Adam und Eva“. Staunend bewunderten Passanten die unglaubliche Kraft der zierlichen Frau und die Art und Weise, wie sie die Motorsäge schwang.

Aber wie gesagt: die Liebe gehört dem Stein. Die Arbeit an ihm bedarf Zeit, eine Tatsache, welche die Künstlerin erdet und zur Ruhe bringt. Andächtig betrachtet sie jedes neue Stück, das sie in Angriff nimmt, streichelt zärtlich darüber und erklärt ihm, dass sie ihm nicht weh tun, sondern zur Vollkommenheit bringen wird.

Heidi Tschank: begnadete Bildhauerin mit viel Eleganz

© Nina Mayer

Werke für die Ewigkeit geschaffen

Zu vielen mehrwöchigen Symposien wurde Tschank eingeladen, tolle Werke kreierte sie dort. Auf 93 große Skulpturen darf sie stolz blicken, alle über zwei Meter hoch. In Irdning hatte sie die Ehre 16 Jahre lang das Internationale Grimming-Symposium zu leiten und Schüler in Bildhauerei zu unterrichten. Da sie dort selbst auch arbeitete, lassen sich vor Ort 14 Stein- und Holzskulpturen und zwei Brunnen bestaunen.

Den „Vier Tugenden“ wurde in abstrakten Frauenkörpern von Heidi Tschank Leben eingehaucht. Die der „Mäßigung“ wird am 5. Mai bei der Aktion „offen“ vor dem Atelier der Künstlerin erstmals zu besichtigen sein. „Der Kristall“, „Die Flamme“, „Der Weg zur Liebe“ - ein paar Beispiele von Schöpfungen im In- und Ausland. 2021 erhielt die Künstlerin gleich zwei Auszeichnungen für ihre Werke: das „Große silberne Ehrenzeichen des Landes“ und das „Goldene Ehrenzeichen von Eisenstadt“.

Heidi Tschank: begnadete Bildhauerin mit viel Eleganz

© Nina Mayer

Die Sicht der Dinge

2003 verstarb Heidi Tschanks Ehemann. Für seinen Grabstein kreierte sie die „Europa“ aus Portogallomarmor. Und: sie kehrte an die Uni zurück und schloss ein Philosophiestudium ab. Besonders Nietzsche und Sartre halfen ihr über den Verlust hinwegzukommen, aber auch die jugendliche Leichtigkeit der anderen Studenten, denn eines ist gewiss: im Herzen und in ihrem Denken wird Heidi Tschank immer jung bleiben.

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Heidi Tschank: begnadete Bildhauerin mit viel Eleganz
Heidi Tschank vor ihrem Atelier

© Nina Mayer

Heidi Tschank: begnadete Bildhauerin mit viel Eleganz
"Der Kristall"

© Nina Mayer

Heidi Tschank: begnadete Bildhauerin mit viel Eleganz
Entstehung eines Brunnen aus Sölker Marmor

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Heidi Tschank: begnadete Bildhauerin mit viel Eleganz
"Eupheus und Eurydike"

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