Neujahrsempfang der Industriellenvereinigung Burgenland

Neujahrsempfang

Mit einem eindrucksvollen Schulterschluss von Wirtschaft, Politik und Wissenschaft startete die Industriellenvereinigung Burgenland am Montag mit ihrem traditionellen Neujahrsempfang ins neue Jahr. Als stilvoller Gastgeber fungierte die Joseph Haydn Privathochschule in Eisenstadt, die mit ihrem besonderen Ambiente den passenden Rahmen für einen Abend bot, der gleichermaßen von inhaltlicher Tiefe wie von inspirierenden Impulsen geprägt war.

Von Nina Mayer

Elke Emich-Gartner, Hannes Schmid, Judith Holper, Petra Mayer, Angelika Ehrenhofer und Reinhard Gaul.

Elke Emich-Gartner, Hannes Schmid, Judith Holper, Petra Mayer, Angelika Ehrenhofer und Reinhard Gaul.

© Nina Mayer

Natürlich war die Wirtschaft stark und prominent vertreten. Seitens der Gastgeber, die die Lokalität zur Verfügung stellten, begrüßten Geschäftsführer Michael Gerbavsits und Rektor Gerhard Krammer die zahlreich erschienenen Gäste und unterstrichen die Rolle der Hochschule als Ort des Dialogs zwischen Bildung, Wirtschaft und Gesellschaft. Studierende sorgten für die musikalische Umrahmung und gaben dem Empfang damit eine elegante, kulturelle Note.

Charmant und pointiert eröffnete IV-Burgenland-Geschäftsführerin Anikó Benkö den Abend mit ihrer Ansprache. Nach dem einleitenden Teil rückten rasch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und die Zukunft des Industriestandorts Österreich in den Mittelpunkt.

In seiner viel beachteten Rede zeichnete Christian Strasser, Präsident der Industriellenvereinigung Burgenland, ein klares Bild der aktuellen Herausforderungen für den Industriestandort Österreich. Hohe Abgabenquoten, steigende Energiepreise sowie wachsende Personal- und Bürokratiekosten setzen die heimischen Betriebe zunehmend unter Druck.

Umso eindringlicher sein Appell, spätestens 2026 wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad zurückzukehren. Dafür brauche es vor allem eines: verlässliche und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen sowie spürbare Entlastungen für Unternehmen.

Ein zentrales Thema seiner Ausführungen war das Mercosur-Handelsabkommen. Dieses geplante Abkommen zwischen der EU und den südamerikanischen Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay zielt auf den Abbau von Zöllen und Handelshemmnissen ab.

Für Österreich als exportorientierte Industrienation eröffnet Mercosur neue Absatzmärkte, stärkt die internationale Wettbewerbsfähigkeit heimischer Betriebe und sichert langfristig Arbeitsplätze. Strasser sprach sich daher klar für das Abkommen aus und betonte dessen strategische Bedeutung für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes.

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends lag auf dem Thema Künstliche Intelligenz. Diesem widmete sich der hochkarätige Gastredner des Abends: Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger. Der renommierte Genetiker, Bestsellerautor und Wissenschaftsmoderator gilt als einer der profiliertesten Denker an der Schnittstelle von Wissenschaft, Ethik und Gesellschaft. Mit unglaublichem Esprit, feinem Sarkasmus und viel Humor zog er das Publikum in seinen Bann.

Hengstschläger plädierte eindringlich für eine gezielte und verantwortungsvolle Nutzung von KI, vor allem aber dafür, Menschen zu befähigen, diese Technologien sinnvoll einzusetzen. Nicht die Maschine stehe im Mittelpunkt, sondern der Mensch. Gleichzeitig übte er Kritik an der österreichischen Mentalität, Probleme eher zu verwalten als mutig zu lösen. Lösungsorientierung werde hierzulande oft nicht gefördert, sondern sogar gebremst.

Besonders einprägsam war seine eigens entwickelte „3/24-Formel“: Wenn ein Problem auftrete, solle man nicht nach Schuldigen suchen, sondern sich zusammensetzen und innerhalb von 24 Stunden mindestens drei konkrete Lösungsansätze erarbeiten.

Für die Zukunft forderte Hengstschläger eine klare Neuausrichtung des Bildungssystems. Kompetenzen wie Ethik, Intelligenz, Entscheidungsfreudigkeit und Mut müssten gezielt gestärkt werden. Es brauche Visionen – und vor allem den Willen, diese auch umzusetzen. Scheitern sei dabei kein Makel, sondern Teil des Fortschritts. Zielorientierung sei letztlich der Schlüssel, um als Gesellschaft voranzukommen.

Nach dem offiziellen Teil wurde das Buffet eröffnet – und der Abend ging nahtlos in angeregte Gespräche, intensives Networking und lebhafte Diskussionen über. Der Neujahrsempfang der Industriellenvereinigung Burgenland zeigte eindrucksvoll: Die großen Fragen unserer Zeit lassen sich nur gemeinsam beantworten – mit Offenheit, Mut und dem Blick nach vorne.