Vom Recht auf Glanz

Ninas liebes Geflüster

Ohne Glanz verliert das Leben seine Seele.

Von Nina Mayer

Nina Mayer spricht sich für mehr Glanz und Opulenz aus.

Nina Mayer spricht sich für mehr Glanz und Opulenz aus.

© Nina Mayer

Es gibt Dinge, die man behüten muss, weil sie leuchten.

Operetten, Opern und Theaterstücke gehören unbedingt dazu. Sie leben vom Überschwang, von Farben, Stoffen, großen Gesten und noch größeren Gefühlen. Nimmt man ihnen durch übertriebene Neuinterpretationen, kargen Minimalismus oder zwanghafte Aktualisierung ihren Glanz, bleibt oft nur ein Schatten dessen zurück, was sie einmal waren und sein sollten.

Dabei geht der Glanz in unserer Zeit ohnehin schon verloren. Alles wird reduziert, vereinfacht, neutralisiert. Entweder schnell, kurz und an intellektueller Beschränktheit nicht zu übertreffen oder farblos, trist und deprimierend. Doch das Leben lebt nicht vom Grau, sondern vom Schimmern. Vom Funkeln. Vom Staunen. Glanz hebt uns aus dem Alltag, macht uns leichter und verliebter ins Dasein. Er verzaubert auch in schwierigen Zeiten, wie sie gerade herrschen und genau das soll Kunst bewirken.

Unlängst schaute ich mir im Theater in Baden "Die lustige Witwe" an – eine Operette, die vom Glanz lebt. Geschrieben von Franz Lehár, erzählt sie mit Wiener Charme von Liebe, Geld und gesellschaftlichen Maskeraden. Von einer reichen Witwe, die klug genug ist, ihr Herz nicht vorschnell zu verschenken. Von Tanz, Walzer und einer Sehnsucht, die zwischen Champagner und Kronleuchtern aufblitzt.

In Baden wirkt nun ein neuer Direktor, und ich war schon sehr gespannt, wie er inszenieren lässt. Wird er dem Glanz vertrauen? Ihn feiern? Oder ihn vorsichtig zähmen wollen? Was soll ich sagen? Ein bisschen Glanz hat mir schon gefehlt, um dem Zauber zu erliegen.

Es ist ein bisschen wie bei Männerparfums. Auch dort erleben wir derzeit eine große Vereinheitlichung. In unserer Gesellschaft verschwimmen die Unterschiede zwischen Mann und Frau, zwischen festlich und alltäglich, zwischen Charakter und Neutralität.

Kleidung wird austauschbar, Silhouetten gleichförmig, Düfte kennen plötzlich kein Geschlecht mehr. Unisex-Parfums sind an der Tagesordnung. Selbst bei den Herren oft nur ein Hauch von irgendetwas Zitronigem, so transparent, dass man sich fragt: „Stieg da gerade ein Hauch eines Dufts in mein Näschen oder war es der Rest des Duschmittels vom Morgen?“

Wo sind die Noten von Leder, Tabak und Holz geblieben? Parfums, die nicht flüstern, sondern sagen: „Da bin ich!“ So wie eine Operette im vollen Ornat, ein Orchester im Walzerrausch, ein Vorhang aus rotem Samt.

Darum: ein Hoch auf die Opulenz! Auf schöne Frisuren, elegante Kleider, funkelnden Schmuck. Auf High Heels statt Sneakers – zumindest für einen Abend. Und auf den Mut, dem Glanz wieder Raum zu geben. Denn ohne ihn wird alles leiser und ärmer. Mit ihm aber wird das Leben für ein paar Stunden zu einem Fest.