Straßenrowdie verursachte Unfall auf A3: 5.400 Euro Geldbuße

Plötzlich abgebremst

Am Heimweg in den Bezirk Mattersburg bremste ein Akademiker vor einem anderen Autolenker abrupt ab. Das Auto hinter ihm kam ins Schleudern. Jetzt stand der Akademiker vor Gericht.

Von Elisabeth Kirchmeir

Der 53-jährige Akademiker wollte zu seinem Fahrverhalten am 16. September 2025 nichts mehr sagen.

Der 53-jährige Akademiker wollte zu seinem Fahrverhalten am 16. September 2025 nichts mehr sagen.

© BVZ/Kirchmeir

Nötigung im Straßenverkehr durch abruptes Bremsen auf der Autobahn bei Steinbrunn warf die Staatsanwaltschaft Eisenstadt dem 53-Jährigen vor. Am 16. September 2025 hatte er auf der A3 in Fahrtrichtung Eisenstadt ein anderes Auto rechts überholt, sich dann knapp vor diesem am linken Fahrstreifen eingereiht und war dann auf die Bremse gestiegen.

Der Lenker des hinter ihm fahrenden Autos geriet daraufhin ins Schleudern. Er verriss nach rechts, kollidierte mit der Betonleitwand, dann blieb das schwer beschädigte Fahrzeug am Pannenstreifen stehen.

Verteidiger: „Brauchen das nicht schönreden“

„Es kam zu diesem Unfall, das brauchen wir nicht schönreden“, sagte der Verteidiger. Schon hier zu sitzen reiche für seinen Mandanten aus, dass dieser in Zukunft die Sicherheitsabstände einhalten werde. „Er sagt sonst nichts, er ist mit den Nerven fertig“, so der Anwalt.

„Sie können mir glauben: Es tut mir sehr, sehr leid“, sagte der Angeklagte zur Richterin. Als er gesehen habe, dass hinter ihm ein Unfall passierte, sei er „sofort zur Polizeistation in Mattersburg gefahren“.

Weitere Fragen wurden nicht gestellt. Die Richterin unterbreitete dem Akademiker ein Angebot zur Diversion, wobei die Berechnung der vom Einkommen abhängigen Höhe der Geldbuße schwierig war, weil der Angeklagte Angaben zu seinem Verdienst verweigert hatte.

Angeklagter sagte nichts zu seinem Einkommen

90 Tagessätze zu 60 Euro berechnete die Richterin schließlich, das sind 5.400 Euro Geldbuße. Zusätzlich muss der Angeklagte 150 Euro Pauschalkosten bezahlen. Damit war der 53-Jährige einverstanden.

Danach wurden die beiden Opfer des rücksichtslosen Fahrverhaltens des Angeklagten in den Gerichtssaal geholt. Der Lenker hatte damals seine wenige Tage zuvor operierte und dadurch mobilitätseingeschränkte Frau zu deren Familie ins Burgenland bringen wollen, wo sie Unterstützung erhalten sollte, während er seinem Beruf nachging.

Eine Befragung der Zeugen war nicht mehr vorgesehen. Dennoch ergriff das Ehepaar das Wort. „Wir haben uns auf das Gespräch vorbereitet“, sagte die Frau. „Es war ein tragisches Erlebnis.“

Unfallopfer: „Wir konnten nächtelang nicht schlafen“

„Ich fahre seit 30 Jahren unfallfrei, habe seit 37 Jahren den Führerschein. Dieser Tag war sehr belastend“, sagte ihr Ehemann. „Wir konnten nächtelang nicht schlafen“, sagte seine Frau.

Obwohl beide bei dem Unfall Blessuren davontrugen, habe man auf die Verständigung der Rettung damals bewusst verzichtet.

„Ich bin der Frau, die damals hinter uns fuhr, sehr dankbar, dass sie so viel Abstand hielt“, sagte der Mann. Sonst wäre es möglicherweise zu einer Massenkarambolage gekommen.

„Wie wir den Aufprall hatten, sah ich schon die Engel“, sagte seine Frau. „Ich glaubte, wir sind tot.“

„Eine Entschuldigung wäre schön“

„Der Aufprall war bei 100 bis 110 km/h. Ich musste nach rechts verreißen, um die Karambolage zu vermeiden, konnte das Auto nicht mehr unter Kontrolle halten“, erinnerte sich der Mann an die Schrecksekunden. „Eine Entschuldigung wäre schön“, sagte er.

Doch genau diese blieb der Angeklagte im Gerichtssaal schuldig. Unbewegt nach vorne blickend, wandte er den schräg hinter ihm stehenden Unfallopfern den Rücken zu und sagte kein Wort.

Nach Ende der Verhandlung berichtete das Ehepaar über weitere Details. „Er hat mit geschätzten 150, 160 km/h rechts überholt, wollte beim vorderen Auto rein, merkte dann, dass es zu knapp ist, bremste ab, gab den Blinker raus und ist einfach in meine Spur rein, zwei Meter vor uns!“, schilderte der Mann die Situation. Er habe die Lichthupe betätigt, daraufhin sei der andere auf die Bremse gestiegen und es kam zum Unfall.

„Wir sind froh, dass wir gesund sind“, sagten die Ehepartner. Geld wolle man von dem Verursacher des Unfalls nicht. „Damit ist es für uns erledigt“, sagten sie.