Adi Hirschal startet mit 77 Jahren nochmals musikalisch durch

PORTRAIT

Adi Hirschal - seines Zeichens Schauspieler, Sänger, Regisseur und Intendant. Seit einigen Jahren hat der beliebte Künstler einen Zweitwohnsitz in Purbach, wo er Mußestunden findet, um an seinem neuen Buch zu schreiben und Kraft tankt, um mit seiner Band „Die brennenden Herzen“ mit 77 Jahren nochmals voll durchzustarten.

Von Nina Mayer

Adi Hirschal lebt unter anderem in einem wunderschön renovierten Bauernhaus in Purbach. Ein Kraftort, an dem er Energie tankt und die Natur rund um den Neusiedler See erkundet. Gerne lässt er sich dabei zu neuen kreative Ideen inspirieren.

Adi Hirschal lebt unter anderem in einem wunderschön renovierten Bauernhaus in Purbach. Ein Kraftort, an dem er Energie tankt und die Natur rund um den Neusiedler See erkundet. Gerne lässt er sich dabei zu neuen kreative Ideen inspirieren.

© Nina Mayer

„In Innsbruck geboren, in Linz aufgewachsen, in und an Wien verloren gegangen, ausgestreckt auf dem westöstlichen Divan, den Kopf in den Bergen, die Füße im Wasser. Ich träume und öffne die Augen ... bin überrascht, dass alles wahr ist, was ich da träume von später Sonne und von Sommerabend. Ich spiele, singe und tanze seit ich denken kann. Wahr ist auch, dass neben mir wer sitzt, der Sehnsucht heißt ...“

Welch schönes Zitat, das Adi Hirschal in seiner Selbstbeschreibung verwendet. Sehnsucht - sie wohnt wohl jedem Menschen inne, vielleicht besonders Künstlern, die in dieser eine treibende Kraft für ihn Tun finden. Unter anderem mündete diese im Falle von Adi Hirschal in die Entstehung seines 2021 veröffentlichten Buches „Da stimmt was nicht“.

Adi Hirschal startet mit 77 Jahren nochmals musikalisch durch

© zVg

Der Neusiedler See als Kraftquelle

Auf unglaublich feinfühlige Weise nimmt der Entertainer, der seit einigen Jahren in einem liebevoll renovierten Bauernhaus in Purbach einen Zweitwohnsitz sein Eigen nennt, seine Fans mit auf eine Zeitreise, die ihren Anfang in Ebelsberg bei Linz nimmt. Mit drei Jahren zog Adi Hirschal mit seinen Eltern von Innsbruck nach Oberösterreich, bevor es für ihn zu den Wiener Sängerknaben ging, wo er der „Macht der Musik“ erlag, der er sich bis heute nicht entziehen kann.

Nach der Matura studierte er einige Semester Jus, dann lockte zum Leidwesen der Eltern Berlin. Ein künstlerischer Plan in der deutschen Großstadt verlief im Sand, reumütig heimzukehren war keine Option und so war es das Nachtleben, welches das nötige Kleingeld zum Leben einbrachte. Adi Hirschal beschreibt seine Zeit im „Ciro Beach Club“, in dem er unter anderem bei der Garderobe aushalf, als die wildeste seines Lebens, cool und unglaublich schön, auf Dauer aber nicht lebbar.

Also zurück nach Wien, der Stadt, die Adi Hirschal seit jeher als Heimathafen dient. Das „Max Reinhardt-Seminar“ schloss er 1974 mit Diplom ab und erhielt gleich darauf ein Engagement am Wiener Burgtheater. Wie es so sein muss: man enttäuscht Eltern nicht nur einmal im Leben und muss seinen Weg finden, seine eigenen Träume leben.

Adi Hirschal startet mit 77 Jahren nochmals musikalisch durch

© Peter Schaffer

Als Hippie nach Bella Italia

In Adi Hirschals Fall führten sie weg von der „Burg“ ins Sehnsuchtsland Italien, wo er mit Freunden die Punkband „Gas“ gründete. Ein Wohnmobil gab ihm Obdach, Hippie-Leben, wie man es sich vorstellt. Dann kam Weihnachten. Bei einem Heimatbesuch lernte er seine spätere Frau Ela kennen. Liebe war's und zwar gleich auf den ersten Blick. Ela entschied sich, ihre Englandpläne ad acta zu legen, machte Adi aber in bestimmtem Ton klar: „Genug mit den Gelegenheitsjobs, jetzt machst was G'scheits!“

Die Kopfwäsche fruchtete, aus was G'scheitem wurde eine große Karriere. Engagements an der Josefstadt, am Metropol, Volks- und Akadamietheater folgten. In etlichen Fernsehfilmen brillierte Adi Hirschal, unvergessen im „Kaisermühlen Blues“ als René Gstettner.

Lustige Spiele im Prater

Im Jahr 2004 gründete er das Wiener Lustspielhaus am Hof, sein Herzensprojekt, in dem er 18 Jahre als künstlerischer Leiter tätig war. Aus finanziellen Gründen wurde dieses, verursacht durch die Corona-Pandemie, 2022 von der Stadt Wien geschlossen, das handbemalte Barock-Theater aber um einen symbolischen Euro an das Land Burgenland verkauft. Nun kann man das Lustspielhaus in Lutzmannsburg bewundern.

Intendant war Adi Hirschal sogar dreifach. Neben dem Wiener Lustspielhaus betreute er den Theatersommer Haag und den Laxenburger Kultursommer, bei dem er 25 Jahre auch als Schauspieler tätig war.

Adi Hirschal startet mit 77 Jahren nochmals musikalisch durch

© Peter Schaffer

Jetzt will er's nochmal wissen

2023 zog sich der Halbburgenländer vom Theater zurück und widmet sich nun voll und ganz der Musik. Seit vielen Jahren tritt er gemeinsam mit seiner Band „Die brennenden Herzen“ unter anderem mit Wolfgang Böck auf, um sein Publikum mit Strizziliedern zu unterhalten. Viele eigene unveröffentlichte Lieder warten darauf, veröffentlicht und dem Publikum präsentiert zu werden.

„Mit 77 Jahren noch einmal voll durchstarten als Musiker“, das ist das Ziel des äußerst sympathischen Entertainers. Und ganz nebenbei arbeitet er an seinem zweiten Buch, aber dazu verrät er vorerst noch nichts.