Die Pfarren St. Margarethen, Oggau, Rust und Mörbisch werden seit September in einem gemeinsamen Seelsorgeraum geführt. Im Gespräch mit Daniel Freismuth (BVZ) erklären der neue Pfarrleiter und die Sekretärin des neuen Seelsorgeraums, welche Veränderungen und Vorteile der Seelsorgeraum mit sich bringt.
Zwischen Glamour und Gefühl: Mark Seibert kehrt nach Mörbisch zurück
Portrait/Interview
Seit mehr als zwei Jahrzehnten zählt Mark Seibert zu den prägenden Gesichtern der deutschsprachigen Musicalszene – zu jenen Künstlern, die ihren Figuren eine unverwechselbare Tiefe verleihen. Diesen Sommer kehrt er bei den Seefestspielen Mörbisch erneut ins burgenländische Rampenlicht zurück und bekleidet eine Rolle, die ihm wie auf den Leib geschrieben scheint: Georges, den charmanten Besitzer eines schillernden Nachtclubs, in „Ein Käfig voller Narren“.
Mark Seibert mimt bei den Seefestspielen Mörbisch den Nachtclubbesitzer Georges.
© Nina Mayer
Dass Mark Seibert einmal zu den ganz Großen seines Fachs zählen würde, zeichnete sich früh ab. Noch während seiner Schulzeit entdeckte er die Leidenschaft fürs Tanzen. Sein Weg führte ihn nach Wien, zunächst an die Musikhochschule, später ans Konservatorium Wien, wo er seine Ausbildung perfektionierte und 2005 abschloss.
Die Ouvertüre seiner Karriere spielte im Wiener Raimund Theater. Zuerst verkörperte er in „Barbarella“ den Engel Pygar, kurz darauf Tybalt in „Romeo & Julia“. Danach ging alles Schlag auf Schlag: Als Radames in „Aida“ überzeugte er auf großen Bühnen zwischen Berlin, München und Bregenz, bevor er mit dem rebellischen Fiyero in „Wicked“ endgültig zum Publikumsliebling avancierte.
Stimme, Präsenz, schauspielerische Tiefe und jene seltene Fähigkeit, Emotionen bis in die letzte Zuschauerreihe zu transportieren - all das honorierte das Publikum.
Zwischen Dunkelheit und Strahlkraft
Seibert verkörperte Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten: den Rockstar Galileo in „We Will Rock You“, den faszinierend düsteren Tod in „Elisabeth“, Jesus in „Jesus Christ Superstar“, den geheimnisvollen Grafen von Krolock in „Tanz der Vampire“ oder Maxim de Winter in „Rebecca“. Jede Rolle ein neuer Farbton, jede Figur ein weiteres Kapitel eines außergewöhnlich vielseitigen Bühnenlebens.
Es ist diese Wandelbarkeit, die seinen besonderen Reiz ausmacht. Mark Seibert kann düster und verführerisch sein, verletzlich und romantisch, kraftvoll und komödiantisch. Dabei wirkt er immer authentisch und das ist seine große Stärke: Er spielt nicht einfach Charaktere, er lebt sie.
Doch Seibert ist nicht „nur“ Musicaldarsteller. Mit seinen Soloalben, Konzertprogrammen und eigenen Eventproduktionen hat er sich über die Jahre eine zweite kreative Heimat geschaffen. Gemeinsam mit Kollegen wie Jan Ammann oder Patrick Stanke füllt er Konzerthallen, interpretiert Musicalklassiker neu und beweist immer wieder, dass seine Stimme weit über die Grenzen des klassischen Theaters reicht.
Familienleben als Anker
Privat hat der Wahl-Österreicher in den vergangenen Jahren einen neuen Mittelpunkt gefunden: seine Familie. Seit 2023 ist er verheiratet und Vater von zwei Kindern. Ein Leben, das neben dem intensiven Bühnenalltag einen wichtigen Gegenpol schafft, der auch in seiner Kunst spürbar ist: eine neue Ruhe, eine neue Reife, ohne dass dabei jene Leidenschaft verloren gegangen wäre, die ihn seit Jahren antreibt.
Nach seinem Erfolg im Sommer 2024 als Professor Henry Higgins in „My Fair Lady“ kehrt Mark Seibert nun zurück nach Mörbisch und übernimmt in „Ein Käfig voller Narren“ die Rolle des Georges. Einen Mann voller Stil, Charme und Humor, gleichzeitig aber auch voller Menschlichkeit und Loyalität. Eine Figur zwischen Glamour und Gefühl. Es gibt wohl nur wenige Darsteller im deutschsprachigen Raum, die diese Mischung glaubwürdiger auf eine Bühne bringen könnten.
Ja, Mark Seibert versteht es meisterhaft, als Geschichtenerzähler zu wirken. Er singt, spielt und schafft dabei genau das, wonach großes Theater immer strebt: Menschen zu berühren. Vorhang auf für einen Künstler, der seit Jahren beweist, dass große Rollen nicht gespielt, sondern gelebt werden.

© Nina Mayer
INTERVIEW MIT MARK SEIBERT:
Nina Mayer: Herr Seibert, nach „My Fair Lady“ kehren Sie erneut nach Mörbisch zurück – was bedeutet Ihnen diese besondere Bühne am Neusiedler See?
Mark Seibert: Die Bühne in Mörbisch ist einmalig und es ist ein Erlebnis, hier spielen zu dürfen. 6.000 Zuschauerinnen und Zuschauer, der See als Hintergrund, das Bühnenbild ist jedes Jahr gigantisch - ein großes Spektakel. Es ist eine Ehre, Teil des Ganzen sein zu dürfen.
In „Ein Käfig voller Narren“ spielen Sie Georges – einen charmanten Clubbesitzer zwischen Glamour, Liebe und Chaos. Was hat Sie an dieser Rolle sofort gereizt?
Mark Seibert: Geschichten erzählen ist das, was mich in meinem Beruf am meisten interessiert. Wir haben hier eine ganz tolle, süße Geschichte. Es ist eine Rolle, die eine gewisse Ähnlichkeit mit mir hat, aber auch viele Unterschiede - aber genau das macht am meisten Spaß.
Neben der Show, die hier nicht zu kurz kommen darf und Teil des Abends sein soll - wir spielen schließlich in einem Revuetheater mit vielen Showelementen - liegt eine schöne Familiengeschichte mit einer tollen Message, die erzählt wird.
Die Geschichte ist trotz ihres komödiantischen Tons auch ein starkes Plädoyer für Toleranz und Vielfalt. Welche Aktualität hat dieses Stück heute für Sie persönlich?
Mark Seibert: Die Zeiten ändern sich. Gerade beim Thema „gleichgeschlechtliche Paare“ hat sich viel getan, aber wir sind noch nicht dort, wo wir vielleicht sein sollten. Das ist ein Grund, warum ein solches Stück nicht an Aktualität verliert. Wenn wir ehrlich sind, gibt es Dinge, an die wir uns in unserer Gesellschaft noch nicht gewöhnt haben, obwohl wir keine Argumente haben, warum es sich seltsam anfühlt.
Was unterscheidet Georges von Rollen, die Sie bisher gespielt haben?
Mark Seibert: Georges lebt mit einem Mann zusammen. Zu 95 % habe ich bisher Liebesgeschichten zwischen Mann und Frau erzählt. Jetzt ist es eine Liebesgeschichte zwischen Mann und Mann. Das ist wohl der größte Unterschied zu all den Stücken, die ich bisher gespielt habe.
Auch kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich bisher einen Vater eines erwachsenen Sohnes gespielt habe. Und noch ein Element ist, dass „Ein Käfig voller Narren“ fast als Schauspiel bezeichnet werden kann, mit vielen Theaterszenen und langen Sprechpassagen. Das macht Spaß!
Sie haben in Ihrer Karriere so viele ikonische Rollen gespielt – vom Tod in „Elisabeth“ bis zum Graf von Krolock in „Tanz der Vampire“. Gibt es Figuren, die Sie nachhaltig verändert haben?
Mark Seibert: Persönlich gesehen nicht so sehr, da ich Beruf und Privates unterscheide, aber für mich als Interpret gab es natürlich prägende Rollen, wie zum Beispiel der angesprochene Tod in „Elisabeth“, den man als Türöffner für meine Karriere bezeichnen könnte.
Daneben gab es viele Rollen, die mich als Schauspieler „reich“ gemacht haben. Da zählt sicherlich Georges dazu, da die die Rolle sehr vielfältig ist und trotz ihres Humors viel Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit verlangt, obwohl sie mit mir privat gar nichts zu tun hat, da ich mit einer Frau verheiratet bin. Die Liebe jedoch lässt sich zu einem Mann und einer Frau gleich erzählen.
Der Musicalberuf verlangt körperlich wie mental ständige Disziplin. Was waren rückblickend die größten Herausforderungen auf Ihrem bisherigen Weg?
Mark Seibert: Über viele Jahre diese Leistungsfähigkeit zu zeigen. Seinen Körper gut kennenzulernen, zu wissen, was man braucht, um diesen Beruf lange ausüben zu können. Wenn man jünger ist, verzeiht einem der Körper deutlich mehr.
Später geht es wirklich um Handwerk - zu entscheiden, was zu tun ist, um die Leistung zu bringen, aber seinen Körper dabei nicht zu überfordern, aber dennoch zu fordern. Auch im höheren Alter müssen wir manchmal wie Sportler denken: wissen, was ist Training, was ist Forderung, was Entspannung und was Überforderung. Hier gilt es tief in sich hineinzuhorchen.
Sie sind mittlerweile auch Familienvater – verändert das die Art, wie man Karriere und Bühne erlebt?
Mark Seibert: Ja, sehr. Früher habe ich mein Leben stark nach dem Beruf ausgerichtet - bis hin zu Wohnortwechseln. Das geht heute neben der Familie nicht mehr. Ich habe einen fünfjährigen Sohn und eine zweijährige Tochter. Natürlich will ich von ihnen nicht länger getrennt sein, was bedeutet, viele spannende Rollen abzusagen. Aber es tat mir nicht weh, da ich für meine Familie sehr dankbar bin. Das war auch der Grund, warum ich begonnen habe, familienfreundlichere Projekte zu entwickeln.
Wie sehr genießen Sie es, nach Jahren großer Musicalproduktionen heute auch eigene Konzertformate umzusetzen?
Mark Seibert: Seit einigen Jahren habe ich eine eigene Produktionsfirma, mit der ich Konzerte entwickle und produziere. Das läuft gut und es ist meine Möglichkeit, neben den Engagements auf der Bühne familienfreundlichere Arbeit zu haben. Da sitze ich tatsächlich viele Stunden in meinem Büro am Laptop und bin ungebunden.
Hand aufs Herz: Was macht Ihnen persönlich mehr Spaß? Dramatisch sterben wie in „Elisabeth“ oder charmant verführen wie als Georges in Mörbisch?
Mark Seibert: Obwohl man beim Blick auf meinen Lebenslauf denken könnte, dass ich das Drama liebe, liebe ich die Komödie. Ich liebe es, Menschen zum Lachen zu bringen und Teil humorvoller Geschichten zu sein. Genau deswegen komme ich bei „La Cage aux Folles“ so auf meine Kosten.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!

© Nina Mayer