Die Waldorfschule Eisenstadt wurde am Samstag, 17. Oktober 2026, offiziell an ihrem neuen Standort im Stadtteil St. Georgen eröffnet.
Jochen „Sortsch“ Szorger: Kämpfer mit Herz
Portrait
Der fühere Cobra-Beamte Jochen „Sortsch“ Szorger aus Siegendorf hat sich nach einem schweren Schicksalsschlag zurück ins Leben gekämpft, unter anderem um anderen zu helfen. Am 18. April organisiert er in der Csello Mühle in Oslip das Charity-Rockkonzert „Back to the Future“ zugunsten des Sterntalerhofs. Im BVZ-Portrait erzählt er Nina Mayer seine bewegende Geschichte, die von Mut, Menschlichkeit und der Kraft, niemals aufzugeben, geprägt ist.
Der Siegendorfer Jochen „Sortsch“ Szorger versucht zu helfen, wo er kann. Trotz oder wegen eines eigenen schweren Schicksalsschlags bemüht er sich anderen immer eine helfende Hand zu reichen, Freude in deren Leben zu bringen. Unter anderem gelingt ihm das mit Musik.
© Nina Mayer
Es gibt Menschen, die das Leben nicht einfach hinnehmen, sondern es mit aller Kraft und Liebe, die ihn ihnen steckt, neu formen. Jochen Szorger, von allen nur „Sortsch“ genannt, ist so ein Mensch. Einer, der erfahren musste, wie zerbrechlich alles ist. Und der gerade deshalb beschlossen hat, anderen Halt zu geben.
Geboren 1974, aufgewachsen in Siegendorf, führte ihn sein Weg nach der Matura zur Wiener Polizeischule. Es folgten Jahre bei der WEGA, später, ab 2005, bei der Cobra in Wien. Ein Leben im Dienst, geprägt von Einsatz, Mut und Verantwortung. Einer, der da war, wenn andere Hilfe brauchten.
Doch das Leben hält sich nicht an Drehbücher. Mai 2010. Bangkok. Die Stadt steht unter Spannung, die Kluft zwischen Arm und Reich ist sichtbar wie nie zuvor. Rothemden demonstrieren, die Lage ist angespannt, fast bürgerkriegsähnlich. Und mitten in diesem Ausnahmezustand ein Moment, der eigentlich keiner ist: ein Griff zur Flasche, um den Durst zu stillen. Sekunden später verstummt die Welt. Worte verschwinden. Der Körper versagt. Jochen Szorger bricht zusammen.
Erst im dritten Krankenhaus wird erkannt, was geschehen ist: ein Schlaganfall, ausgelöst durch einen Trainingsunfall Wochen zuvor. Die Diagnose ist ein Schnitt durch ein Leben: Sprache weg, eine Körperhälfte gelähmt. Nichts ist mehr so wie es war.
Zurück in Österreich beginnt ein Kampf, der leise ist und gerade deshalb so gewaltig. Vier Jahre Therapie. Vier Jahre Zweifel, Rückschläge, kleine Siege. „Die Therapie ist jetzt mein Job“, sagt Sortsch. Und wer ihn kennt, weiß: Wenn er einen Job annimmt, dann richtig.
Was ihn trägt, ist seine Familie. Und etwas, das man nicht lernen kann: sein Humor. Eine Geschichte erzählt davon vielleicht mehr als jede Beschreibung. Als er beginnt, wieder sprechen zu lernen, arbeitet er mit einer Schweizer Logopädin. Hochdeutsch spricht sie. Zu korrekt für einen aus Siegendorf.
Also macht Sortsch ihr, zunächst ohne Worte, klar: So geht das nicht! Wenn er schon zurückkommt, dann im Dialekt. Im Burgenländischen. In seiner Sprache. Die Therapeutin nimmt die Herausforderung an. Innerhalb weniger Tage eignet sie sich den Dialekt an, den Jochen „Sortsch“ Szorger zu sprechen gewohnt war. Ein kleines Wunder, das zeigt: Heilung passiert nicht nur im Körper, sondern auch im Herzen.
Der Weg zurück ins Leben ist kein einfacher. In den alten Beruf kann er nicht mehr zurückkehren. Doch Stillstand ist für Sortsch keine Option. „Ich kann doch nicht einfach nur zu Hause sitzen“, sagt er, nachdem er pensioniert wurde und macht weiter.
Sozial eingestellt war er schon immer, deshalb engagiert er sich bei der Feuerwehr, fährt zu Einsätzen mit, kümmert sich bei Unfällen um Absperrungen und Umleitung - schließlich hat er das in seinem Job gelernt. Außerdem wartet er die Sirenen. Tut das, was er immer getan hat: helfen.
Und er entdeckt eine neue Bühne für sich: den Sport. Im „Burgenländischen Behindertensportverein“ suchte er nach Möglichkeiten, Sport zu betreiben und fand sie im Schießsport. Mit Disziplin, Ehrgeiz und unglaublicher Konsequenz arbeitete er sich nach vorne.
Der Lohn: Staatsmeistertitel mit der Luftpistole in der „Schnellen Serie“, dazu ein zweiter Platz im Bewerb „Einzelschuss“. Als die burgenländische Landeshymne erklang und er die Fahne halten durfte, erfüllte das Sortsch mit Stolz, aber auch mit viel Demut. Mit dabei seine drei Mädels: seine Frau Claudia, mit der er seit 31 Jahren durchs Leben geht, und seine beiden erwachsenen Töchter.
Schon in den 90er-Jahren war Sortsch Schlagzeuger der Band „Fischhalle“, Teil einer lebendigen Heavy-Metal-Szene. Als diese langsam verschwand, wollte er das nicht akzeptieren. 2003 organisierte er das erste „Back to the Future“-Konzert in der Cselley Mühle. Sechs Bands, über 1000 Besucher, eine Nacht voller Energie, Sortsch als Drummer mit dabei. Das große Ziel: Helfen! Ein Jahr später folgte Teil zwei. Dann kam die Pause. Zum Teil erzwungen.
Doch Ideen sterben niemals, wenn sie echt sind. Im Jahr 2023 fasst Sortsch einen neuen Entschluss: „Ich kann vielleicht nicht mehr Schlagzeug spielen, aber ich kann organisieren.“ Und so kehrt „Back to the Future“ zurück. Stärker als je zuvor. Mit einem klaren Ziel: Gutes tun. Teil 3 fand 2024 statt.
Am 18. April 2026 wird die Reihe mit „Back to the Future 4“ fortgesetzt. Der Erlös geht an den Sterntalerhof – einen Ort, der kaum in Worte zu fassen ist. Ein Kinderhospiz, das Familien auffängt, wenn das Leben aus der Bahn gerät. Hier geht es nicht nur um medizinische Betreuung, sondern um Zeit. Um Nähe. Um das, was wirklich zählt, wenn alles andere unwichtig wird.
Kinder mit lebensverkürzenden Erkrankungen und ihre Familien finden hier einen Raum, in dem sie nicht kämpfen müssen, sondern einfach sein dürfen. Mit Würde. Mit Liebe. Mit Momenten, die bleiben.
Dass Sortsch genau dafür sammelt, ist kein Zufall. Wer selbst erlebt hat, wie schnell sich alles verändern kann, weiß, wie kostbar jeder einzelne Tag ist. Mit seinem Verein „Pannonia Rock Aid“ hat er eine Plattform geschaffen, um genau das zu tun: helfen. Unkompliziert, ehrlich, mit Herz. Musik als Brücke, als Kraftquelle, als Hoffnungsträger.
Auf der Bühne stehen diesmal „J&M“, „Marauder“, „Mcbeth“, „Weak of Spirit“, „The Unknown Man“ und „Brian“. Und als besonderes Highlight wartet vor dem Konzert ein echter DeLorean – eine Zeitmaschine auf vier Rädern, die perfekt zum Gedanken passt: zurückblicken, um nach vorne zu gehen.
Wenn Sortsch irgendwo auftaucht, sagen die Menschen: „Jetzt kommt gute Stimmung.“ Das war immer so. Ein Sonnenschein, ein weiches Herz und die Bereitschaft, für andere da zu sein.
Es ist genau das, was Menschsein im Kern bedeutet: nicht nur für sich selbst zu leben, sondern den Blick zu heben und den anderen zu sehen. In einer Welt, die oft laut ist, schnell und voller Erwartungen, sind es die leisen Gesten, die wirklich zählen. Ein Dasein. Ein Zuhören. Ein Helfen, ohne zu fragen, was man dafür bekommt.
Am Ende sind es nicht die Erfolge, die bleiben, nicht die Titel oder das, was wir besitzen. Es sind die Momente, in denen wir füreinander da waren. Wenn ein Mensch einem anderen die Hand reicht, entsteht etwas, das größer ist als wir selbst: Verbindung. Wärme. Sinn. Vielleicht ist genau die Antwort auf so vieles, die, dass wir einander brauchen. Dass wir einander tragen können. Und dass jeder von uns die Möglichkeit hat, für jemand anderen ein kleines Licht zu sein, wenn es dunkel wird.
Die Lebensgeschichte von Sortsch ist keine über Krankheit. Sie ist eine über Haltung. Über Mut. Über die Entscheidung, sich nicht unterkriegen zu lassen, stattdessen andere aufzurichten. Seit einem Jahr spielt er wieder selbst Schlagzeug. Für seine Bedürfnisse hat er es umgebaut, damit es für einen „Half-Side-Drummer“ passt, wie er schmunzelnd erzählt.
Was bleibt, ist Bewunderung. Und Dankbarkeit. Für einen, der nicht fragt, warum das Leben so spielt, wie es spielt, sondern daraus etwas macht, das anderen Hoffnung gibt. Ein Sonnenschein. Ein Kämpfer. Ein Mensch. Und einer, der zeigt, was wirklich zählt.
Rock on, Sortsch!