Kinder in schwierigen Situationen finden in einer neuen Betreuungsstelle von SOS Kinderdorf in Eisenstadt ein stärkendes pädagogisches Angebot.
Julius Koller – Spuren aus Klang und Menschlichkeit
Portrait
Schon früh war klar: Julius Koller trägt Musik nicht nur im Ohr, sondern im Herzen.Vom burgenländischen Stegersbach bis in große Konzertsäle spannt sich sein Weg – geprägt von Demut, Begeisterung und pädagogischer Leidenschaft. Als Komponist, Musiker und Lehrer hat er Generationen berührt. Nun hat er neben dem Großen Ehrenzeichen des Burgenlandes auch die Kleine Haydnmedaille in Gold verliehen bekommen. Blicken wir auf das Leben des Maestros, das Melodien erzählt, die bleiben.
Nina Mayer gratuliert ihrem früheren Musikprofessor Julius Koller zur Uraufführung seines Werkes „Ein Tag in Eisenstadt“ im Schloss Esterházy.
© Nina Mayer
Manchmal scheint es, als würde ein Mensch schon mit seinem ersten Atemzug einen inneren Rhythmus mitbringen. Bei Julius Koller war dieser Rhythmus von Anfang an Musik. Geboren am 26. Februar 1950 in Stegersbach, als ältestes von fünf Kindern, wuchs er in einem bodenständigen Elternhaus auf. Der Vater war Schlossermeister und Eisenhändler, die Mutter Irene ein ruhender Pol. Vielleicht war es gerade diese Erdung, die dem späteren Komponisten jene Demut schenkte, die ihn bis heute begleitet.
Als Fisch im Tierkreiszeichen trug Julius das Künstlerische im Blut. Mit zehn Jahren spielte er ernsthaft mit dem Gedanken, Priester zu werden – eine Berufung, die viel mit Berufung im Innersten zu tun hat. Doch ebenso früh wusste er, dass ein bestimmtes Gebot für ihn nur sehr schwer einzuhalten wäre. Also wurde es nicht die Kanzel, sondern der Notenständer.
Mit nur zehn Jahren verließ er Stegersbach und zog nach Eisenstadt, um das Gymnasium zu besuchen. Er wohnte im Bundeskonvikt, in einem 16-Bett-Zimmer, voller Stimmen, Lachen und Leben. Heimweh? Nein. Zu viel geschah. Sport bestimmte den Alltag ebenso wie Musik: Landeswettkämpfe im Laufen, die von Goldmedaillen geadelt wurden, Bewegung als Ausgleich zum inneren Klang. Und doch war es die Musik, die ihm die neue Welt eröffnete.
Ein Bild hat sich ihm unauslöschlich eingeprägt: Julius steht mit seiner Mutter am Brunnen in Stegersbach und erzählt begeistert vom Musikunterricht bei Herrn Prof. Otto Strobl. Diese Begeisterung war ansteckend und sie sollte bleiben.
Viele Lehrer prägten ihn: Herr Prof. Höfer, der eine Blasmusikkapelle aufbaute und Julius an die Posaune ließ, Frau Prof. Sideritsch, die ihm mit großer Einfühlsamkeit die Welt des Klaviers eröffnete. Sie spielte ihm Stücke vor, fragte nach seinem Geschmack und holte die Noten für Werke wie den „Blumenwalzer“ und „Für Elise“ eigens aus Wien. Das Klavier wurde ein lebenslanger Begleiter. Ein besonders schönes Exemplar steht in Julius Kollers Haus in Großhöflein.
Abends, wenn im Konvikt langsam Ruhe einkehrte, hörte Julius eine Etage tiefer Herrn Prof. Mirtl „Blue Moon“ proben. Musik war überall, auch im Schloss Esterházy, wo er schon als Kind auftreten durfte. Ehrfürchtig schritt er durch die Hallen, und diese Dankbarkeit, auf den Spuren Joseph Haydns wandeln zu dürfen, ist bis heute Teil seines Wesens.
Nach der Matura folgte ein Jahr bei der Militärmusik, wo Julius Tuba und Posaune spielte. Dann Wien: Studium der „Musikpädagogik“ an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst, dazu „Geschichte“ an der Universität Wien. 1975 schloss er als Magister philosophiae ab. Bald darauf kehrte er zurück – als Lehrer an jenes Gymnasium in Eisenstadt, das er selbst besucht hatte. Seine Schüler liebten ihn. „Den Jussi“ hatte man einfach gern. Weil er Musik nicht erklärte, sondern lebte.
Parallel dazu entfaltete sich sein kompositorisches Schaffen. Chorwerke, Bläserstücke, Orchesterwerke – stets getragen von Melodie, Rhythmus und Nähe zum Menschen. In St. Margarethen leitete er über zwei Jahrzehnte den Passionsspielchor, gründete Jugendchöre, sang selbst immer wieder mit. Er schrieb Lieder wie „Geh, und gehst du vorbei“ oder „Pflück dir eine Freude ab“ – Titel, die mehr sind als Worte.
Seine Musicalaufführungen wurden zu Publikumserfolgen: „Jesus Christ Superstar“ im Jahr 1978 wurde zum großen Hit, aufgeführt im Festsaal des Gymnasiums Eisenstadt, später gespielt im Salzburger Mozarteum und in Vorarlberg. 1982 folgte „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“ und 1985 das Rockmusical „Fata Morgana“. Auch eine Messe stammt aus seiner Feder: „Du bist der Herr der Zeit“.
1998 wurde Julius Koller Fachinspektor für Musikerziehung im Burgenland. Mit Stolz begleitete er die musikalische Entwicklung des Landes, förderte Lehrerinnen und Lehrer, Schulen und Projekte. Zahlreiche Auszeichnungen würdigten sein Wirken: vom Großen Ehrenzeichen des Burgenlandes bis zur Kleinen Haydnmedaille in Gold, die er vor wenigen Wochen überreicht bekam.
Ein besonderer Kreis schloss sich mit dem Werk „Ein Tag in Eisenstadt“, uraufgeführt am 7. Dezember 2025 im Haydnsaal des Schlosses Esterházy. Sinfonische Programmmusik, die vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang durch die Stadt führt: Morgensignale der Dombastei, Otto Strobls „Morgensonne“, Klänge von Gregor Joseph Werner aus dem Dom, Haydns und Hummels Trompetenkonzert aus dem Schloss, ungarische Volksweisen beim Lisztdenkmal. Ein Tag, vertont als Liebeserklärung.
Für den stillen Schluss dieses Werkes ist Anneliese mitverantwortlich – seine Ehefrau, aus der Klavierbauerdynastie Heitzmann. Sie ist Inspiration und sanftes Korrektiv zugleich. Wo der Maestro seinen „Tag in Eisenstadt“ pompös enden wollte, erinnerte sie daran, dass ein Tag ruhig beginnen und enden darf. Der Beifall war groß und sehr verdient.
Heute, im Ruhestand, komponiert Julius Koller mehr denn je. Sein Leben klingt nach: in Chören, Konzertsälen, Klassenzimmern und Herzen. Und vielleicht ist das seine größte Kunst: Musik nicht nur zu schreiben, sondern weiterzugeben. Wie eine Melodie, die bleibt.