Eisenstadt-Rundgang mit ein bisschen Hollywood-Flair

Stadtführung

Man feiert „100 Jahre Landeshauptstadt Eisenstadt“. Grund genug, Interessierten Rundgänge anzubieten, um Geschichten hinter den Geschichten zu erfahren. Am Samstag zu Mittag führte Gisela Spatzierer, ihres Zeichens Austrian Guide, eine Gruppe durch die Innenstadt und sorgte mit ihrer erfrischenden Art für viele „Aha“-Erlebnisse.

Von Nina Mayer

Bei strahlendem Sonnenschein startete der von Gisela Spatzierer geführte Rundgang beim Tourismusbüro. Großes Interesse an der Eisenstädter Geschichte herrschte unter den wissbegierigen Teilnehmern.

Bei strahlendem Sonnenschein startete der von Gisela Spatzierer geführte Rundgang beim Tourismusbüro. Großes Interesse an der Eisenstädter Geschichte herrschte unter den wissbegierigen Teilnehmern.

© Nina Mayer

Gisela Spatzierer ist staatlich geprüfte Fremdenführerin und Eisenstädterin mit Leib und Seele. Ihr ist es ein Anliegen historisches Wissen weiterzugeben, um es zu erhalten. Beim Jubiläums-Rundgang anlässlich der „100 Jahre Landeshauptstadt“-Feierlichkeiten erzählte sie zum Beispiel, warum im Jahre 1925 die Wahl auf Eisenstadt als Landeshauptstadt fiel.

Das lag nämlich unter anderem auch daran, dass Eisenstadt damals schon gepflasterte Straßen hatte - etwas Seltenes in der damaligen Zeit - und man höre und staune im Jahre 1900 schon elektrische Straßenbeleuchtung. Nicht einmal Wien konnte diese Modernität aufweisen.

Der Weg der Stadtführung führte vorbei am ehemaligen Hotel „Zum goldenen Adler“ der Familie Eder, damals das erste Hotel am Platz und weiter zum Gebäude, in dem sich jetzt der Optiker „Oswald“ befindet. Dort staunte man schon ein bisserl ehrfürchtig, als Frau Spatzierer mitteilte, dass im ersten Stock einst Josef Haydn residierte.

Ein „Aha“-Erlebnis bei den wissbegierigen Teilnehmern war auch die Erklärung, warum Eisenstadt eigentlich den Namen Eisenstadt trägt. Die Betitelung leitet sich nämlich von der Stadtmauer ab. Das damalige Credo: „Die Stadt möge eisern und uneinnehmbar sein.“

Für die meisten Lacher sorgte aber folgende wenig bekannte Geschichte, welche die Fremdenführerin vor dem ehemaligen Bezirksgericht zum Besten gab: Man schrieb das Jahr 1950. Im Eisenstädter Bezirksgericht stand ein ganz besonderer Fall an der Tagesordnung. Eine Ehe wurde für ungültig erklärt. Aber nicht irgendeine. Es war die des berühmten Filmregisseurs Roberto Rosselini.

Die Gattin Rosselinis befand sich 1949 für zwei Wochen in Zillingtal und erreichte damit, dass sich das Gericht für ein Scheidungsverfahren in Eisenstadt als zuständig erklärte. Die ganze Welt blickte auf unsere Landeshauptstadt, internationale Sensationspressen berichteten vom „Scheidungsnirwana“.

Phantasiebegabte Burgenländer sahen im Geiste schon „lange Züge scheidungslustiger Ehepaare aus aller Herren Länder nach Eisenstadt ziehen, um sich aus der gegenwärtigen Hölle ihres Ehelebens zu befreien und neue Ketten, wenn auch aus Rosen geflochten, auf sich zu nehmen.“

Sehr amüsant war der Rundgang, man spazierte noch bei der Landesregierung vorbei, dem Dom und war begeistert von der Stadtvilla, die demnächst Eröffnung feiert.