Sachertorten-Verkostung im „Gut Purbach“

Süße Verbindung

Essen verbindet: so auch vor Kurzem in Max Stiegls „Gut Purbach“, wo eine Sachertorten-Verkostung Menschen aus unterschiedlichsten Professionen zusammenbrachte.

Von Sigrid Furtner-Janisch

Austausch. Die Bewertung verschiedenster Sachertorten, zu der Max Stiegl (r.) lud, regte diverse Gespräche unter den Verkostern an.

Austausch. Die Bewertung verschiedenster Sachertorten, zu der Max Stiegl (r.) lud, regte diverse Gespräche unter den Verkostern an.

© zVg

„Eine Sacher-Torte ist viel mehr als nur Mehl, Ei und Schokolade. Sie ist ein Stück gelebte Tradition, so wie unsere Grammelknödel oder der Sautanz. Aber Tradition darf niemals fad werden oder einstauben! Heute schauen wir der Tradition tief unter die Glasur“, mit diesen Worten lud Haubenkoch Max Stiegl vor Kurzem in sein Gasthaus „Gut Purbach“ zu einer kostenlosen Verkostung von Sachertorten ein – und brachte so unterschiedlichste Menschen zusammen.

Dabei wurden nicht nur Torten von Supermarktketten (also industriell gefertigte), sondern auch hausgemachte Torten von Zuckerbäckern, aber auch das Original verkostet. Über Online-Medien lud er auch Hobby-Bäcker ein, Torten zu backen und zur Verkostung vorbei zu bringen - kostenfrei. Auch die Verkoster konnten sich kostenfrei anmelden und stammten daher aus den verschiedensten Berufsgruppen, nicht nur aus der Gastronomie.

Regeln wie bei einer Blindverkostung

„Wir wollen wissen: Wo steckt noch echtes Handwerk drin und wo nur Marketing? Wir suchen den tiefen Kakao, die ehrliche Marille und eine Glasur, die so glänzt wie der Neusiedler See bei Sonnenschein. Wenn der Teig so staubt wie der Boden jenseits des Leithabergs im Hochsommer, dann hilft auch der bekannteste Name nix“, erklärt Max Stiegl.

Sachertorten-Verkostung im „Gut Purbach“

© zVg

Im Vorfeld erklärte er den Ablauf der Verkostung, nach welchen Kriterien beurteilt wird und worauf besonders zu achten ist. Die eingereichten Torten wurden drei Stunden auf 20 Grad temperiert, anschließend auf gleich aussehenden Tellern präsentiert – so gab es für alle die gleichen Grundvoraussetzungen und die Verkoster wussten nicht, welche Torte von welchem Hersteller stammte.

Geschmacksnoten von „handgemacht“ bis „Fließband“

Es wurde nach fünf Kriterien beurteilt: die Optik, der Korpus (also die Teig-Textur), die Glasur, die Fruchtkomponente und das Gesamterlebnis (die Harmonie der Bestandteile). Dabei konnten pro Kriterium insgesamt bis zu zehn Punkte vergeben werden. „Ein Punk heißt: ,Des hätte ma uns sparen können (ein Totalausfall)', zehn Punkte: ,Besser geht’s nimmer - Pannonische Perfektion'“, erklärte Max Stiegl das Punktesystem.

Als Abschluss des Fragebogens gab es noch den „Charakter-Check“: hier konnten die Jurymitglieder selbst angeben, ob die Torte „ehrlich handgemacht“ oder nach „seelenlos vom Fließband“ geschmeckt hat. „Das hilft zu verstehen, warum die Torte schmeckt oder warum sie vielleicht durchfällt“, so Stiegl.

Das Ergebnis war dabei eindeutig: die ersten fünf Plätze nahmen Torten von Zuckerbäckern beziehungsweise die hausgemachten Torten ein. Das „Original“ landete auf Platz sieben.