„Lesen ist eine Superkraft“: BVZ-Martini für Kurzwiese Eisenstadt

Talk der Woche

Das BG/BRG/BORG Eisenstadt wurde für sein Leseprojekt ausgezeichnet. Zwei Schülerinnen, die Direktorin und die betreuende Professorin erzählen, wie „Superkraft Lesen“ im Schulalltag wirkt.

Von Markus Kaiser

BVZ-Chefredakteur Markus Stefanitsch und BVZ-Eisenstadt Redaktionsleiter Markus Kaiser übergaben den BVZ-Martini in der Kategorie „Zukunft“ an die beiden Deutsch-Professorinnen Alexandra Scheibstock und Sanja Abramovic-Pelzelmayer sowie die Schülerinnen Janina und Emilia für ihr Projekt „Lesefächer“. Kurzwiese-Direktorin Petra Mayer und Bildungsdirektor Alfred Lehner gratulierten herzlich.

BVZ-Chefredakteur Markus Stefanitsch und BVZ-Eisenstadt Redaktionsleiter Markus Kaiser übergaben den BVZ-Martini in der Kategorie „Zukunft“ an die beiden Deutsch-Professorinnen Alexandra Scheibstock und Sanja Abramovic-Pelzelmayer sowie die Schülerinnen Janina und Emilia für ihr Projekt „Lesefächer“. Kurzwiese-Direktorin Petra Mayer und Bildungsdirektor Alfred Lehner gratulierten herzlich.

© Gregor Hafner

Das Projekt „FächerLesen mit dem LeseFächer“ am BG/BRG/BORG Eisenstadt stärkt das verstehende Lesen in allen Unterrichtsfächern der zweiten Klassen. Schülerinnen und Schüler gestalten den analogen Lesefächer selbst mit, entwickeln Erklärmaterialien und übernehmen als geschulte „Expertinnen und Experten“ sogar unterstützende Rollen im Unterricht. Durch den fächerübergreifenden Einsatz soll das bewusste Arbeiten mit Texten langfristig zur Routine werden. Der Lesefächer bleibt fix in der Federschachtel – und wird in den kommenden Jahren auf weitere Schulstufen ausgeweitet.

BVZ: Wie seid ihr als Schülerinnen mit dem Projekt in Berührung gekommen?

Emilia: Professorin Schreibstock hat mich gebeten, für jedes Unterrichtsfach eine passende Fee zu entwerfen. Ich fand das gleich spannend, weil wir kreativ arbeiten konnten. Mir ist wichtig, dass Lesen ein gemeinsames Thema ist – Lehrerinnen und Schüler als Team.

Janina: Ich habe beim Lesewettbewerb gewonnen, und Professorin Schreibstock hat mich darauf angesprochen. So bin ich eigentlich erst zum Projekt gekommen.

Welche Rolle spielt Lesen für euch?

Emilia: Für die Schule lese ich vor allem Sachtexte oder die vorgegebenen Bücher. Privat natürlich auch Harry Potter. Und ich mag ausschließlich gedruckte Bücher – Kindle oder E-Book kommt für mich nicht infrage.

Janina: Ich lese wirklich alles gern – Krimis, Jugendbücher, After Dark und ähnliche Reihen, die ein bisschen wie Gregs Tagebuch funktionieren. Ich gehe oft einfach zum Thalia, um zu stöbern.

Habt ihr einen E-Reader oder bevorzugt ihr das gute, alte Papier?

Janina: Wir mögen Bücher, Papier ist uns wichtig.

Lesen eure Freundinnen auch gerne Bücher, oder seid ihr da eher alleine?

Emilia: In meinem Freundeskreis sind die Zugänge ganz verschieden. Manche lesen viel, manche kaum. Aber ich finde es wichtig, dass man einander Dinge empfiehlt.

Janina: Ich habe eine Freundin, die gar nicht gern liest. Ich drücke ihr dann einfach Bücher in die Hand – und sie fragt sofort: ‚Hast du da auch den zweiten Teil?‘

„Lesen ist eine Superkraft“: BVZ-Martini für  Kurzwiese Eisenstadt

© Gregor Hafner

Wie kann man junge Menschen zum Lesen bringen?

Emilia: Einfach gute Bücher weiterempfehlen. Und die Filme zu Büchern anschauen – das motiviert oft zusätzlich.

Janina: Nicht aufgeben. Manchmal passt ein Buch einfach nicht zur Stimmung. Wenn man es später noch einmal probiert, ist es plötzlich super. Lesen kann Stress abbauen und tut einfach gut.

Frau Direktor, so ein Projekt gerade in der größten AHS des Landes zum Laufen zu bringen, ist gewiss nicht einfach gewesen?

Petra Mayer:Lesen ist wahnsinnig wichtig, weil man jungen Menschen damit so viel fürs spätere Leben mitgibt. Als ich von dem Projekt erfahren habe, war für mich sofort klar: Das müssen wir einreichen. Ich bin überzeugt, dass Lesen in jedem Gegenstand eine zentrale Rolle spielt.

Und Ja: Wir sind ein großes Haus, und so ein Projekt braucht engagierte Lehrerinnen und Lehrer. Davon lebt eine Schule.

Es heißt ja, die jungen Leute kleben nur noch am Handy, was ja nachweislich Gift für die Lesefähigkeit ist. Wie handhaben Sie das in der Kurzwiese?

Petra Mayer:Das Handyverbot ist ja im Lehrplan festgelegt, nicht festlegen - und damit das Problem einfach verbieten - kann man den Handykonsum außerhalb des Unterrichts. Aber genauso wichtig ist der Austausch miteinander und den können wir fördern. Unsere Schülerinnen und Schüler sind unsere Zukunft, und wir haben so viele großartige junge Menschen. Wir müssen fördern, dass die miteinander ins persönliche Gespräch kommen.

Was lesen Sie persönlich gerne - und wieso?

Petra Mayer:Privat lese ich meistens fünf bis sechs Bücher gleichzeitig – Krimis, Sachbücher, geopolitische Themen. Viel auf Englisch, ich bin ja Anglistin. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht zumindest eine Seite lese. Und dieses Kopfkino, genau das liebe ich: Wenn man laut lachen muss, wenn man sich gruselt, wenn man unbedingt wissen will, wie es weitergeht.

„Lesen ist eine Superkraft“: BVZ-Martini für  Kurzwiese Eisenstadt

© BVZ/Kaiser

Wie schaut es da bei euch aus: Lest ihr lieber moderne oder auch klassische Literatur?

Emilia: In der Schule lesen wir fast nur ältere Literatur. Da ist es schwerer, Begeisterung zu wecken. Ich wünsche mir mehr moderne Bücher.

Petra Mayer:Ich frage die Kinder oft nach Empfehlungen und hole mir Tipps bei ihnen. Moderne Literatur gehört in die Klassen. Natürlich sind Goethe und Kafka schwieriger zu lesen – aber teilweise unglaublich spannend. Der Mix ist wichtig.

Was sollen die Schülerinnen und Schüler fürs Leben mitnehmen?

Petra Mayer:Am wichtigsten ist, dass sie Freude am Lesen haben und ein Genre finden, das sie begeistert. Zum Ende der Schullaufbahn soll ihnen die Welt offenstehen. Ich beneide meine Maturantinnen und Maturanten manchmal – sie können in alle Richtungen gehen.

Wo wird es denn nach der Matura hingehen?

Janina: Ich bin mir noch nicht ganz sicher wegen der Studienwahl. Zuerst wäre ein Auslandsjahr mal toll.

Was ist die Rolle des Projekts für Sie ganz persönlich?

Alexandra Schreibstock:Der Begriff Superkraft Lesen kommt aus Deutschland und über das Ministerium zu uns – und es stimmt einfach. Lesen stärkt junge Menschen fürs Leben.

Der Lesefächer soll das verstehende Lesen fördern, so wie Kinder zuerst lernen müssen zu lernen. Uns war wichtig, dass die Schülerinnen den Fächer selbst gestalten – in Werken und Zeichnen wurde geschnitten, geheftet, entworfen. Dadurch entsteht persönlicher Wert.“

So ein Leseprojekt aufzusetzen klingt alles andere als einfach - können die Abläufe hinter den Kulissen beschreiben?

Alexandra Schreibstock: Wir haben zwei Jahre daran gearbeitet, mit sehr viel Beteiligung von Kolleginnen und Schülern. Es ist dann doch viel größer geworden, als wir anfangs gedacht hatten. Im Vorjahr haben wir in vier zweiten Klassen getestet, heuer in der dritten – und nächstes Jahr wieder in den zweiten Klassen. Langfristig wollen wir ein Leseprojekt für alle Unterstufenklassen: In der ersten Klasse zum Beispiel Tandem-Lesen, wo zwei Kinder gemeinsam an einem Text arbeiten.

Schule heißt auch: Was kann ich neben dem normalen Unterricht machen? Und dieses Projekt zeigt den Kindern, dass sie einen Beitrag leisten können. Sie waren irrsinnig stolz – erst recht, als sie den Preis gewonnen haben.“