„Er zwang mich, Job abzusagen“: Frau zeigte Ex-Freund an

Verlobung geplatzt

Ein 57-jähriger Mann, einst CEO, jetzt arbeitslos, steht vor Gericht, weil er seine um zehn Jahre jüngere Verlobte geschlagen und bedroht haben soll.

Von Elisabeth Kirchmeir

In einer Papiertasche hatte der Angeklagte jenes Bild mitgebracht, das seine Ex-Freundin zerstört hatte.

In einer Papiertasche hatte der Angeklagte jenes Bild mitgebracht, das seine Ex-Freundin zerstört hatte.

© BVZ/Kirchmeir

Gleich zu Prozessbeginn fand eine Rückgabe statt: Die Opfervertreterin überreichte dem Angeklagten den Verlobungsring, den dieser seiner Freundin geschenkt hatte. Die Hochzeit wird nicht stattfinden.

Viereinhalb Jahre hatten der Mann aus dem Bezirk Eisenstadt und die Niederösterreicherin eine Beziehung geführt. Kurz vor Weihnachten 2025 endete diese krachend, mit einem Polizeieinsatz.

„Eine so innige Liebe durfte ich vorher nie spüren“, sagte der Angeklagte am Dienstag, 28. April 2026, am Landesgericht Eisenstadt über die Frau, die ihn wegen Gewalttätigkeiten angezeigt hatte. Er bekannte sich nicht schuldig.

Angeklagter: „Keine Handgreiflichkeiten“

„Dynamisch“ sei die Beziehung gewesen, sagte der Angeklagte. „Jeder hat sein eigenes Haus, seine Kinder, seine Selbstständigkeit.“ Handgreiflichkeiten habe es nicht gegeben.

Im Dezember 2025 kriselte es schon, man sei „distanziert“ gewesen, habe aber dennoch den Kontakt gesucht. „Die Nabelschnur durchzuschneiden fiel uns nicht leicht“, formulierte es der Angeklagte. Bei einem Treffen am 19. Dezember 2025 erfuhr er, dass seine Verlobte eine Jobzusage bekommen hatte. „Ich war überrascht“, sagte der Angeklagte.

„Er beschimpfte mich, sagte, ich soll meine Sachen packen und gehen“, so die 48-jährige Ex-Freundin des Mannes. Sie sei in ihre Wohnung nach Niederösterreich gefahren, der Mann sei ihr in seinem Auto gefolgt. „Wie er bei mir ankam, sagte er, er sei über 200 gefahren“, so die Frau vor Gericht.

Opfer: „Er schlug mir fünf Mal ins Gesicht“

„Er fuhr volles Karacho in die Gasse, riss die Türe auf, packte mich an Haaren und Händen und schleuderte mich ins Vorzimmer“, so die Frau. Der Angeklagte habe eine Sektflasche genommen und damit aufgerieben. „Dann ging es los: Er hat mir fünf Mal mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen.“

Der Mann habe ihr gedroht, ihre Existenz zu ruinieren, wenn sie den Job antreten werde. Er werde sie auf der Plattform LinkedIn bloßstellen und über ihre Firmenmailadresse sensible Daten weitergeben. „Und er sagte, es ist ein Leichtes, meiner Tochter Drogen unterzujubeln. Wenn man das als Mutter hört, wird einem anders“, sagte die Ex-Verlobte des Angeklagten vor Gericht.

Am nächsten Tag fuhren beide ins Haus des Mannes im Bezirk Eisenstadt. Als der Angeklagte zu einer Episode kam, die sich dort ereignet haben soll, zog er ein Stethoskop aus der Tasche und legte sich den Gummischlauch um den Hals. „Sie zog den Schlauch zu, ich nahm ihn ihr weg“, so der Angeklagte. Er habe daraufhin alle Messer weggeräumt und die Ladekabel versteckt.

„Er drohte, dass die Maschinerie losgeht“

Die Frau habe ihm gezeigt, dass sie über WhatsApp eine Jobabsage verschickt habe. „Er zwang mich, den Job abzusagen“, sagte die Frau. „Er drohte mir, egal, wann ich anfange, dass die Maschinerie dann richtig losgeht.“

Am 21. Dezember 2025, immer noch im Haus des Angeklagten, kam es zum finalen Showdown. Die Frau schilderte eine Szene, in der sich der Mann eine Schrotflinte in den Mund gesteckt haben soll.

Nach einem Spaziergang sei sie wieder zurückgekehrt „Ich sagte, ich kann so nicht weiterleben, werde ihn nicht heiraten“, so die Frau vor Gericht. Sie habe ein Bild von der Wand genommen, das sie selbst gemalt und ihrem Freund geschenkt hatte.

Angeklagter zeigte zerfetztes Bild

Zuvor hatte während seiner Befragung der Angeklagte das Bild als Corpus delicti aus einer Papiertasche gezogen. Er hob die zerfetzte rosa Leinwand hoch über seinen Kopf. „Sie schlug es sich mehrmals aufs Knie“, berichtete der Angeklagte.

Sie habe nach dem Sohn des Angeklagten gerufen, dieser habe den Vater aufgefordert, das Haus zu verlassen. Dann habe der Sohn die Polizei gerufen. „Er sagte, es seien vier Waffen im Haus“, so die Frau. „Es dauerte zehn Minuten, bis acht schwerbewaffnete Polizisten vor der Tür standen.“

„Sie schrie: Erschieß mich!“

„Sie schrie: Erschieß mich! Und rief dann meinen Sohn: Der Papa will mich erschießen“, erinnerte sich der Angeklagte an einen anderen Ablauf. Der Sohn habe „deeskalierend“ gewirkt, er sei mit kurzer Hose und T-Shirt im Freien gestanden und habe in der Garage Zuflucht gesucht.

„War eine Waffe im Spiel?“, fragte die Richterin. „Ohne Munition“, antwortete der Angeklagte.

Ihr Verlobter sei mit erhobenen Händen aus der Garage gekommen, berichtete die Frau. Der Sohn habe der Polizei Kokain ausgehändigt, das sich in der Wohnung befunden habe. In Anwesenheit der Polizei soll der Angeklagte dann seiner Ex-Freundin zweimal mit der Geste des Halsabschneidens gedroht haben.

Der Prozess wurde vertagt.