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Wulkaprodersdorfer Brandstifter muss in Anstalt
Wegen Pyromanie
Elf Brände hatte ein 31-jähriger Wulkaprodersdorfer innerhalb von acht Tagen im Juli 2023 in seiner Heimatgemeinde gelegt. Jetzt wurde der Mann zu 4,5 Jahren Haft verurteilt und in eine Anstalt eingewiesen.
Der 31-jährige Brandstifter zeigte sich mit der Einweisung in eine Therapieeinrichtung einverstanden.
© BVZ/Kirchmeir
Rund eine Woche lang hatte der vorbestrafte 31-Jährige die Bevölkerung von Wulkaprodersdorf in Angst versetzt. Fast täglich musste die Feuerwehr zu gelegten Bränden ausrücken, an manchen Abenden brannte es sogar mehrmals.
Dank aufmerksamer Zeugen konnte der Familienvater schließlich am 22. Juli 2023 verhaftet werden, als er gerade dabei war, neuerlich Strohballen anzuzünden.
Am 9. Februar 2024 musste sich der Brandstifter vor einem Schöffensenat verantworten. Er bekannte sich reumütig schuldig.
Brandserie begann mit angezündeten Kleeballen
Die Brandserie hatte am 14. Juli 2023 begonnen. An diesem Tag zündete der 31-Jährige 30 Kleeballen an. Am 19. Juli setzte der Brandstifter eine stillgelegte Tischlerei in Wulkaprodersdorf in Brand, die bis auf die Grundmauern niederbrannte.
Der 31-Jährige legte auch an Brennholzstapeln Feuer, zündete drei Bücher in einer zum Bücherdepot umgebauten Telefonzelle an, setzte Strohballen, einen Holzzaun und ein abgemähtes Stoppelfeld in Brand.
Bei einigen Bränden handelte es sich, wie die Staatsanwältin erklärte, um Feuersbrünste. Das sind ausgedehnte Brände, die mit den üblichen Mitteln nicht mehr beherrschbar oder bei denen mehrere Personen gefährdet sind.
Niedergebrannte Tischlerei nahe dem eigenen Wohnhaus
Durch die Brandlegung bei der alten Tischlerei gefährdete der Angeklagte sogar sich selbst und seine Familie: Das Gebäude befand sich nur wenige Meter von seinem eigenen Wohnhaus entfernt. Das Brandgeschehen war kaum beherrschbar, nur durch das rasche Eingreifen der Feuerwehr konnte ein Übergreifen auf benachbarte Gebäude verhindert werden.
Vor dem Schöffensenat bekannte sich der 31-Jährige schuldig. Er habe eine schwere Kindheit gehabt, sei vom Stiefvater misshandelt und geschlagen worden.
Zwei Vorstrafen sind im Strafregister des Mannes eingetragen: 2015 war er wegen Sachbeschädigungen an Fahrzeugen verurteilt worden, 2021 erhielt er drei Jahre Haft, weil er eine Frau sexuell missbraucht hatte, als diese noch ein Kind war, und im Jänner 2021 neuerlich versucht hatte, die mittlerweile erwachsene Frau zu vergewaltigen.
Brandserie sechs Monate nach der Enthaftung
Aus dieser Haft wurde der Wulkaprodersdorfer am 14. Jänner 2023 bedingt entlassen. Ein Jahr Haft ist noch offen.
Exakt sechs Monate später legte der Mann den ersten Brand.

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„Ich war überfordert mit Schwiegermutter, Frau und den zwei Kindern. Ich habe es mir nach der Entlassung leichter vorgestellt“, sagte der Angeklagte.
„Was treibt Sie an?“, wollte Richterin Karin Knöchl wissen.
„Es war wie im Rausch“, sagte der Angeklagte.
12 bis 14 Flaschen Bier täglich
Obwohl er sein Alkoholproblem kannte, habe er bald nach der Haftentlassung wieder begonnen, Bier zu trinken. Zwölf bis 14 Flaschen waren es zuletzt täglich, hatte er gegenüber einem Sachverständigen angegeben.
1,5 Promille wurden bei dem Brandstifter bei seiner Verhaftung gemessen.
Der Gesamtschaden liegt bei zirka 80.000 bis 90.000 Euro.
„War es der Kick, ein Feuer zu sehen?“, fragte die Richterin.
„Eher, dass man nicht erwischt wird“, erklärte der Angeklagte. Durch die Brandstiftungen habe er „Druck abgebaut“.
Brandstifter erlebte „Kick“ und „Faszination des Feuers“
„Kam es auf die Größe des Feuers an?“, fragte die Richterin.
„Ja“, bestätigte der Angeklagte.
„War es eher die Faszination des Feuers oder die Wut auf die Welt?“, wollte Gerichtspräsident Karl Mitterhöfer wissen.
„Eher die Faszination des Feuers“, antwortete der Angeklagte.
Auf seinem Handy hatte die Polizei Fotos und Videos zum Thema Feuer gefunden.
„Fühlten Sie sich durch den Alkohol enthemmt?“, fragte Verteidiger Florian Astl.
„Ja, schon“, antwortete der Angeklagte.
Gutachter stellte Pyromanie fest
Der Alkohol war aber nicht das einzige Problem. Ein Sachverständigengutachten kam zu dem Schluss, dass der 31-Jährige unter Pyromanie leidet, also unter dem krankhaften Zwang, Brände zu legen. Zum Tatzeitpunkt war der Angeklagte laut Gutachter jedes Mal zurechnungsfähig. Es bestehe die Gefahr, dass er in Freiheit weitere Straftaten mit schwerwiegenden Folgen begehen könnte.
Persönlich entschuldigte sich der Angeklagte im Gerichtssaal bei Feuerwehrmann Sascha Baumgartner und einem Wulkaprodersdorfer Landwirt für seine Taten. Er gab auch zu Protokoll, dass er sich „bei allen Geschädigten und dem ganzen Ort entschuldigen“ wolle.
4,5 Jahre Haft und Einweisung in Therapie-Zentrum
Der 31-Jährige wurde zu 4,5 Jahren unbedingter Haft verurteilt. Außerdem wurde er in ein forensisch-therapeutisches Zentrum eingewiesen.
Das sichergestellte Tatwerkzeug, ein rosa Bic-Feuerzeug, wurde konfisziert.
Angeklagter und Staatsanwältin akzeptierten das Urteil, dieses ist rechtkräftig.
Feuerwehrmann: „Habe meine Arbeit gemacht“

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Auf die Zeugeneinvernahme von Feuerwehrmann Sascha Baumgartner war vor Gericht wegen des Geständnisses des Angeklagten verzichtet worden. Gegenüber der BVZ sagte der Feuerwehrmann, der im Juli 2023 als Kommandant-Stellvertreter in Abwesenheit des Feuerwehrkommandanten die Einsatzleitung bei den Löscharbeiten übernommen hatte: „Ich habe meine Arbeit als Feuerwehr-Einsatzleiter gemacht.“
An Spekulationen über den mutmaßlichen Brandleger habe er sich damals nicht beteiligt, im Ort sei aber „in alle Richtungen“ überlegt worden.
Die Bevölkerung sei sehr angespannt gewesen, zumal man nicht wusste, wen es als nächtes treffen konnte.
Bei den größeren Bränden mussten zusätzliche Feuerwehren zur Unterstützung angefordert werden. Neben der Feuerwehr Wulkaprodersdorf waren auch die Feuerwehren Eisenstadt, Siegendorf, Klingenbach und Rust im Einsatz. Bis zu 80 Feuerwehrleute mussten wegen der Brandlegungen ausrücken.
Die Erleichterung war groß, als der Brandstifter gefasst worden war. Seither habe sich eine ähnliche Tatserie nicht mehr ereignet, so Baumgartner.