Zwischen Titelkampf und Krisengipfel
2. Klasse Nord
Während Sigleß und Breitenbrunn um die Tabellenspitze ringen, wollen Zagersdorf und Schützen den Frühjahrs-Fluch brechen.
Halbes Dutzend. Kevin Zsolt Vicz (l.) und der UFC Schützen holten sich in Mörbisch (r. Julian Martschitz) eine 0:6-Schleife ab.
© Johannes Götzinger
Wenn der verletzungsgeplagte Tabellenzweite SV Sigleß den Spitzenreiter SC Breitenbrunn zum Tanz bittet (Freitag, 19:30 Uhr), knistert die Luft. Nur ein einziger Punkt trennt die beiden Kontrahenten aktuell voneinander, weshalb der Sieger dieses direkten Duells einen gewaltigen Schritt in Richtung Meistertitel machen wird. Wie brisant diese Paarung ist, zeigte bereits das erste Aufeinandertreffen im Herbst. Breitenbrunn siegte damals mit 3:1 in einer Partie, die am Ende völlig eskalierte und mit gleich drei Roten Karten in die Geschichtsbücher einging. Sigleß-Sektionsleiter Peter Zistler erinnert sich noch gut an den bitteren Nachmittag: „Es war sicher ein Spiel auf Augenhöhe, wo wir uns selbst geschlagen haben durch ein Elfergeschenk und ein Eigentor.“ Breitenbrunns Spielertrainer Gerhard Karner zieht daraus hingegen viel Kraft und strotzt vor Selbstvertrauen: „Trotz einiger Ausfälle haben wir das Hinspiel gewonnen und wir wollen auch dort auf drei Punkte spielen!“
Während die Gäste voll auf Sieg gepolt sind, mischt sich bei den Gastgebern aus Sigleß die Freude über die zurückgewonnene Form – zuletzt gab es einen 6:0-Kantersieg gegen Zagersdorf. Das Lazarett ist prall gefüllt und trifft die Mannschaft ins Mark. Laut Zistler gibt es einen „herben Rückschlag im Titelkampf“, denn mit Peter Bösze (Operation) und Sven Köhler (Muskelriss) fallen zwei Stützen wohl für den Rest der Saison aus. Zudem fehlt Stefan Vondraus beruflich und der Einsatz von Sebastian Weinberger wackelt gehörig. Zistler schiebt die Favoritenrolle daher ganz bewusst nach Breitenbrunn, warnt den Tabellenführer aber zeitgleich: „Wir haben zu Hause das Punktemaximum geholt, daher ist sicher einiges möglich. Die Mannschaft, die am Platz steht, wird brennen.“ Aufgrund der angespannten Personalsituation geht Breitenbrunn auf dem Papier zwar leicht favorisiert in das Spitzenspiel, doch die makellose Heimbilanz der Sigleßer und der enorme Charakter der Mannschaft werden dieses Duell zu einem packenden Kampf auf Biegen und Brechen machen.
Während es an der Spitze um die Meisterschaft geht, kämpfen im Tabellenmittelfeld der UFC Schützen und der SC Zagersdorf (Samstag, 16:30 Uhr) um die ersehnte sportliche Befreiung. Beide Teams konnten in der Rückrunde bislang keinen einzigen Sieg einfahren, weshalb an diesem Wochenende das Motto „Verlieren verboten“ herrscht. Dass Schützen prinzipiell weiß, wie man gegen diesen Gegner dominiert, bewiesen sie im Hinspiel: Der UFC überrollte Zagersdorf in den ersten 45 Minuten förmlich und ging mit einem satten 4:0 in die Kabine. Zagersdorf bewies nach dem Seitenwechsel jedoch große Moral und kämpfte sich durch Tore von Jonas Engelschall und Fabian Widlhofer immerhin noch auf ein 2:4 heran.
Genau diese eiserne Moral bereitet Schützens Trainer Michael Szorger auch vor dem Rückspiel großen Respekt. Er weiß: „Zagersdorf hat nicht die Superstars der Liga, aber was sie in jeder Partie machen, ist, dass sie bis zum Schlusspfiff kämpfen und alles reinhauen.“ Für Szorger wird das erneute Aufeinandertreffen ein reiner Abnutzungskampf, bei dem vor allem die Einstellung entscheiden wird. Er fordert von seinen Spielern mehr denn je, dass sie Charakter zeigen und als geschlossene Einheit auftreten. Mut macht ihm dabei die Rückkehr von gleich drei „Mentalitätsspielern“, darunter Armin Streller und Kapitän Raphael Kölbl. Auf der Gegenseite bereitet sich Zagersdorfs Trainer Gerald Gollubics derweil auf eine echte Wundertüte vor: „Es wird ein schwieriges Spiel, weil man bei Schützen nicht weiß, welche Spieler sie zur Verfügung haben werden. Deshalb kann man nicht absehen, gegen wen man spielen wird.“ Immerhin entspannt sich aber auch bei Zagersdorf die personelle Lage ein wenig, da einige gesperrte und verletzte Akteure in den Kader zurückkehren.
Letztlich stehen beide Teams enorm unter Druck, doch Schützen dürfte mit den zurückkehrenden Führungsspielern fußballerisch leichte Vorteile haben. Wenn sie Zagersdorfs Kampfgeist von der ersten Minute an matchen können, stehen die Chancen auf einen erlösenden Heimsieg gut.