Andau gedenkt der Flucht von 1956 und eröffnet Gedenkplattform

70 Jahre Brücke von Andau

Mit einer österreichisch-ungarischen Gedenkfeier wurde am Samstag an der Brücke von Andau an den Ungarischen Volksaufstand vor 70 Jahren erinnert. Im Mittelpunkt standen die Flucht tausender Menschen und die große Hilfsbereitschaft der Bevölkerung.

Von BVZ Redaktion

Andau gedenkt der Flucht von 1956 und eröffnet Gedenkplattform

© Klaus Zwinger

Anlässlich des 70. Jahrestages des Ungarischen Volksaufstandes kamen am Samstag, 17. Oktober, Vertreterinnen und Vertreter aus Österreich und Ungarn an der Brücke von Andau zusammen. Sie gedachten jener Menschen, die 1956 nach der Niederschlagung des Aufstandes ihre Heimat verlassen mussten und über Andau nach Österreich flohen. Neben den historischen Ereignissen rückte die Feier vor allem die Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft in den Mittelpunkt, die den Flüchtenden damals entgegengebracht wurden. Dabei waren zahlreiche Ehrengäste, darunter Landeshauptmannstellvertreterin Anja Haider-Wallner, Landesrätin Daniela Winkler, die ungarische Botschafterin in Österreich, Edit Szilágyiné Bátorfi, die österreichische Botschafterin in Ungarn, Astrid Harz, die Zeitzeugen Robert Kaitan und Magdolna Bösze sowie der Bürgermeister der ungarischen Nachbargemeinde Osli.

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Ein Ort von Flucht und Hilfsbereitschaft

Im Herbst 1956 flohen mehr als 200.000 Menschen aus Ungarn in den Westen. Die Brücke über den Einser-Kanal nahe Andau wurde für viele von ihnen zum Weg in die Freiheit. Die örtliche Bevölkerung leistete umfangreiche humanitäre Hilfe: Schulen, Kindergarten, Kino und weitere öffentliche Räume wurden für die Unterbringung der Flüchtlinge zur Verfügung gestellt. Am 21. November 1956 sprengten ungarische Soldaten die Holzbrücke. Vier Jahrzehnte später errichteten österreichische und ungarische Soldaten eine neue Brücke, die am 14. September 1996 feierlich eröffnet wurde. Seither erinnert sie an die Fluchtbewegung und an die Folgen eines durch politische Unterdrückung und Grenzen geteilten Europas. Zugleich steht sie für Toleranz, Hilfsbereitschaft und die Verbundenheit der Menschen über Grenzen hinweg.

Zeitzeugen und junge Generation im Mittelpunkt

Im Rahmen der Gedenkfeier wurde die Geschichte durch persönliche Erfahrungen greifbar. Zeitzeuginnen und Zeitzeugen berichteten von ihren Erlebnissen während des Ungarnaufstandes, von der Flucht und von den ersten Tagen in Österreich. Historiker Herbert Brettl erläuterte die Idee und das Konzept der neuen Gedenkplattform. Musikalische Beiträge des Musikvereins Andau sowie von Schülerinnen und Schülern aus Andau und den ungarischen Gemeinden Jánossomorja und Osli unterstrichen den grenzüberschreitenden Charakter der Veranstaltung. Die Beteiligung der jungen Generation setzte zugleich ein Zeichen dafür, wie wichtig es ist, historische Erfahrungen weiterzugeben.

Andau gedenkt der Flucht von 1956 und eröffnet Gedenkplattform

Gedenkplattform ergänzt die historische Brücke

Ein Höhepunkt war neben den Zeitzeugenberichten die Segnung und symbolische Eröffnung der Gedenkplattform durch Generalvikar Wüger und Superintendent Jonischkeit. Der gemeinsame Gang zur Plattform und die Enthüllung machten die Bedeutung des Erinnerungsortes sichtbar. Die Plattform ergänzt die historische Brücke um einen Ort des bewussten Gedenkens und der Begegnung. Sie soll die Erinnerung an die Ereignisse von 1956 bewahren und auch künftigen Generationen vermitteln, was Flucht bedeutet und welche Kraft in menschlicher Solidarität liegt. Im Anschluss an den Festakt klang die Veranstaltung bei Musik und regionalen kulinarischen Angeboten aus.