Ein Jahr vor der Gemeinderatswahl 2027 gibt es im Bezirk Güssing zahlreiche personelle Veränderungen. Mehrere langjährige Bürgermeister geben ihre Ämter ab, andere lassen ihre politische Zukunft noch offen. Auch in der Bezirkshauptstadt hat ein neuer Bürgermeister die Arbeit aufgenommen.
Das Bürgermeisterkarussell nimmt Fahrt auf
Bezirk Güssing
Ein Jahr vor der Gemeinderatswahl 2027 kommt Bewegung in die Rathäuser des Bezirks Güssing. Gleich mehrere langjährige Bürgermeister ziehen sich zurück, ihre Nachfolger stehen nur teilweise fest.
© SPÖ Olbendorf
Wer wird gehen, wer bleibt und wo könnte es eine Überraschung geben? Noch ist es ein Jahr bis zur Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl, doch in einigen Gemeinden des Bezirks Güssing sind die Entscheidungen bereits gefallen. Während die meisten Ortschefs wieder antreten dürften, kommt es auch zu einem Generationenwechsel. Auffällig dabei: Mehrere Bürgermeister übergeben ihr Amt schon vor der Wahl. Ihre Nachfolger können damit als amtierende Ortschefs in den Wahlkampf 2027 gehen.
In Eberau folgt Jürgen Pree auf den langjährigen ÖVP-Bürgermeister Johann Weber. Auch in Wörterberg steht ein Wechsel bevor. Dort zieht sich SPÖ-Bürgermeister Kurt Wagner zurück, Roland Gradwohl übernimmt die Nachfolge. In Heugraben wiederum wird Walter Zloklikovits das Bürgermeisteramt an Stefan Krammer übergeben.
Nach 14 Jahren ist Schluss
Auch in Olbendorf geht eine lange Amtszeit zu Ende. Wolfgang Sodl, der die Gemeinde seit 14 Jahren als Bürgermeister führt, zieht sich im Dezember zurück. Sein Nachfolger soll Peter Gartner werden. Der bisherige Gemeindevorstand ist in der Kommunalpolitik kein Unbekannter und soll die Arbeit seines Vorgängers fortsetzen.
„Ich freue mich auf diese Verantwortung und darauf, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gemeinde sowie dem Gemeinderat die Zukunft von Olbendorf zu gestalten“, sagt Gartner.
Noch keinen Nachfolger gibt es hingegen in Güttenbach. Bürgermeister Leo Radakovits hat bereits angekündigt, bei der Wahl 2027 nicht mehr anzutreten. Wer für seine Nachfolge kandidiert, soll Anfang kommenden Jahres bekannt gegeben werden. Damit gehört Güttenbach zu jenen Gemeinden, in denen die personelle Entscheidung noch aussteht.
In Stinatz geht es um die Mehrheit
Eine der interessantesten politischen Konstellationen gibt es in Stinatz. Dort stellt die ÖVP mit Andreas Grandits seit 2012 den Bürgermeister, obwohl die SPÖ im Gemeinderat über die Mehrheit verfügt. Bei der Wahl 2022 konnte Grandits sein Amt mit 51,8 Prozent der Stimmen verteidigen. Sein damaliger SPÖ-Herausforderer kam auf 48,2 Prozent.
Nun wollen es die Sozialdemokraten mit einer neuen Kandidatin versuchen. Vizebürgermeisterin Sandra Kirisits wurde im September einstimmig zur Spitzenkandidatin für die Wahl 2027 nominiert. Die 52-Jährige gehörte bereits von 2012 bis 2017 dem Gemeinderat an, kehrte 2022 zurück und übernahm zwei Jahre später das Amt der Vizebürgermeisterin.
„Gemeinsam wollen wir Neues schaffen und Bewährtes erhalten“, erklärte Kirisits nach ihrer Nominierung.
Damit steht in Stinatz einiges auf dem Spiel. Die SPÖ will nach 15 Jahren das Bürgermeisteramt zurückerobern, die ÖVP ihre Position verteidigen. Dass eine Mehrheit im Gemeinderat noch lange keinen Bürgermeister stellt, hat Stinatz bei den vergangenen Wahlen mehrfach bewiesen.
Strobl lässt Kandidatur offen
Ein Fragezeichen steht auch hinter Bernd Strobl. Der ÖVP-Klubobmann im burgenländischen Landtag ist seit 2012 Bürgermeister von Ollersdorf, lässt aber offen, ob er bei der kommenden Wahl noch einmal antreten wird.
Dabei steht Strobl derzeit auch wegen der finanziellen Situation seiner Gemeinde unter Druck. Nachdem es bereits im Jänner zu Verzögerungen bei den Gehaltszahlungen an Gemeindebedienstete gekommen war, sorgte zuletzt die Möglichkeit weiterer Verzögerungen für politische Auseinandersetzungen. Die SPÖ forderte deshalb seinen Rücktritt.
„Wer wiederholt nicht einmal die Bezahlung seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicherstellen kann, ist als Bürgermeister nicht mehr tragbar. Bernd Strobl muss die politische Verantwortung übernehmen und seine Rücktrittserklärung abgeben“, erklärte SPÖ-Landesgeschäftsführer Friedrich Radlspäck.
Strobl weist die Kritik zurück und sieht die Verantwortung beim Land. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil nehme den Gemeinden finanziell jede Luft zum Atmen. Würden etwa Güterwegförderungen und andere zugesagte Mittel zeitgerecht ausbezahlt, könnten die Gemeinden ihren Verpflichtungen leichter nachkommen, argumentiert der Bürgermeister. Ob die nächste Gehaltszahlung tatsächlich verspätet erfolgt, sei keineswegs sicher. Sie könne durchaus noch am 15. erfolgen.
Bernd Strobl (Bild Mitte) mit den ÖVP-Bürgermeister:innen im Bezirk Güssing. In Ollersdorf ist eine neuerliche Kandidatur noch nicht entschieden.
© ÖVP Ollersdorf
15 Jahre Bürgermeisterin in Rauchwart
Während in anderesn Kommunen Nachfolger gesucht oder präsentiert werden, gibt es in Rauchwart ein besonderes Jubiläum. Michaela Raber steht seit 15 Jahren an der Spitze ihrer Gemeinde. Als sie das Bürgermeisteramt übernahm, war sie die erste Frau in dieser Funktion in den drei südlichen burgenländischen Bezirken.
Die SPÖ-Frauen des Bezirks Güssing nahmen das Jubiläum zum Anlass, der langjährigen Ortschefin zu gratulieren. Sie würdigten Raber als Vorbild für Frauen in der Kommunalpolitik und verwiesen auf ihren Einsatz für Rauchwart.
Raber selbst sieht Gemeindepolitik vor allem als Teamarbeit. Bei Gesprächen betont sie immer wieder, wie wichtig die Mitarbeit ihres Teams und die Anregungen aus der Bevölkerung sind. Auch die Zusammenarbeit mit der Landesregierung hat für sie einen hohen Stellenwert. Für zahlreiche Vorhaben in Rauchwart konnte sie Unterstützung des Landes gewinnen.
Nach 15 Jahren im Amt gehört Raber mittlerweile zu den erfahrenen Ortschefinnen des Burgenlandes. Ihr Jubiläum fällt in eine Zeit, in der sich in mehreren Nachbargemeinden die personellen Verhältnisse verändern.
Eine einzige Stimme entschied
Wie knapp es bei einer Bürgermeisterwahl werden kann, zeigte sich 2022 in St. Michael. Dort lieferten sich der damalige ÖVP-Bürgermeister Erich Sziderits und SPÖ-Herausforderer Otto Horvath ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Am Ende entschied eine einzige Stimme über das Bürgermeisteramt. Horvath erhielt 392 Stimmen, Sziderits 391. Damit wechselte die Gemeinde von der ÖVP zur SPÖ.
Auch in Heiligenbrunn war das Ergebnis vor fünf Jahren knapp. ÖVP-Bürgermeister Johann Trinkl setzte sich mit 52,4 Prozent gegen seinen damaligen Herausforderer durch. Im Gemeinderat verfügt die ÖVP über sieben, die SPÖ gemeinsam mit Unabhängigen über sechs Mandate. Der damalige Gegenkandidat Dietmar Babos hat sich inzwischen aus der Gemeindepolitik zurückgezogen. Wer 2027 gegen Trinkl antreten wird, ist damit eine der noch offenen Fragen.
In Kukmirn wiederum musste ÖVP-Bürgermeister Werner Kemetter 2022 in die Stichwahl. Dort setzte er sich schließlich gegen Klaus Kroboth von der Bürgerliste durch. Auch hier wird es darauf ankommen, mit welchen Kandidaten und Listen die Parteien und Gruppierungen im kommenden Jahr antreten.
Jubel über eine Stimme Vorsprung gab es 2022 im Gasthaus Kulovits-Freislinger in Sankt Michael: Martin Omischl , Franz Eberhardt, Otto Horvath und Michael Eberhardt (v.l.).
© Claudia Jelinek
Michaela Raber seit 15 Jahren Bürgermeisterin
Während andernorts bereits Nachfolger gesucht oder präsentiert werden, gibt es in Rauchwart ein besonderes Jubiläum. Michaela Raber steht seit 15 Jahren an der Spitze ihrer Gemeinde. Als sie das Bürgermeisteramt übernahm, war sie die erste Frau in dieser Funktion in den drei südlichen burgenländischen Bezirken.
Die SPÖ-Frauen des Bezirks Güssing nahmen das Jubiläum zum Anlass, der langjährigen Ortschefin zu gratulieren. Sie würdigten Raber als Vorbild für Frauen in der Kommunalpolitik und verwiesen auf ihren Einsatz für Rauchwart.
Raber selbst sieht Gemeindepolitik vor allem als Teamarbeit. Bei Gesprächen betont sie immer wieder, wie wichtig die Mitarbeit ihres Teams und die Anregungen aus der Bevölkerung sind. Auch die Zusammenarbeit mit der Landesregierung hat für sie einen hohen Stellenwert. Für zahlreiche Vorhaben in Rauchwart konnte sie Unterstützung des Landes gewinnen.
Nach 15 Jahren im Amt gehört Raber mittlerweile zu den erfahrenen Ortschefinnen des Burgenlandes. Ihr Jubiläum fällt in eine Zeit, in der sich in mehreren Nachbargemeinden die personellen Verhältnisse verändern.
Das SPÖ Team Rauchwart gratuliert Bürgermeisterin Michaela Raber zum Jubiläum.
Fazit: Bis zum Wahlherbst 2027 wird sich noch einiges klären müssen. Wer heute als Nachfolger feststeht, muss sich dann erstmals dem direkten Votum der Bevölkerung stellen. Andere Bürgermeister werden um eine weitere Amtszeit kämpfen. Und dass am Wahltag selbst eine einzige Stimme alles verändern kann, wissen sie im Bezirk Güssing spätestens seit 2022. Die Karten werden jedenfalls neu gemischt.
Rauchwarts Ortschef (li.) engagiert sich immer wieder auch für soziale Projekte.
© SPÖ