„Den Stellenwert von Marko Arnautovic habe ich trotzdem nicht“

Schwimmen

Burgenlands Rekordschwimmer Christian Giefing ließ bei der EM in Paris mit Platz vier aufhorchen. Noch ist aber viel Luft nach oben - in jeder Hinsicht.

Von Clemens Linhart

Sebastian Giefing bei der Schwimm-Europameisterschaft in Paris. Über die 200 Meter Freistil kraulte sich der 18-jährige Mittelburgenländer beinahe zur Sensation. Knapp verpasste er die Bronzemedaille, die Erfahrungen vor einem internationalen Publikum kann ihm aber keiner nehmen.

Sebastian Giefing bei der Schwimm-Europameisterschaft in Paris. Über die 200 Meter Freistil kraulte sich der 18-jährige Mittelburgenländer beinahe zur Sensation. Knapp verpasste er die Bronzemedaille, die Erfahrungen vor einem internationalen Publikum kann ihm aber keiner nehmen.

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Wissenswertes
Zur Person Christian Giefing
Der Mittelburgenländer hat mittlerweile seinen Lebensmittelpunkt in das Leistungssportzentrum Südstadt verlegt. Wohnhaft war er in Markt Sankt Martin. Christian Giefing wurde am 2. Februar 2008 geboren. Er schwimmt für den ASV 2000, das ist der Athletik Schwimmverein Stockerau. Betreut wird der 18-Jährige von Gabor Kovacs. 2026 erreichte der Junioren-Europameister von 2025 auf seiner Paradedisziplin (200 Meter Freistil) Platz vier bei der Schwimm-EM der Allgemeinen Klasse in Paris.

Ein Rekord jagt den anderen. Gefühlt hat sie Christian Giefing mit seinen zarten 18 Jahren in Österreich alle bereits pulverisiert. Nach einer Unzahl an nationalen Rekorden bei den Junioren, erlebte der Burgenländer bei der Schwimm-EM in Paris seine Sternstunde: Um 15 Hundertstel knackte er just die Bestmarke von seinem Idol Felix Auböck über 200 Meter Kraul. Und hat noch lange nicht genug…

Unerkannter Star

Auf Rekordjäger hat der Schwimmer seine Jobbeschreibung im Lebenslauf noch nicht geändert. „Es ist einerseits ein super Nebeneffekt, wenn ich höre, dass ich wieder einen Rekord geschwommen bin. Andererseits darf ich mich auch nicht davon blenden lassen, sonst werde ich zu abgehoben. Ich schwimme ja, weil es mir extremst Spaß macht“, verrät der Athlet aus Markt St. Martin der BVZ sein „Erfolgsgeheimnis“. Rekorde hin, Rekorde her: Vor Selfi- oder Autogrammjägern muss er trotz seines Erfolges im Freibad noch nicht untertauchen. Im Gegenteil. „Ein bisschen mehr Anerkennung würde mich schon freuen. Erkannt werde ich bis jetzt noch nicht, auch nach Selfies fragt keiner. Den Stellenwert wie Marko Arnautovic habe ich nicht. Ich schätze er macht mehr Fotos bei einmal shoppen, als ich im ganzen Jahr. Zumindest kennt mich in unserer Halle jeder - das hoffe ich zumindest“, lacht der Fußballfan.

Darum sind Pommes drin

Obwohl ob seines obligaten Schwimmer-Körpers das ein oder andere Mal sicher genauer hingeschaut wird: „Als Schwimmer hat man halt nicht so einen großen Körperfettanteil, weil man im Wasser sehr viele Kalorien verbrennt. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich ur geil ausschaue, ein Vorteil ist es aber schon.“ Deshalb sind Freibad-Pommes oder McDonald’s immer noch drin. In der Wettkampfphase muss das McMenü aber Nudeln, Proteinen und Vitaminen weichen. Denn: So ein Waschbrettbauch entsteht nicht von selbst. Drei Mal pro Tag wird im Leistungssportzentrum Südstadt, wo Giefing inzwischen auch wohnt, trainiert. Um sechs Uhr Früh pumpt er 90 Minuten im Fitnesscenter. Anschließend geht’s für zwei Stunden ins Wasser. Die Pause bis 15:30 Uhr nutzt er derzeit zum Lernen für den Führerschein. Ehe es ein zweites Mal ins kühle Nass geht. Nur am Wochenende wird im mittelburgenländischen „Hotel Mama“ eingecheckt. Seit zwei Saisonen kann er durch eine Förderung des Sport-Ministeriums und privaten Sponsoren vom Schwimmen leben, auch auf die Unterstützung des Sportpools Burgenland kann Giefing zählen. Es ist also alles angerichtet für den großen Traum Olympia-Finale in Los Angeles 2028. „In Budapest bei der Langbahn-WM eine Medaille. So früh wie möglich das Olympia-Limit (1:45,83, Anm.) schaffen. Im LA-Finale vorne mitschwimmen. Und in Brisbane 2032 dann die Goldmedaille“, entwirft der Schwimmer des ASV 2000 Stockerau am Reißbrett seine Traumkarriere von der Langbahn-Weltmeisterschaft im Sommer 2027 über die Olympischen Spiele 2028 in LA bis zu den kommenden Sommerspielen 2032.

Größter Traum wird wahr

Aus der Traum, zurück in die Realität. Und die heißt schon bald Grundwehrdienst, ehe es im Dezember zur Kurzbahn-WM nach Peking geht. Real war zuletzt auch sein traumhafter Moment bei der Langbahn-EM über 200 Meter Freistil in Paris. „Ich war richtig überrascht. Dass ich im Vorlauf 1:44,96 Minuten schwimme, haben mein Trainer und ich nicht erwartet. Das war mein wirklich größter Traum, den Rekord von Felix zu brechen“ ist die Freude immer noch zu spüren. „Auch wenn sich das jetzt ein bisschen arrogant anhört: Das Gefühl, der Schnellste auf 200 Kraul zu sein, den es in Österreich je gegeben hat oder gibt, ist einfach ein wirklich unfassbares Gefühl“, zwinkert Giefing.

Da freute er sich sogar über den unbeliebten vierten Platz, schmerzten die 27 Hundertstel Rückstand zur Bronze-Medaille nicht. Weil auch sein Rekord aus dem Vorlauf nichts geändert hätte: „Es war meine erste Langbahn-EM in der allgemeinen Klasse. Viele Schwimmer, die ich auch persönlich kenne oder Weltrekorde halten, haben das in dieser Form nicht geschafft. Das war schon eine richtig starke Leistung, ein unfassbares Gefühl, unsere gesetzten Ziele gesprengt zu haben.“

Stets mit dabei: (Schwimm-)Familie Giefing. „Die Mama wollte, dass mein großer Bruder und meine große Schwester, wenn wir auf Urlaub in Italien sind, schwimmen können. Mein Bruder ist dafür sogar vom Fußball weg und war Leistungsschwimmer. Das will man als kleiner Bruder dann auch werden. Er war mein erstes Vorbild. Leider hat er verletzungsbedingt aufhören müssen, hatte Probleme mit dem Rücken. Keiner weiß was genau. Dass wir gemeinsam im Training im Becken waren, ist sich leider ganz knapp nicht ausgegangen“, erinnert sich der Dritte von vier Geschwistern an seine sportlichen Anfänge.

Auböcks Sprachnachricht

Und wie hat eigentlich der entthronte Auböck auf Giefings Erfolg reagiert? „Er hat mir in einer Sprachnachricht für eine richtig starke Zeit gratuliert. Er hofft sogar, dass ich noch schneller werde und den Rekord noch weiter drücken kann. Von Ärger keine Spur.“ Auch weil Auböck weiß, dass sein „Thronfolger“ Österreichs allergrößtes Schwimm-Talent ist, viel mit ihm verglichen wird: „Vergleichen muss man halt im Sport. Ich höre das immer wieder oder sehe es auf Social Media. Ich finde es relativ cool, aber würde es jetzt nicht als Druck empfinden.“ Zur Belohnung gabs vom ungarischen Trainer Balasz Fehervari drei Wochen frei. Die mit der Freundin genossen wurden. So ganz ohne Training ging’s dann aber doch nicht: „Meine Freundin ist Leistungsschwimmerin aus Deutschland und da habe ich halt - zwar nicht so viel wie sie - mittrainiert.

Der Moment der Erkenntnis: So sieht man aus, wenn eine Top-Zeit gelungen ist - Christian Giefing nach seinem Rekord über 200 Meter.

Der Moment der Erkenntnis: So sieht man aus, wenn eine Top-Zeit gelungen ist - Christian Giefing nach seinem Rekord über 200 Meter.

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