Die BVZ bietet einen Überblick zu den Veranstaltungen von 15. bis 21. Oktober.
Forum4Burgenland tagte in Oberwart
volksgruppen
Jahrestagung des Forum4Burgenland zum Thema „50 Jahre Volksgruppengesetz“: Mehrsprachigkeit als Chance für junge Menschen.
Bildungsdirektor Alfred Lehner, Eva Gröstenberger, Vizerektorin für Lehre, Mehrsprachigkeit und Internationalisierung an der PPH Burgenland, Attila Somogyi, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats für die ungarische Volksgruppe, Bildungslandesrätin Daniela Winkler, Josef Buranits, Präsident des Kroatischen Kulturvereins im Burgenland, Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma, Sabine Weisz, Rektorin der PPH Burgenland, und Herbert Gabriel, Vizerektor für Forschung und Hochschulentwicklung an der PPH Burgenland.
© PPH Burgenland
Am Donnerstag widmete sich die Jahrestagung des Forum4Burgenland im Haus der Volksgruppen Burgenland in Oberwart dem 50-jährigen Bestehen des Volksgruppengesetzes und den Lebenswelten junger Menschen. Vertreterinnen und Vertreter aus Bildung, Wissenschaft und den burgenländischen Volksgruppenbeiräten diskutierten die historische Entwicklung der Minderheitenpolitik, die Bedeutung von Mehrsprachigkeit und die Frage, wie die Sprachen und Kulturen der autochthonen Volksgruppen nachhaltig gestärkt werden können.
Bildungslandesrätin Daniela Winkler betonte: „Die Vielfalt unserer autochthonen Volksgruppen prägt die burgenländische Identität seit Bestehen als eigenständiges Bundesland. 50 Jahre Volksgruppengesetz erinnern uns an die historische Verantwortung, diese Sprachen und Kulturen mit gegenseitiger Wertschätzung zu bewahren. Die Ergebnisse der Jugendstudie ‚Lebenswelten 2025‘ zeigen, dass das Bildungssystem dabei eine Schlüsselrolle einnimmt. Wir haben uns das gemeinsame Ziel gesetzt, Burgenlandkroatisch, Ungarisch und Romani in Schule und Alltag junger Menschen lebendig zu halten. Damit sichern wir ein bereicherndes Zusammenleben und Miteinander in unserem Bundesland für die kommenden Generationen.“
„Die sprachliche und kulturelle Vielfalt des Burgenlandes ist ein wertvoller Bestandteil unserer gemeinsamen Geschichte und Gegenwart. Als Pädagogische Hochschule tragen wir Verantwortung dafür, die Sprachen und Kulturen der autochthonen Volksgruppen durch Bildungsangebote zu stärken und Mehrsprachigkeit als Bereicherung zu vermitteln“, erklärte Sabine Weisz, Rektorin der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland.
In seinem Impulsvortrag beleuchtete der Historiker Gerhard Baumgartner die Vorgeschichte des Volksgruppengesetzes von 1976 im Zusammenhang mit der österreichischen Südtirolpolitik und des Kärntner Ortstafelsturms. Zudem skizzierte er die wesentlichen Veränderungen in der Minderheitenpolitik durch die neuen gesetzlichen Bestimmungen. Er zeigte auf, dass Beharrlichkeit, Zivilcourage und außenpolitische Überlegungen zur Verabschiedung des Gesetzes beitrugen, das bis heute vieles offenlässt.
Auch Bundesministerin für Europa, Integration und Familie Claudia Bauer unterstrich in einer Videobotschaft die Bedeutung der Bildungsarbeit für den Erhalt der Volksgruppensprachen. „Eine Sprache überlebt nicht, weil sie in der Verfassung steht. Sie überlebt, weil Kinder und Jugendliche sie sprechen“, betonte die Ministerin. Es sei daher wichtig, dass Kinder die Sprachen ihrer Großeltern nicht nur als kulturelles Erbe kennenlernen, sondern sie auch aktiv sprechen und im Alltag verwenden.
Im anschließenden Austausch diskutierten die burgenländischen Volksgruppenbeiräte über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven. Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma, hob die Bedeutung von Bildung für Chancengerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe hervor: „Trotz ihrer Anerkennung als Volksgruppe sind Roma in Österreich im Bildungsbereich weiterhin mit Benachteiligungen konfrontiert. Um Chancengerechtigkeit und gesellschaftliche Teilhabe zu fördern, sollten die Geschichte, Kultur, Sprachen und Lebensrealitäten der Roma stärker in Lehrplänen, Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien verankert werden. Dies stärkt die Identität junger Angehöriger der Volksgruppe, baut Vorurteile ab, wirkt Antiziganismus entgegen und macht die Vielfalt Österreichs sichtbar.“
Attila Somogyi, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats für die ungarische Volksgruppe, betonte die Notwendigkeit eines breiteren Sprachangebots: „Einsprachigkeit ist heilbar. Wir brauchen dazu bessere und mehr Angebote sowohl in der Schule als auch in der Erwachsenenbildung.“
Josef Buranits, Präsident des Kroatischen Kulturvereins im Burgenland, sprach sich für eine Überarbeitung des Volksgruppengesetzes aus. Ein 50 Jahre altes Gesetz sei nicht mehr zeitgemäß und bedürfe einer Novellierung.
Jugendstudie wurde präsentiert
Einen weiteren Schwerpunkt bildete die Präsentation zentraler Ergebnisse der Jugendstudie „Lebenswelten 2025“ durch Jasmin Mersits-Linzer von der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland und Daniel Wutti von der Pädagogischen Hochschule Kärnten. Laut dieser mit über 15.000 Jugendlichen durchgeführten Studie leben 74 % in einem mehrsprachigen Umfeld, 70 % sehen andere Sprachen als Bereicherung an und 77 % wünschen sich mehrsprachige Kinder. Gleichzeitig gibt es einen großen Sprachverlust bei autochthonen und allochthonen (migrationsbedingten) Minderheitensprachen. Ein Drittel der befragten Jugendlichen kennt die sechs autochthonen Minderheiten nicht.
Vorläufige Ergebnisse für das Burgenland, die bei der Jahrestagung präsentiert wurden, weisen auf ein stärkeres Bewusstsein für die Volksgruppen hin: 80 % der befragten Jugendlichen im Burgenland kennen die Minderheiten, gegenüber 64 % in der Gesamtstudie. 53 % berichten von persönlichem Kontakt, gegenüber 34 % insgesamt. Die Einstellungen zu autochthonen Minderheitensprachen zeigen dennoch ein gemischtes Bild.
Die Studie macht deutlich: Bildungseinrichtungen und Gesamtgesellschaft sind gefordert, autochthone Minderheiten, ihre Sprachen und die historisch gewachsene Vielfalt Österreichs stärker im Bildungsalltag und im öffentlichen Diskurs zu verankern.
Bildungsdirektor Alfred Lehner betonte in seinen abschließenden Worten die Bedeutung sprachlicher und kultureller Vielfalt für die Bildungslandschaft des Burgenlandes:
„Die sprachliche und kulturelle Diversität ist ein prägendes Merkmal des Burgenlandes. Mehrsprachigkeit ist eine wertvolle Ressource und ein wichtiger Bestandteil unserer Bildungslandschaft. Unsere Aufgabe im Bildungsbereich ist es, unsere Schülerinnen und Schüler dabei zu bestärken, sprachliche Vielfalt als Chance zu erkennen und die kulturellen Besonderheiten unserer Region wertzuschätzen.“
Moderiert wurde die Jahrestagung von Walter Reiss, Elizabeth Hausmann-Farkas und Marin Berlakovich. Für die musikalische Gestaltung sorgten der Schulchor der BAfEP Oberwart „VOX BAfEP“ und ein Ensemble der Zentralmusikschule (ZMS) Großwarasdorf. Die Veranstaltung richtete sich an Elementarpädagog:innen, Lehrer:innen, Studierende, Vertreter:innen der Volksgruppen sowie weitere Interessierte, die sich mit Mehrsprachigkeit, kultureller Vielfalt und der Zukunft der autochthonen Volksgruppen auseinandersetzen.
Das Forum4Burgenland ist ein Bildungsforum der Privaten Pädagogischen Hochschule Burgenland, der Bildungsdirektion Burgenland und der burgenländischen Volksgruppenbeiräte. Es wurde 2019 gegründet, um die autochthonen Minderheitensprachen Burgenlandkroatisch, Ungarisch und Burgenland-Romani stärker in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern und ihre Bedeutung im Bildungsbereich zu stärken.

Historiker Gerhard Baumgartner, Attila Somogyi, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats für die ungarische Volksgruppe, Walter Reiss (Moderation), Emmerich Gärtner-Horvath, Vorsitzender des Volksgruppenbeirats der Roma, und Josef Buranits, Präsident des Kroatischen Kulturvereins im Burgenland bei der Podiumsdiskossion.
© PPH Burgenland