Nach dem ESC-Hype: So geht es für Cosmó jetzt weiter

Benjamin Gedeon im Gespräch

Fünf Monate nach seinem Auftritt beim Eurovision Song Contest ist der Alltag von Cosmó ein anderer geworden. Benjamin Gedeon aus Halbturn spricht über neue Songs, das Leben auf Tour, das Abschalten nach intensiven Monaten – und seine Rückkehr zum Zahnmedizinstudium.

Von Birgit Böhm-Ritter

Benjamin Gedeon alias Cosmó ist derzeit auf Österreich-Tour, danach gibt er für ein Benefizkonzert ein Heimspiel.

Benjamin Gedeon alias Cosmó ist derzeit auf Österreich-Tour, danach gibt er für ein Benefizkonzert ein Heimspiel.

© ORF/Cato Ingebrigtsen

Prepartys in Europa, Interviews, Promotiontermine, Proben und schließlich die große Bühne in der Wiener Stadthalle: Noch vor wenigen Monaten bestimmte der Eurovision Song Contest (ESC) den Alltag von Benjamin Gedeon. Unter seinem Künstlernamen Cosmó vertrat der Halbturner Österreich am 16. Mai mit „Tanzschein“ beim 70. Eurovision Song Contest. Im Finale erreichte er mit sechs Punkten Platz 24.

Bis dahin hatte der damals 19-Jährige einen rasanten Aufstieg erlebt. Im Februar gewann er mit „Tanzschein“ den österreichischen Vorentscheid. Der Song verbreitete sich weit über seine bisherigen Fans hinaus, die dazugehörige Choreografie wurde vielerorts nachgetanzt. Vor dem ESC war Cosmó bei Prepartys in Europa unterwegs, gleichzeitig reihte sich ein Medientermin an den nächsten.

Dann war das Finale vorbei – und mit ihm vorerst auch der eng getaktete Terminkalender. Nach Monaten, in denen ein Termin auf den nächsten gefolgt war, wurde es schlagartig ruhiger. Mit diesem Wechsel musste der heute 20-Jährige erst umgehen lernen.

Ganz still blieb es allerdings nicht. Im Gegenteil: Wo zuvor Promotiontermine und ESC-Proben den Takt vorgaben, war plötzlich wieder Platz für das, worum es eigentlich geht – Musik.

Neue Songs nach „Tanzschein“

Cosmó nutzte die vergangenen fünf Monate, um neue Lieder zu schreiben. Inzwischen stehen sie nicht mehr nur auf dem Papier oder werden im Studio gespielt, sondern müssen sich Abend für Abend vor Publikum bewähren.

Im September ging Cosmó mit seiner Band für drei Konzerte auf eine kleine Deutschlandtour. Dort machte er eine Erfahrung, die ihn selbst überraschte: Ein Teil seines Publikums kommt längst nicht mehr ausschließlich wegen „Tanzschein“. „Tanzschein ist natürlich das Highlight jedes Konzerts, aber es gibt immer ein paar in der ersten Reihe, die auch schon alle meine neuen Lieder mitsingen können, unvorstellbar“, erzählt er im BVZ-Gespräch verwundert. Besonders gut kommen seine Songs „Alle meine Nachbarn“ und „Den Sommer überleben“ an.

Von Deutschland ging es weiter auf österreichische Bühnen. In der vergangenen Woche standen Wien, Linz und Graz auf dem Programm, diese Woche folgen mit Salzburg, Innsbruck und Dornbirn die letzten Stationen der Tour.

Ausschlafen gehört dabei offenbar nicht zum Tourprogramm. Viel Schlaf bekomme er unterwegs nicht, erzählt Cosmó. Dafür sei das Leben zwischen Konzert, Fahrt und nächstem Auftritt weniger mühsam, als er erwartet hatte. „Ich hab‘ mir das Tourleben sogar noch anstrengender vorgestellt. Wir sind als Crew eine eingespielte Partie. Wir haben so viel Spaß! Und wenn dann noch alle im Publikum mittanzen und mitsingen, ist das wunderschön!“

Die intensiven Proben vor der Tour hätten sich ausgezahlt. Gleichzeitig zeigt sich bei den Konzerten, dass sich in den Monaten seit dem ESC eine Fancommunity entwickelt hat, die auch seine neuen Songs verfolgt. „Es ist so ein liebes Publikum“, sagt Cosmó.

Noch stehen einige Konzerte an. Danach soll der Tourbus aber vorerst gegen Urlaub getauscht werden.

Cosmó als Überraschungsgast bei der 60-Jahr-Feier seiner ehemaligen Volksschule in Neusiedl am See

Cosmó als Überraschungsgast bei der 60-Jahr-Feier seiner ehemaligen Volksschule in Neusiedl am See

© Birgit Böhm-Ritter

Vom Tourbus in die Auszeit

Cosmó will sich nach den letzten Auftritten Zeit nehmen, um die vergangenen Monate zu reflektieren. Erst danach möchte er wieder neue Ideen für Songs sammeln. Denn nach dem Tempo rund um den ESC und den anschließenden Monaten als Musiker hat für ihn ein anderes Thema an Bedeutung gewonnen: die eigene mentale Gesundheit.

Bereits vor dem ESC sprach Cosmó darüber, dass ihm Meditation helfe, bewusst herunterzukommen. Nach den intensiven vergangenen Monaten beschäftigt ihn das Thema Erholung nun erneut. „Abschalten musste ich erst lernen“, sagt er.

Still auf dem Sofa zu sitzen, ist dabei nicht unbedingt seine bevorzugte Methode. Am besten gelingt ihm das Abschalten, wenn er aktiv bleibt: beim Wandern oder bei Treffen mit Freunden. Und immer öfter auch mit einem Buch.

Die Pause hat allerdings ein Ablaufdatum. Im kommenden Frühjahr dürfte sein Terminkalender wieder voller werden – und dann kommt neben der Musik eine Aufgabe zurück, die vor dem ESC bereits zu seinem Alltag gehörte.

Ab März will Benjamin Gedeon sein Zahnmedizinstudium wieder aufnehmen. Wie sich Hörsaal, Lernen, Studio und Bühne miteinander vereinbaren lassen, will er nicht bis ins Detail vorausplanen. „Mal schauen, ob Studium und Musik zusammen funktioniert. Ich habe gelernt, nicht so viel zu planen, sondern mich darauf einzulassen, was kommt“, lacht er.

Ein Plan steht allerdings schon fest: Bevor Studium und Musik nebeneinander Platz finden müssen, wartet noch ein Auftritt mit besonderem Heimvorteil.

„Tanzschein“ beim Heimspiel in Halbturn

Eigentlich sollte der 24. Oktober im Zeichen eines Geburtstags stehen. Cosmós Mutter Nora wird 50 Jahre alt. Aus der Feier wurde allerdings kurzerhand ein Benefizkonzert: Sie lädt zu einem offenen Konzert ihres Sohnes ins Gemeindezentrum Halbturn.

Damit kehrt Cosmó nach Monaten auf Bühnen in Deutschland und Österreich für einen Abend in seine Heimatgemeinde zurück. Und auch „Tanzschein“ bekommt dabei noch einmal eine persönliche Bedeutung. „Da ich Tanzschein ja für meine Mama geschrieben habe, passt das wirklich gut“, sagt Cosmó.

Einlass ist um 19 Uhr, das Konzert beginnt um 20 Uhr. Einen fixen Eintrittspreis gibt es nicht, stattdessen werden freie Spenden gesammelt. Der Erlös geht an die Krebshilfe.