Pfarrerin Ingrid Tschank: „Nach der Pflicht kommt die Kür“

Evangelische Kirche

Die evangelische Pfarrerin Ingrid Tschank ist nach 30 Jahren in der Gemeinde Gols in Pension gegangen. Im Gespräch verrät sie, warum sie erst spät zum Theologiestudium gefunden hat.

Von Klaus Zwinger

Die evangelische Pfarrerin Ingrid Tschank wurde nach knapp 30 Jahren in Gols feierlich entpflichtet.

Die evangelische Pfarrerin Ingrid Tschank wurde nach knapp 30 Jahren in Gols feierlich entpflichtet.

© Klaus Zwinger

Zwei Tage nach der Entpflichtung der evangelischen Pfarrerin Ingrid Tschank ist der Vorraum ihrer Wohnung in Gols noch immer voll mit Geschenken, die sie von ihren Gemeindemitgliedern als Dank für rund 30 Jahre Dienst erhalten hat. Aus den Pfarrräumen der Gemeinde ist sie bereits vor einigen Jahren ausgezogen, um den Weg für damals dringend benötigte Sanierungen zu ebnen. Die evangelische Kirche von Gols hat sie dennoch immer bei sich behalten: eine Miniatur der Kirche thront straßenseitig in ihrem Küchenfenster.

Nach den erfolgten Renovierungen hat sich auch schon ein Nachfolger für Tschank hat sich gefunden: der in Wien geborene Pfarramtskandidat Immanuel Carrara bewohnt mit seiner Familie bereits seit einiger Zeit die renovierten Räume der Pfarre. Seine Ordination wird am Pfingstmontag des kommenden Jahres mit jener von sieben weiteren Pfarramtskandidaten im Rahmen eines großen Festakts in Gols stattfinden.

Abschied von Ingrid Tschank nach fast 30 Jahren

Erstmals kam Ingrid Tschank 1996 nach Gols. Im Rahmen ihrer Ausbildung zur Pfarrerin absolvierte sie zunächst zwei Jahre in Gols und anschließend ein weiteres in Kitzbühel, bevor sie ab 1999 für die nächsten 27 Jahre ihren Dienst in der evangelischen Pfarrgemeinde Gols verrichtete. Dabei setzte sie sich immer wieder für feministische Belange ein und hatte stets ein offenes Uhr für die Sorgen und Anliegen ihrer Glaubensgemeinde.

Pfarrerin Ingrid Tschank: „Nach der Pflicht kommt die Kür“

© DAVID POKORNY

„Ich habe immer versucht, so gut es geht auf die Stimmungen und Begebenheiten innerhalb der Dorfgemeinschaften einzugehen. Im Zuge dessen bin ich beim Verfassen meiner Predigten dann auch oft lange Zeit über kleinen Sätzchen gesessen, aber es hat sich immer gelohnt“, so Tschank, die nie eine langweilige Predigt liefern wollte.

Auf Umwegen zur Theologie gekommen

Wie sie im Gespräch verrät, war sie schon in jungen Jahren fasziniert von der Theologie, zunächst machte sie in ihren Zwanzigern aber einen Ausflug in die Wirtschaft. Während ihres BWL-Studiums arbeitete sie bei einem amerikanischen Unternehmen und hatte große Freude daran. Aber, so die Erkenntnis während der trockenen Stunden des Lernens im Studium: es war die hervorragende Gemeinschaft im Team, die ihr so große Freude bereitete, nicht die Arbeit selbst.

Pfarramtskandidat Immanuel Carrara, Superintendentialkuratorin Christa Grabenhofer, Pfarrerin Iris Haidvogel, Pfarrerin Ingrid Tschank, Superintendent Robert Jonischkeit mit Sohn, Pfarrerin in Ruhe Barbara Heyse-Schaefer, Altbischof Michael Bünker und Kurator Lucas Wendelin.

Pfarramtskandidat Immanuel Carrara, Superintendentialkuratorin Christa Grabenhofer, Pfarrerin Iris Haidvogel, Pfarrerin Ingrid Tschank, Superintendent Robert Jonischkeit mit Sohn, Pfarrerin in Ruhe Barbara Heyse-Schaefer, Altbischof Michael Bünker und Kurator Lucas Wendelin.

© David Pokorny

Und so machte sie einen Schritt zurück, fragte sich, wo ihre wahre Leidenschaft liegt und kam so zum Theologiestudium und schließlich nach Gols. Nun kann sie auf dreißig schöne Jahre zurückblicken. Langweilig wird ihr auch künftig nicht: für dieses Jahr hat sie noch eine mehrwöchige Reise geplant, Obfrau des burgenländischen Zweigs des Gustav-Adolf-Vereins bleibt sie auch weiterhin. Außerdem will sie sich bis Jahresende Zeit für sich nehmen. Und sie weiß auch, wie eine Wegbegleiterin ihr mitgegeben hat: „Nach der Pflicht kommt die Kür“.