Tore statt Arien: Vom Opernort zum Top-Torjäger

Admiral Fussball Bundesliga

Alexander Hofleitner hat im Burgenland seine Karriere begonnen. Der spätberufene Stürmer ist beim GAK gesetzt. Am Sonntag geht es für den Siebenten der Bundesliga beim Grazer Derby gegen Sturm zur Sache.

Von Clemens Linhart

Alexander Hofleitner übersprang im Zuge seiner Karriere die Hürde zum Profifußball. Nun geht der Burgenländer in der Admiral Bundesliga auf Torjagd. GEPA pictures

Alexander Hofleitner übersprang im Zuge seiner Karriere die Hürde zum Profifußball. Nun geht der Burgenländer in der Admiral Bundesliga auf Torjagd. GEPA pictures

© GEPA pictures/ Avni Retkoceri

Familypark und Opernfestspiele. An Fußball denken die Durchschnitts-Österreicher bei St. Margarethen wohl weniger.

Nicht Alexander Hofleitner. Der 26-Jährige spielt zurzeit beim GAK die Hauptrolle und beweist, dass der Römersteinbruch nicht die einzige Bühne für einen St.-Margarethner ist. „Opernstar ist wirklich der am weitesten entfernte Beruf, der für mich infrage kommt“, lacht Hofleitner im Gespräch mit der BVZ: „Ich war zwar einmal zuschauen, aber nur, weil ich eine Freikarte bekommen habe. Ich habe es dann auch bei dem einen Mal belassen, ist nicht ganz mein Fall.“ Und der Familypark? „Ja schon eher, aber selbst dort war ich nicht so oft. Eher am Sportplatz oder in der Natur.“ Daher kommt es nicht von ungefähr, dass er im Sommer 2025 über Kapfenberg auf nationaler Ebene den Sprung ins Konzert der Großen schaffte und derzeit für die Hälfte aller GAK-Bundesligatore zuständig ist. Sein Jugendverein SV St. Margarethen war nur die Ouvertüre seiner bisherigen Fußballkarriere. Ehe es mit 16 Jahren nach Klingenbach in seinen Geburtsort ging.

Innenverteidiger wider willen

Das Kuriose: „Ich war in der Jugend Stürmer, aber bin dann ziemlich schnell gewachsen. Also haben sie mich nach hinten gestellt, war mit 21 Jahren noch Innenverteidiger.“ Doch einem Vollblutstürmer nimmt man die „Torgeilheit“ nicht. „Tief im Inneren wollte ich immer Tore schießen und habe mich immer in den Trainingsspielen in den Sturm gestellt. Das hat zwar ein paar Jahre gebraucht, bis es meinem Trainer aufgefallen ist, dass es im Endeffekt ganz gut funktioniert“, erzählt der 1,96-Meter-Hüne, der kurz nach der Corona-Pandemie seinen ersten Auftritt im Sturm hatte.

Nicht nur, weil Freundin Ramona aus Klingenbach ist, schlägt sein Herz bis heute für den aktuellen Tabellenführer der Burgenland Energie Landesliga. An spielfreien Tagen gibt er sowohl daheim als auch auswärts den „Edelfan“, traut ihnen in dieser Saison alles zu: „Die letzten zwei Jahre waren sie nur hinten drin. Aber die Landesliga ist ziemlich ausgeglichen. Die Frage ist, wie lange sie oben mitspielen wollen. Aber mit der Mannschaft ist alles möglich - ein super Sturm mit den beiden Oldies (Anm.: Michal Kozak und Antonio Vidovic) und Freunden von mir in der Verteidigung.“

Derby gegen Sturm Graz

Just am Samstag kommt’s zum Duell seiner beiden Ex-Klubs in St. Margarethen. Ohne „Hofi“. Für ihn steht nämlich am Sonntag (17 Uhr) das Grazer Derby gegen Sturm auf dem Programm, diesmal als Auswärtsmannschaft. Der Saisonstart war mit einer 0:8-Abfuhr gegen Rapid, Machtkämpfen in der Fankurve und dem Trainerwechsel eine gefühlte sportliche Tragödie in mehreren Akten.

Unter der Regie von Gerald Scheiblehner wurde das Drehbuch umgeschrieben, seither sind die Rotjacken noch ungeschlagen: „Diesmal ist die Ausgangslage eine andere, ich traue uns alles zu. Natürlich ist Sturm Favorit, aber wir sind in einer besseren Form als bei den letzten zwei Duellen, brauchen uns nicht zu fürchten, haben Selbstvertrauen. Es gibt nur ein Ziel: Dass wir endlich diesen Derbysieg holen. Auch, weil wir eine Mannschaft haben, die mit dem Trainer gut funktioniert.“

Vor allem Hofleitner wird dabei im Rampenlicht stehen. Nach acht Runden ist er mit drei Toren der Toptorjäger des GAK in der Bundesliga. Zu Recht rechnet er mit seiner Premiere in einer Derby-Startelf: „Das ist sicherlich das größte Spiel im Jahr und auch für mich, das ich in meiner Karriere je gespielt habe. Aber natürlich wird ein Stürmer an Toren gemessen.

Bringe ich meine Leistung, kommen die Tore automatisch. Wenn es - wie letzte Saison - bei fünf bleibt, bin ich aber sicher enttäuscht, so viel Selbstvertrauen habe ich mittlerweile. Ich habe zwar keine konkrete Zahl im Kopf, aber das Ziel ist schon in dieser Saison, zweistellig zu werden.“

Damit könnten auch zwei große Träume in Erfüllung gehen. Einerseits der vom Ausland. Vergangene Saison haben Hartbergs Elias Havel 13 Tore gereicht, um den Sprung nach Genua in die Serie A zu schaffen: „Für mich wären die 1. und 2. Liga in Deutschland sehr cool. Natürlich nehme ich aber alle Top-5-Ligen.“ Ein Team hat er dabei besonders im Kopf: „Mein Traumwechsel wäre Schalke, weil ich schon lange Fan bin, sie extrem verfolge und auch schon dort war. Wenn ich einmal bei Dortmund unterschreibe, darf man dieses Interview aber nirgendwo lesen.“

Österreich wäre verrückt

Und was ist beim Stichwort Nationalteam? Ralf Rangnick schien vor wenigen Monaten keine adäquaten Optionen zu Michael Gregoritsch und Saša Kalajdžić gesehen zu haben, viele Stürmer wurden dadurch hellhörig: „Also das wäre ein Wahnsinn und ganz verrückt. Das ist für mich sehr weit weg. Vielleicht nicht leistungstechnisch, aber für meinen Kopf. Vor drei Jahren habe ich noch Burgenlandliga oder Reserve gespielt. Ich hoffe, dass sich die Chance ergibt, muss aber zuerst liefern. Es gibt nicht so viele Neuner, die groß sind, Bälle sichern können und auch wollen. Wenn er so jemanden sucht, bin ich sicher interessant.“

Hofleitners Schlussarie ist jedenfalls bei Weitem noch nicht gesungen. Derzeit erlebt der Burgenländer seine Sternstunde. Oder wie es im Römersteinbruch im Sommer bei Tosca hieß: „E lucevan le stelle.“

Vom Familypark aus in die weite Fußballwelt: Alexander Hofleitner als kleiner Bub mit dem Kart . . .

Vom Familypark aus in die weite Fußballwelt: Alexander Hofleitner als kleiner Bub mit dem Kart . . .

© zVg

. . . und später als Nachwuchskicker. Von Klingenbach aus ging es bis zum GAK. zVg

. . . und später als Nachwuchskicker. Von Klingenbach aus ging es bis zum GAK. zVg

© zVg