Schon in einem früheren BVZ-Interview hat Landeshauptmann Doskozil mit einer Annäherung an die Wiener SPÖ und Bürgermeister Ludwig aufhorchen lassen. Im zähen Wechsel an der Parteispitze dürfte nun Tauwetter in der seit Jahren abgekühlten Beziehung einsetzen.
„Wärmewende darf keine Frage des Geldbörsels sein“
Hohe Energiekosten
Raus aus Öl und Gas, das ist leichter gesagt als getan. Vor allem wenn es um Haushalte geht, die jeden Euro umdrehen müssen.
Caroline Nwafor, Marion Schönfeldinger, Petra Frank und Marcus Keding präsentierten die Fotoausstellung zur Energiearmut.
© BVZ / Kirchmeir
Das Projekt „Wärmewende Eisenstadt & Umgebung“ rückt die soziale Seite der Energiewende in den Mittelpunkt. Mit einer Wanderausstellung macht die Projektgruppe auf die vielen Gesichter der „Energiearmut“ aufmerksam.
„Die Wärmewende darf keine Frage des Geldbörsels sein“, forderte Marion Schönfeldinger, Projektleiterin von „Wärmewende Eisenstadt & Umgebung“, bei einem Pressegespräch in der Hochschule Burgenland. Neben Eisenstadt sind an dem Projekt 14 Gemeinden im Bezirk beteiligt. Die restlichen Gemeinden im Bezirk gehören zur Klima- und Energiemodellregion Leithaland.
Wie viel Wärme ist leistbar?
Von Energiearmut spricht man, wenn Menschen ihre Wohnung nicht mehr warm bekommen, aus Sorge vor der nächsten Energierechnung weniger heizen, oder bei anderen Ausgaben sparen, um sich Strom und Wärme leisten zu können.
„Energiearmut ist nicht immer auf den ersten Blick erkennbar“, sagt Caroline Nwafor, Leiterin der Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Energiearmut. 13% der Haushalte seien 2026 von Energiearmut betroffen, 2018 waren es 8,6%.
Burgenland: 7,3% der Haushalte armutsgefährdet
„In einer Umfrage des Sozialministeriums sagten 30%, sie können sich die Energiekosten nur leisten, weil sie den Verbrauch einschränken“, informierte Caroline Nwafor. Im Burgenland ist die Armutsgefährdungsquote, die über einen Drei-Jahres-Durchschnitt gemessen wird, vergleichsweise niedrig. Sie liegt, sagt Caroline Nwafor, bei 7,3%. Österreichweit sind 15,9% der Haushalte betroffen.
In den Sozialberatungsstellen der Caritas Burgenland zeigt sich, wie groß das Problem ist: 420 betreute Personen können aktuell ihre Energiekosten nicht begleichen. Das sind 41% aller Klienten - und die Heizsaison hat noch nicht begonnen.
„In der Beratung erleben wir täglich, was Energiearmut konkret bedeutet“, sagt Petra Frank, Sozialberaterin der Caritas Burgenland. Hohe Energiekosten seien für viele Menschen längst keine vorübergehende Belastung mehr.
Fast jede 2. Heizung noch fossil
Das Projekt „Wärmewende Eisenstadt & Umgebung“ hat es sich zum Ziel gesetzt, 50% der fossilen Heizungen bis 2030 durch klimafreundliche Alternativen zu ersetzen. Der Handlungsbedarf ist groß: 2023 wurden in der Modellregion Eisenstadt und Umgebung mit ihren 18.000 Haushalten und 44.000 Einwohnern 45% der Heizsysteme mit fossilen Brennstoffen betrieben. 6.146 Gas- und 1.379 Ölheizungen wurden gezählt. In Eisenstadt lag der Anteil der fossilen Heizsysteme sogar bei 58%.
„Wir sind seit eineinhalb Jahren mit dem Projekt beschäftigt, in diesem Zeitraum wurden 600 Heizungen umgestellt“, berichtet Marion Schönfeldinger. Dabei habe es sich überwiegend um Gasheizungen gehandelt.
Gas könnte bald ganz abgeschaltet werden
„Wenn das Gas ganz abgeschaltet wird, kommen Probleme auf uns zu, und das wird in den 2030er-Jahren passieren“, warnt Marcus Keding, Geschäftsführer der Forschung Burgenland. Die gesetzliche Basis für den Rückzug aus der Gasversorgung könnte das neue Energiegasgesetz schaffen.
Im Rahmen des Wärmewendeprojekts wird auch Beratung zu Förderungen angeboten. Ein Heizungstausch ist aber auch mit Förderung teuer und viele von Energiearmut betroffene Haushalte können sich das nicht leisten. Wie Menschen in kalten, schimmligen und mit veralteten Energiefressern ausgestatteten Wohnungen leben, das zeigt die berührende Fotoausstellung „Energiearmut hat viele Gesichter“ mit Bildern, die 2025 aufgenommen wurden.
Am 10. Oktober 2026 wird die Ausstellung beim 2. Wärmefestival im Bio-Landgut Esterhazy in Donnerskirchen gezeigt (Programm siehe Infobox).