Der Burgenländische Tennisverband, die Thiem Academy Burgenland und das Land setzen auf eine neue Nachwuchsförderung unter dem Motto: „Von der Breite zur Spitze“. Mit regionalen Trainingsstützpunkten und drei Förderklassen sollen junge Talente gezielt bis in den Leistungssport begleitet werden.
Wenn sich Oberwart wie die USA anfühlt
Basketball
Neo-US-Legionär Joe Anderson hat sich bei den Oberwart Gunners eingelebt. Vom Südburgenland aus will er nicht nur Titel holen, sondern sich auch für ein benachbartes Nationalteam empfehlen.
Joe Anderson fliegt mittlerweile unterhalb der Körbe in der österreichischen Basketball-Superliga.
© Basketball Austria / Markus Tobisch
„Die Stadt ist recht klein. Wenn ich also meinen Kaffee auf Englisch bestelle, falle ich als Amerikaner auf und die Leute wissen sofort, dass ich zum Basketballteam gehöre“, erzählt Joe Anderson im Gespräch mit der BVZ. Der 25-jährige US-Amerikaner bestritt vergangene Saison sein erstes Profijahr im Süden Englands. Seit August trägt er das blau-weiße Trikot der Oberwart Gunners.
Obwohl Anderson an seinem neuen Standort im Südburgenland knapp 7.851 Kilometer von seiner Heimat im US-Bundesstaat Tennessee entfernt ist, fühlt er sich in seiner neuen Umgebung sichtlich wohl. „Ich komme ursprünglich aus der Kleinstadt Maryville und es fühlt sich an, als wäre ich zu Hause“, erklärt der Legionär und schmunzelt.
In das Teamgefüge der Gunners konnte sich der Neuzugang bisher reibungslos einfügen. Nicht zuletzt aufgrund der hervorragenden Zusammenarbeit mit Coach Horst Leitner. „Er steht bis ans Ende hinter seinen Spielern“, beteuert Anderson. „Er möchte nämlich sehen, wie seine Spieler ihre Ziele erreichen.“
Ein Ex-College-Star, der hier weiterlernen will
Die Aufgabe des Spielaufbaus in Oberwart teilt sich der 1,83 m große Point Guard mit Vereinsveteran Sebastian Käferle. Diesen sieht Anderson jedoch nicht als Konkurrenz, sondern vielmehr als Mentor. „Mein Ziel ist es, von ihm zu lernen und dabei als Spieler zu wachsen. Wenn ich mit ihm auf dem Feld stehe, ist alles einfacher.“
Als ehemaliger College-Star nimmt der Amerikaner allerdings eine ähnliche Rolle für seine jüngeren Teamkollegen ein. Anderson verbrachte insgesamt fünf Jahre am College. Während seiner letzten Saison an der Lipscomb University in Nashville erzielte der Guard im Schnitt 12,2 Punkte pro Spiel und führte seine Mannschaft als bester Spieler des Turniers zur ASUN Conference Championship.
An seiner High School in Maryville hält Anderson den Rekord für die meisten erzielten Punkte aller Zeiten und bereits im Alter von knapp 15 Jahren trat er während der Sommerferien gegen heutige NBA-Talente wie Chet Holmgren und Jalen Suggs an.
Trotz seiner vergangenen Erfolge sieht sich Anderson in einer Position, in der er selbst von den jüngsten Gunners lernen kann. „Diese Saison ist mein zweites Jahr als Profi im Ausland. Ich kann mir also noch einiges aneignen“, betont der Neuzugang. „Ich stelle ihnen genauso viele Fragen wie sie mir.“
Auf dem Parkett gab es während der Vorbereitung aber kaum Schwierigkeiten. Beim Pannonia-Cup-Finale in Eisenstadt etwa verbuchte Anderson Anfang September 21 Punkte. Besonders treffsicher zeigte sich der flinke Point Guard dabei von außerhalb der Dreierlinie, als er vier seiner insgesamt sechs Versuche verwandelte.
Ambitionierte Ziele mit Oberwart und das ungarische Nationalteam im Blick
Der hohen Erwartungshaltung in Oberwart war sich der Aufbauspieler aus Tennessee bereits im Vorhinein bewusst. „Wir möchten alle Titel holen, die es zu gewinnen gibt“, bestätigt er im Interview. Sich selbst setzt der US-Amerikaner ebenso hohe Ziele. Dazu zählt auch seit Kurzem der Wunsch, für ein Nationalteam aufzulaufen.
„Meine Großeltern stammen ursprünglich aus Ungarn. Deshalb versuche ich momentan, einen ungarischen Pass zu bekommen. Sollte ich gut genug werden, um dem ungarischen Team zu helfen, würde mir das viel bedeuten.“
Obwohl der Saisonstart der Oberwart Gunners mit drei Niederlagen in vier Spielen – unter anderem gegen den burgenländischen Lokalrivalen aus Eisenstadt sowie gegen den amtierenden Meister aus Kapfenberg – nicht ganz nach Plan verlief, konnte der US-Amerikaner mit durchschnittlich über 16 Punkten pro Spiel durchaus Eindruck machen. Im Duell mit dem Hauptstadtklub BC Vienna erzielte Anderson seine momentanen Saisonbestwerte von 25 Punkten und sieben Assists.
Die bisherige Punkteausbeute der Gunners sei allerdings kein Grund zur Sorge. „Wir sind ein Team, das sich auf das Ende der Saison fokussiert“, wiederholt Anderson die Vorsätze seines Headcoachs, Horst Leitner. „Aktuell versuchen wir tagtäglich dazuzulernen und zu wachsen, um uns auf April und Mai vorzubereiten. Für uns gibt es keine Niederlagen, nur Lehren.“