Zweite Generation Hofer nun am Steuer der Gemeinde Deutschkreutz

Von Vater zu Sohn

30 Jahre nach Willibald Hofer leitet seit September 2026 sein Sohn Jürgen die Geschicke der Marktgemeinde Deutschkreutz. Im Gespräch mit der BVZ blickt das Vater-Sohn-Duo auf damalige und heutige Herausforderungen, veränderte Aufgaben, familiäre Werte und die Zukunft ihres Heimatortes.

Von Isabella Kuzmits

Zwei Generationen, eine Leidenschaft für Deutschkreutz. Willibald und Jürgen Hofer.

Zwei Generationen, eine Leidenschaft für Deutschkreutz. Willibald und Jürgen Hofer.

© Hofer

Wenn am Familienesstisch der Hofers die Gemeindepolitik zum Thema wird, treffen zwei Generationen kommunaler Erfahrung aufeinander. Willibald Hofer führte die Marktgemeinde Deutschkreutz von 1990 bis 1996. Seit 13. September 2026 sitzt sein Sohn Jürgen auf dem Stuhl des Ortschefs - von April bis September 2026 führte er die Gemeinde bereits interimistisch.

Trotz geänderter Rahmenbedingungen verbindet beide das Ziel, Verantwortung zu übernehmen und ihre Heimatgemeinde nachhaltig zu gestalten.

Grundlagenarbeit damals, komplexe Aufgaben heute

Als Willibald Hofer 1990 sein Amt antrat, standen fundamentale Aufbauarbeiten im Vordergrund. „Damals ging es darum, die Grundlagen für eine gute Gemeindeentwicklung zu schaffen. Infrastruktur, Straßen und Versorgungseinrichtungen waren zentrale Themen“, erinnert sich der Altbürgermeister. Mit sparsamem Mitteleinsatz entstanden nachhaltige Projekte wie der Bau der Umfahrungsstraße, die auch heute noch die Anrainer entlang der Bahngasse und Ödenburgerstraße entlastet. Mit dem Grundstückskauf in der Hauptstraße wurde der Grundstein für die Vinothek gelegt, und das örtliche Dorferneuerungsprojekt erhielt sogar eine europäische Auszeichnung. Ein unvergessener Höhepunkt bleibt für Willibald Hofer auch das 750-Jahr-Fest im Jahr 1995.

Heute steht sein Sohn Jürgen vor vielfältigen Aufgaben. „Die Rahmenbedingungen sind schwieriger geworden“, betont der Ortschef. Themen wie Kinderbetreuung, Pflege, Mobilität, Digitalisierung und Ortsentwicklung spielen eine wesentlich größere Rolle. Die Anspruche der Bevölkerung sind gestiegen, zudem schränken steigende Kosten die finanziellen Spielräume ein. Während früher Anliegen telefonisch oder direkt im Amt vorgebracht wurden, prägen heute E-Mails, soziale Medien und andere digitale Kommunikationskanäle den Alltag. „Ein Kommentar im Internet ersetzt für mich aber keinesfalls das persönliche Gespräch“, stellt Jürgen Hofer klar. Auch rechtliche Vorgaben sind umfangreicher geworden und Beschlüsse werden in der Öffentlichkeit rascher bewertet.

Überparteilichkeit und Respekt als Grundwerte

Trotz der unterschiedlichen Jahrzehnte verweisen Vater und Sohn auf dieselben Grundwerte im Umgang mit den Bürgern. Dem Altbürgermeister war stets wichtig, zuzuhören, Versprechen ernst zu nehmen und niemanden danach zu beurteilen, welcher Partei er angehört. Das prägt auch seinen Sohn: „Auf Gemeindeebene begegnet man den Menschen überall – beim Einkaufen, bei Veranstaltungen oder im Alltag. Da ist es wichtig, ehrlich zu bleiben, auch einmal unterschiedliche Meinungen auszuhalten und einander mit Respekt zu begegnen“, so Jürgen Hofer.

Auch das Familienleben erfordert Verständnis, da Abendtermine, Veranstaltungen und Verpflichtungen am Wochenende damals wie heute dazugehören. „Manchmal muss man private Termine verschieben oder ist gedanklich noch bei einem Thema aus der Gemeinde. Das Amt ist wichtig, aber es ist nicht das ganze Leben“, betont Jürgen Hofer, der bewusst Freiräume für das Private schafft.

Blick in die Zukunft und familiärer Rückhalt

Am Familienesstisch der Hofers kommt die Politik regelmäßig zur Sprache. Die Erfahrung des Vaters bietet dabei oft wertvolle Blickwinkel, wenngleich der Sohn eigene Entscheidungen trifft und verantwortet. Aber es gibt auch ein Leben abseits der Politik. „Und natürlich sind wir nicht immer einer Meinung – das gehört dazu. Am Ende des Tages sind wir Vater und Sohn, und das ist wichtiger als jede politische Diskussion“, so Jürgen Hofer.

Für die Zukunft wünscht sich der neue Ortschef, dass Deutschkreutz lebenswert, wirtschaftlich stark und eigenständig bleibt. Junge Familien sollen gute Rahmenbedingungen vorfinden und ältere Menschen gut leben können. Weinbau, Landwirtschaft, Vereine und der Zusammenhalt in der Bevölkerung sollen bewahrt werden. Der Rat des Vaters gibt Orientierung: Den Menschen zuhören, Entscheidungen bedacht treffen, sich nicht von jeder Kritik aus der Ruhe bringen lassen und sich selbst treu bleiben.

Zweite Generation Hofer nun am Steuer der Gemeinde Deutschkreutz

© Hofer