„Alles zu seiner Zeit“: Cafe Michl-Chef geht in den Ruhestand

Abschied nach zehn Jahren

Ab 5. Oktober wird das Raha die kleine feine Cafe-Weinbar von Michael Roznyak am Oberpullendorfer Hauptplatz als „Cafe Michl by Raha“ weiterbetreiben.

Von Michaela Grabner

Michael „Mike“ Roznyak übergibt sein Lokal, da er in Pension gehen wird.

Michael „Mike“ Roznyak übergibt sein Lokal, da er in Pension gehen wird.

© Michaela Grabner

„Alles zu seiner Zeit“ lautete seit der Eröffnung vor zehn Jahren, am 16. September 2016, der Slogan vom Cafe Michl. Treffender als mit diesem Stehsatz von Cafe-Betreiber Michael „Mike“ Roznyak („Den Spruch verwende ich jeden Tag mehrmals“) könnte man es nicht ausdrücken. Denn am 25. September wird der „Michl“ zum letzten Mal die Tür seines kleinen feinen Cafes mit seinem unvergleichlichem Sammelsurium an alten Stühlen und Tischen, rustikalen Holztram aus der ehemaligen Oberloisdorfer Mühle, alten Ziegeln sowie Kastenfenstern, die nun als Vitrine dienen, hinter sich zusperren.

„Der 25. September wird der letzte Tag sein, ein ganz normaler Tag ohne großes Ramba-Zamba. Ich habe schon jetzt Kaffeepreise wie vor zehn Jahren. Und auch Spritzer und Achterl werde ich günstiger anbieten“, so Rozynak.

Auch wenn er „zwischendurch“ ganze 20 Jahre lang in einem Wettbüro tätig gewesen ist, begleitete ihn die Gastronomie doch den größten Teil seines Lebens. „Vom Würstelstand bis zum Fünf Stern-Haus war alles dabei“, schmunzelt Roznyak. Nachdem er als junger Bursch die Hotelfachschule in Gleichenberg besucht hatte, war er unter anderem am Arlberg, in Lech und Zürs, im Steirereck in Wien und im Hilton tätig.

„Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie mich in diese Schule geschickt haben. Das hat ihnen viel Geld gekostet. Wir haben dort alles gelernt, was man fürs Leben braucht, putzen, waschen, bügeln, Küche und Service“, erinnert sich Roznyak, der auch heute noch einen guten Kontakt mit seinen damaligen Schulkollegen pflegt. Erst kürzlich hat man das 45-jährige Klassentreffen gefeiert - insgesamt waren es aber über 30 Klassentreffen in den vergangenen vier Jahrzehnten.

Dass er irgendwo länger als ein Jahr geblieben wäre, sei eher die Ausnahme gewesen. „Die zehn Jahre im Cafe Michl habe ich nur gemacht, weil ich Weltklasse-Gäste hatte“, betont Rozynak.

In der Pension freut er sich auf mehr „Me-Time“ und auf den Besuch von Fußballspielen in München. Der passionierte FC Bayern-Fan ist seit 40 Jahren Mitglied seines Lieblingsvereins. „Ich bin vermutlich das 'älteste' im Burgenland oder sogar in Österreich“, meint er. Angefangen hat Michael Roznyak mit einer Mitgliedsnummer jenseits von 9.600, mittlerweile ist er bereits Mitglied Nummer 2.646 bei über 440.000 Mitgliedern.

„Außerdem werde ich als ehrenamtlicher Pizza-Lehrbub unterwegs sein“, schmunzelt er, wird er doch auch weiterhin Sohn Kevin helfen, der mit seinem „Kevo's Pizza“-Foodtruck landauf, landab unterwegs ist. „Jetzt fahre ich eine 7 Tage-Woche, denn wenn ich das Cafe zu habe, bin ich meistens mit Kevin unterwegs, dann nur mehr zwei bis vier Mal. Dann muss ich nicht mehr jeden Tag um 5 Uhr aufstehen, ich freue mich gemütlich in den Tag zu starten.“ Daneben wird er auch im Garten von Tochter Kim werkeln, denn „ Gartenarbeit ist für mich abschalten.“

In den vergangenen zehn Jahren hatte der Mike außer in der Corona-Zeit sein Cafe keine Woche am Stück zu und war immer für seine Stammgäste da, wie auch umgekehrt dem Gastronom ihres Vertrauens immer treu geblieben sind „Ich könnte von Montag bis Sonntag aufzählen, wann wer kommt und was er/sie trinkt“, meint Roznyak, der selten länger als ein Jahr beim selben Job geblieben ist, weil er immer wieder etwa Neues erleben wollte. In Oberpullendorf mit dem Cafe Michl sind es aber zehn Jahre geworden, „Das hab ich nur so lange gemacht, weil ich Weltklassegäste hatte und ich würde es nochmal so machen.“ Aber wie der Michl immer sagt: „Alles zu seiner Zeit.“