Tag 3 Nova Rock: Zwischen Rollerdisco, Gatsch und Nervenkitzel

Abseits der Bühnen

Das Nova Rock hat mehr zu bieten als nur die großen Bühnen: Wer am Nova Rock nur von Konzert zu Konzert eilt, verpasst einen Teil des Festivallebens. Zwischen Riesenrad, Rollerdisco, Wasserdusche und Rockzelt entstehen auf den Pannonia Fields viele jener Geschichten, die in keinem Konzertplan stehen. Ein Streifzug der BVZ durch das Gelände zeigt: Auch abseits der Bühnen pulsiert das Festival. Selbst im Gatsch, wie die Fotos in der Bildergalerie am Ende des Artikels beweisen.

Von Von Birgit Böhm-Ritter

Gatsch und Stimmung beim Nova Rock 2026.

Gatsch und Stimmung beim Nova Rock 2026.

© Julian Fözö

Der Samstag beginnt bei unserem Lokalaugenschein zunächst nass. Ein kräftiger Regenschauer unterbricht den traditionellen Blasmusik-Auftakt der Nickelsdorfer Böhmischen (heuer erstmals ohne Wendi). Lange hält sich das schlechte Wetter allerdings nicht. Schon kurze Zeit später brennt wieder die Sonne auf die Pannonia Fields, als wäre nichts gewesen.

Während sich vor den Bühnen langsam die Menschenmengen sammeln, drehen anderswo bereits die ersten Besucherinnen und Besucher ihre Runden auf Rollschuhen. Die Rollerdisco hat sich längst zu einem beliebten Treffpunkt entwickelt. Statt Moshpit heißt es hier Gleichgewicht halten. Statt Gitarrenriffs bestimmen Disco-Klassiker und Nostalgie das Tempo, wirkt die Rollschuhbahn doch ein bisserl wie eine kleine Zeitmaschine in dei Vergangenheit.

Wer das Nova Rock einmal aus einer anderen Perspektive erleben möchte, muss nicht weit suchen. Mitten auf dem Gelände lockt der Funpark all jene an, die auch zwischen den Konzerten den Adrenalinspiegel nicht absinken lassen wollen.

Schon das Riesenrad bietet einen ungewöhnlichen Blick auf die Pannonia Fields. Langsam heben sich die Gondeln über die Menschenmassen. Von oben wirken die Zeltstädte plötzlich wie ein geordnetes Muster, die Bühnen wie Spielzeugkulissen. Der Blick reicht über das Festivalgelände hinaus über die Windrädern der Region bis nach Ungarn.

Noch höher geht es auf der Sky Vision-Plattform. Wer die Stufen erklimmt, erhält einen Rundumblick über das gesamte Areal. Von hier oben lässt sich erst erahnen, welche Dimensionen das Festival tatsächlich hat.

Weniger beschaulich präsentiert sich der Star Tower. Das Kettenkarussell hebt seine Fahrgäste in luftige Höhen und lässt sie über dem Gelände kreisen. Nichts für schwache Nerven oder flaue Mägen. Während einige die Aussicht genießen, klammern sich andere mit beiden Händen an die Sicherheitsbügel und hoffen auf eine baldige Rückkehr zum festen Boden.

Noch eine Spur turbulenter geht es beim „Tsunami“ zu. Das Fahrgeschäft, vielen vom Volksfest als „Scheibenwischer“ bekannt, rüttelt seine Passagiere fest durch. Wer aussteigt, benötigt oft einen kurzen Moment, um wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren. Nicht anders als beim Tagada.

Die größte Mutprobe wartet jedoch einige Meter weiter. Dort können sich besonders Abenteuerlustige aus 65 Metern Höhe beim Bungee Jump in die Tiefe stürzen. Während unten neugierige Zuschauerinnen und Zuschauer den Atem anhalten. Dann kommt der Sprung. Für wenige Sekunden scheint die Schwerkraft die Hauptrolle am Nova Rock zu übernehmen.

So entsteht zwischen Konzertbühnen, Campingplätzen und Imbissständen eine zweite Erlebniswelt. Während auf den Bühnen Gitarrenriffs dominieren, liefern im Funpark Geschwindigkeit, Höhe und Nervenkitzel den Soundtrack.

Wer glaubt, nach dem letzten Konzert kehre am Nova Rock Ruhe ein, kennt das Rockzelt noch nicht. Dort geht die Party weiter, wenn die großen Bühnen längst verstummt sind. Das Programm steht ganz im Zeichen von Rock- und Metalmusik. Von Crossover-Klassikern über Emo-Hits bis hin zu harten Metal-Sounds reicht die musikalische Bandbreite. Das Rockzelt lockt jene an, die noch nicht an Schlaf denken.

Doch jedes Festival hat seine Gegensätze. Nach einer Runde im Funpark, einigen Stunden vor der Bühne oder einer ausgedehnten Erkundungstour über das Gelände suchen viele Besucherinnen und Besucher vor allem eines: Abkühlung.

Genau dafür sorgt die Ottabrause. Dort wartet keine Limonade, sondern eine willkommene Wasserdusche. Wenn die Sonne das Gelände aufheizt und Staub durch die Luft zieht, stellen sich viele Festivalgäste freiwillig unter die erfrischenden Fontänen. Binnen Sekunden verwandeln sich verschwitzte Gesichter in erleichtertes Lächeln.

Und manchmal liefert sogar das Wetter seinen eigenen Beitrag zur Erfrischung. Nach dem Samstagsregen fanden einige Besucherinnen und Besucher Gefallen an den frisch entstandenen Gatschflächen. Ganz nach dem Motto des legendären Georg-Danzer-Klassikers „Hupf in Gatsch“ wurde mancher Schlammlacke mehr Aufmerksamkeit geschenkt als einer Konzertbühne.

Vielen Dank an unseren Fotografen Julian Fözö, der für uns vor Ort das Festivalgelände bis ins kleinste Winkerl durchforstet und der Redaktion jeden Tag sensationelle Eindrücke und Bilder liefert.