Meister Kühbauer, oder: Wenn Adoption ein Thema wird
Admiral Bundesliga
Die Zusammenarbeit mit der Mannschaft des LASK dürfte auch aus Sicht des Trainers nahe der Perfektion kommen. Nach dem Bundesliga-Meistertitel unterstrich Didi Kühbauer einmal mehr, wie die Truppe mitzog. Der souveräne 3:0-Abschluss am letzten Spieltag bei der Austria krönte diesen Eindruck klarerweise. „Ich würde alle adoptieren wollen, weil das einfach groß war.“
Didi Kühbauer kam nach dem Meistertitel über seine Mannschaft ins Schwärmen.
© GEPA/Philipp Brem, GEPA pictures/ Philipp Brem
Spätestens nach der 1:0-Führung durch Xavier Mbuyamba kurz vor der Pause und dem Elfertreffer von Samuel Adeniran zum 2:0 für den LASK kurz nach der Halbzeit war die Sache gegessen. Klar kann im Fußball immer was passieren, aber ebenso klar ist und war, dass die Linzer die Angelegenheit souverän nach Hause spielten, sogar noch das dritte Tor drauflegten. Auch das ist ein Erfahrungswert der aktuellen Saison: Selbst in der Crunch Time der Meisterschaft ließ das stärkste Team nichts anbrennen und schaffte so klare Realitäten.
Und deshalb musste auch kein Hahn mehr danach krähen, was im Parallelspiel zwischen Sturm Graz und Rapid los war. Der LASK hatte den zweiten Meistertitel seiner Geschichte fixiert. Dass damals, im Jahr 1965, der Meister und der Cupsieg gefeiert wurden und jetzt, 2026, dasselbe in Grün passierte, mutet schwer kitschig an.
Vor allem beim Blick auf den Werdegang dieses historischen LASK-Doubles durfte man das machen, was Didi Kühbauer nicht gerne macht: Zurückblicken. „Ich lebe nicht gerne in der Vergangenheit, aber es ist schön, wenn man ein Double macht, das keiner erwartet hätte. Dass wir so zurückkommen, ist eines dieser Märchen, die man nur in Büchern kennt,“ sagte er nach dem Schlusspfiff.
Zu hören und sehen war der Meistercoach erst auf Sky- und dann im ORF. Für die Titelentscheidung gab es auch TV-technisch diesmal ein breiteres Angebot für das Fußball-Publikum, die Admiral Bundesliga war ausnahmsweise mal keine reine Pay-TV-Spielwiese.
Erst sammeln, dann feiern
Er selbst musste sich kurz nach dem Schlusspfiff im Stillen sammeln („Ich hab drin ein bissl gebraucht“). Die direkte Kommunikation mit seiner Frau Ingrid („der wichtigste Mensch in meinem Leben“) sowie seinen Töchtern Emily und Kim genoss dann hohe Priorität, schließlich sah man den 55-Jährigen voller Leidenschaft inmitten der LASK-Crew, die vor den mitgereisten Fans am Rasen der Austria-Generali-Arena den Titel bejubelte. In Richtung Auswärtssektor war schließlich die offizielle Meisterehrung laut Bundesliga-Protokoll angesetzt.
Dann aber ging es mit dem schwarz-weißen Tross zu den großen Feierlichkeiten Richtung Linz, um die LASK-Familie an diesem Tag in Oberösterreichs Hauptstadt zu vereinen. Für Didi Kühbauer selbst ist das deshalb ein ganz spezieller Tag, weil der UEFA Pro-Lizenz-Coach erstmals Meister in der Admiral Bundesliga wurde. „Wir vergessen immer den Titel mit der Admira, den will ich auch nicht missen“, kann sich Kühbauer nach wie vor gut daran erinnern, was 2011 passiert ist. Damals feierte er als vergleichsweise junger Cheftrainer mit Admira Wacker den Titel und den Gang in die oberste Liga.

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Damals mag das Erreichte einzigartig für den gebürtigen Mattersburger gewesen sein, am Sonntag in Wien-Favoriten war es das sicher auch - eben auf einer neuen Ebene. „Dass die Mannschaft das heute so gemacht hat, ist einzigartig. Ich würde alle adoptieren wollen, weil das einfach groß war.“ Deshalb hatten die Kicker auch die Erlaubnis des Chefs, dass sie tun und lassen können, was sie wollen. „Solange es im Rahmen bleibt, sprich solange nicht irgendwer irgendwo eine Straße verunreinigt.“
Im Erfolg feuchtfröhlich ja, tätowiert nein
Und auch für die Trainerteamkollegen gab es extremes grünes Licht. Im Erfolg macht Kühbauer schließlich beim Feiern ernst. „Egal, ob Anti-Alkoholiker oder nicht: Da werden alle missbraucht werden.“ Um dann doch auch hier das hervorzuheben, was ihn laut vielen übereinstimmenden Aussagen bei der Mannschaft so auszeichnet: die menschliche Komponente. „Oder ich werde den Teil, den die anderen nicht trinken können, für sie trinken.“ Eine Nacht lang anstoßen auf den Titel, das ist nach dem Geschmack von Didi Kühbauer. Auf anderen Ebenen verewigen hingegen nicht. Dass er sich die Meisterschale auf die Brust tätowieren lasse, sei lediglich eine Aussage gewesen. Die hat aber gegen Kühs klare Haltung keine Chance: „Tinte kommt in meinem Leben nicht auf meinen Körper.“