Der Traum von einem besseren Leben

Amerika-Auswandererin

Die Geschichte von Linda Kempf, einer Burgenländerin, die als junge Frau nach Amerika auswanderte, mit Sprachbarrieren kämpfte, dem Heimweh trotzte und zwischen zwei Heimaten ihr Zuhause fand.

Von Von Christina Wiednig-Schranz

Wiedersehen nach vielen Jahren: Linda Kempf besuchte kürzlich ihre beiden jüngeren Brüder Ewald und Hans Jonser in Markt Allhau.

Wiedersehen nach vielen Jahren: Linda Kempf besuchte kürzlich ihre beiden jüngeren Brüder Ewald und Hans Jonser in Markt Allhau.

© zVg

Als Linda Kempf, geboren als Gerlinde Jonser, ihre Heimat Markt Allhau verließ und sich auf den Weg nach Chicago machte, war sie noch jung. Wie viele Burgenländerinnen und Burgenländer ihrer Generation suchte sie nach besseren Zukunftsperspektiven. Die wirtschaftlich schwierigen Zeiten und die Herausforderungen der Nachkriegsjahre bewegten zahlreiche Familien dazu, neue Wege zu gehen. Auch die Familie Jonser war davon betroffen. Von sechs Kindern entschieden sich gleich drei Geschwister, den mutigen Schritt über den Atlantik zu wagen und in Amerika ein neues Leben zu beginnen.Ankommen in einer

Für Linda war die Ankunft in Chicago ein Abenteuer voller Herausforderungen. Ein Stück Heimat fand sie zunächst bei ihrer Tante Anna, der Schwester ihrer Mutter, die bereits in der Millionenstadt lebte. „Zu meiner Tante Anna bin ich gegangen, um Englisch zu lernen. Anfangs habe ich in einem Restaurant als Bedienung gearbeitet, obwohl ich kein Wort Englisch konnte. Ich habe mich mit Händen und Füßen verständigt“, erinnert sie sich schmunzelnd. Während viele Burgenländerinnen und Burgenländer auf der Südseite Chicagos lebten, war Linda auf der Nordseite zu Hause. Doch trotz aller neuen Möglichkeiten machte sich schon bald das Heimweh bemerkbar.

„Nach einem Jahr bin ich wieder nach Markt Allhau zurückgekehrt, weil das Heimweh so groß war. Aber ich bin dann wieder nach Amerika gegangen, weil ich dort bereits meine Friseurlehre begonnen hatte.“Heimweh auf beiden Seiten des AtlantiksDer Schritt zurück in die USA legte schließlich den Grundstein für ihr weiteres Leben. Dennoch blieb die Verbindung zur Heimat stets bestehen. Auch Jahrzehnte später fühlt sich Linda beiden Welten eng verbunden. Wie tief diese Verbundenheit noch immer ist, zeigte sich erst kürzlich: Mit 85 Jahren machte sich die gebürtige Markt-Allhauerin erneut auf den Weg ins Burgenland, um ihre beiden Brüder Ewald und Johann zu besuchen.

Die Reise in die alte Heimat war für sie etwas ganz Besonderes und führte sie zurück zu den Wurzeln ihrer Familie. Auf die Frage, ob sie sich heute mehr als Amerikanerin oder Burgenländerin fühle, antwortet sie offen: „Ich bin schon zu lange Amerikanerin. Aber wenn ich im Burgenland bin, habe ich Heimweh nach Amerika. Und wenn ich in Amerika bin, habe ich Heimweh ins Burgenland. Ich komme immer gerne zu Besuch, bin aber auch wieder gerne zuhause in Amerika.“

Diese Verbundenheit mit zwei Heimaten teilen viele Auswanderinnen und Auswanderer. Die Erinnerungen an die Kindheit bleiben lebendig, während in der neuen Heimat ein ganzes Leben aufgebaut wird.Das Burgenland damals und heuteWenn Linda an das Burgenland ihrer Kindheit zurückdenkt, fallen ihr vor allem die Veränderungen auf, die das Land seither durchlebt hat. „Ich war lange nicht mehr im Burgenland wohnhaft. Früher war vieles eher altmodisch, heute ist alles schön und modern. Fast wie in Amerika“, sagt sie lachend.

Da sie ihre Heimat bereits in jungen Jahren verließ und zuvor auch einige Zeit bei ihrer Schwester in Deutschland lebte, fallen direkte Vergleiche nicht immer leicht. Dennoch freut sie sich über die positive Entwicklung ihrer alten Heimat.Ein Stück Burgenland auf dem TellerAuch wenn Linda in Amerika heimisch geworden ist, darf die Erinnerung an die burgenländische Küche nicht fehlen. Große Kochkünste nimmt sie für sich selbst allerdings nicht in Anspruch. „Die typischen burgenländischen Gerichte sind mir nie so richtig gelungen“, lacht sie. „Aber Gulasch, Schnitzel und Kartoffelsalat habe ich immer wieder gekocht.“ So blieb auch über den Geschmack eine Verbindung zur alten Heimat bestehen, selbst wenn die traditionellen Rezepte nicht immer ganz so gelangen wie einst im Elternhaus.Zwei Heimaten,

ein LebenDie Geschichte von Linda Kempf ist eine Geschichte von Mut, Aufbruch und Durchhaltevermögen. Sie erzählt von den Herausforderungen einer jungen Burgenländerin, die in einer fremden Welt ohne Sprachkenntnisse ihren Weg finden musste. Vor allem aber zeigt sie, dass Heimat mehr sein kann als ein Ort. Für Linda liegt Heimat heute sowohl in Markt Allhau als auch in Chicago. Zwei Orte, die durch Erinnerungen, Familie und ein bewegtes Leben miteinander verbunden sind.

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