27 Vorstrafen: Betrüger wieder vor Gericht
Anhänger angemietet
Einem 27-fach Vorbestraften wird vorgeworfen, Autoanhänger, einen Bagger und eine Rüttelplatte entwendet zu haben. Einer der Geschädigten lebt in Jennersdorf.
Der 60-jährige Angeklagte wurde aus der Justizanstalt in den Gerichtssaal gebracht.
© BVZ/Kirchmeir
27 Vorstrafen sind im Register des Angeklagten eingetragen, davon 14 einschlägig. Die letzte Wohnadresse war in Graz, der 60-Jährige lebte von der Notstandshilfe. In Ungarn betreibt er ein Tierheim. Am Freitag, 17. Oktober 2025, musste sich der Mann wegen mehrere Betrugsfakten vor dem Landesgericht Eisenstadt verantworten.
Er soll im Frühjahr 2025 mehrfach Baumaschinen und Autoanhänger gemietet, aber nicht mehr zurückgegeben haben. Dabei soll er die Identität eines tschechischen Staatsbürger benützt haben, dessen Ausweis gestohlen worden war.
Verteidiger beantragte Freispruch
Der Angeklagte gab an, er habe nur einmal für den Tschechen gedolmetscht, als dieser von einem Mann in Jennersdorf einen Bagger ausborgen wollte. Mit den anderen Vorfällen habe er nichts zu tun. Sein Verteidiger beantragte einen Freispruch.
Der Tscheche habe ihm beim „Betonieren und beim Ausbau des Tierheims“ geholfen, so der Angeklagte. „Wir trainierten zusammen einen aggressiven Pitbull“, erzählte er. „Ich habe ein Gutachten“, gab er später im Prozess bekannt. „Ich kann besser mit Tieren als mit Menschen.“
Ende März 2025 habe er sich mit dem Tschechen in Oberwart getroffen. Dieser habe ihn gebeten, mit einem Verleiher in Jennersdorf zu telefonieren. Der Tscheche spreche schlecht Deutsch, so der Angeklagte. Er habe ein Treffen auf der Baustelle vereinbart, wo der Tscheche angeblich arbeitete.
Angeklagter: „Ehrlich jetzt ...“
„Ehrlich jetzt - ich hätte mir nie gedacht, wo er mich da reinzieht“, sagte der 60-Jährige.
Es kam zur Übergabe des Kleinbaggers, der auf einem Autoanhänger stand. Ein im Bagger befindlicher GPS-Tracker zeichnete die Route auf. Der Bagger bewegte sich nach Ungarn, in Richtung des Tierheims des Angeklagten.
„Darüber habe ich nachgedacht“, sagte der Angeklagte. „Er nahm genau die Strecke, wo keine Kamera ist. Mich hat es auch gewundert“, meinte er.
Eine Woche später habe ihm der Tscheche eine Rüttelplatte gebracht. „Er wusste, dass ich eine brauche“, sagte der Angeklagte.
Vermieter setzte Vertrauen in den Abholer
Der Minibagger samt Rüttelplatte sei bei ihm von einem „schlecht Deutsch sprechenden“ Mann abgeholt worden, gab der Vermieter aus Jennersdorf bekannt. Es sei vereinbart worden, dass die Miete bei der Rückgabe bezahlt wird. Eine Kaution habe er nicht verlangt. „Normalerweise fotografiere ich den Führerschein“, sagte der Vermieter vor Gericht. „Diesmal aber nicht, weil es regnete.“
„Da setzten Sie viel Vertrauen in den Mann“, wunderte sich die Richterin.
Der Unbekannte habe den Bagger und die Rüttelplatte, die auf einem Anhänger standen, mit einem Fahrzeug abgeholt, auf dem Wiener Kennzeichen montiert waren. Wie sich später herausstellte, waren diese gestohlen. Das Fahrzeug gehörte dem Angeklagten und war in Ungarn angemeldet.
Nur der Anhänger kam zurück - ohne Kennzeichen
Den Anhänger bekam der Jennersdorfer wieder zurück, allerdings ohne Kennzeichen und Zulassungsschein. Vom Bagger und der Rüttelplatte fehlen jede Spur. Der GPS-Tracker wurde aus dem Bagger offenbar entfernt.
14.160 Euro will der Jennersdorfer für den entstandenen Schaden.
In Niederösterreich borgte sich der Tscheche einen Fahrzeuganhänger aus. Zuvor hatte ein Mann mit steirischem Dialekt angerufen. Der Tscheche kam mit jenem Fahrzeug, das auch in Jennersdorf für das Abholen des Minibaggers benützt worden war. Diesmal waren Grazer Kennzeichen montiert.
Anhänger weg - Telefon tot
Als der Anhänger nicht wie vereinbart zurückgebracht wurde, habe er versucht, den Tschechen telefonisch zu erreichen, so der Vermieter. „Das Telefon läutete noch zweimal, dann war es abgeschaltet.“
Der Anhänger habe 5.300 Euro gekostet. Da er schnell Ersatz brauchte, habe er einen anderen Anhänger anmieten müssen. „Da zahlen wir monatlich 160 Euro“, berichtete der geschädigte Unternehmer.
Der Prozess wurde vertagt. Weitere Zeugen sollen befragt werden.