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Was unter Güssings Feldern verborgen liegt
Archäologie
Schlackenfunde auf einem Acker haben eine archäologische Untersuchung ins Rollen gebracht. Auf rund 25.000 Quadratmetern wurden Hinweise auf historische Eisenverhüttung, mögliche Brennöfen und ein großes Gebäude entdeckt. Die Funde reichen von der Kelten- und Römerzeit bis ins Mittelalter.
Archäologin Manuela Thurner mit Heimatforscher Franz Lang (re.) und Mario Wallner (li.) von Geosphere Austria. Foto: Stadtgemeinde Güssing/Keglovits
© Stadtgemeinde Güssing/Keglovits
Was unter einem Güssinger Acker liegt, könnte neue Erkenntnisse über die frühe Geschichte der Stadt bringen. Eine geophysikalische Untersuchung hat auf rund 25.000 Quadratmetern zahlreiche Strukturen sichtbar gemacht. Darunter befinden sich Hinweise auf Eisenverhüttung, mögliche Brennöfen und ein rund 23 mal 29 Meter großes Gebäude. Gerade die Eisenverhüttung ist für die Region wissenschaftliches Neuland.
„Die Eisenverhüttung wurde in den 1960er- bis 1980er-Jahren im Mittelburgenland detailliert untersucht. Eine Grabung in Harmisch war die einzige Untersuchung im Südburgenland, die zu jener Zeit stattfand“, sagt Archäologin Manuela Thurner. Im Bezirk Güssing sind zwar einzelne Schlackefunde und Pingen bekannt, wissenschaftliche Untersuchungen gab es bislang aber nicht. „Der Bezirk Güssing ist in puncto Eisenverhüttung de facto unerforscht“, so Thurner.
Ausgangspunkt der aktuellen Untersuchungen war ein Heimatforscher aus Güssing, der auf einem Acker Schlacken entdeckte und diese dem Burgenländischen Landesmuseum meldete. Manuela Thurner sichtete die Fundstelle vor Ort und verfasste gemeinsam mit ihm eine Fundmeldung an das Bundesdenkmalamt. Danach blieb die Fundstelle zunächst im Gedächtnis, erst jetzt kam die Untersuchung ins Rollen. Begehungsfunde weisen auf mehrere Epochen hin: die Keltenzeit um 200 vor Christus, die Römerzeit zwischen 100 und 300 sowie das Mittelalter zwischen 1000 und 1400. Gemeinsam mit der GeoSphere Austria wurde das Areal nach Absprache mit Grundbesitzer, Pächter und Stadtgemeinde zerstörungsfrei untersucht. Ein Magnetometersystem machte dabei Strukturen unter der Oberfläche sichtbar – ganz ohne Grabungen.
Besonders auffällig ist ein rund 23 mal 29 Meter großes Gebäude. Im Inneren lassen sich mehrere Räume sowie ein möglicher befestigter Zugang erkennen. Welche Funktion das Gebäude hatte, ist derzeit noch unklar. Für Manuela Thurner könnte die Fundstelle aber weit über diesen einzelnen Acker hinaus Bedeutung haben. „Über den urgeschichtlichen Teil von Güssings Vergangenheit gibt es noch kaum Belege“, sagt sie. „Eine Untersuchung der ältesten Industrie würde die Geschichte Güssings neu schreiben“, so Thurner.
Die Stadtgemeinde Güssing unterstützt die Erforschung ihrer Vergangenheit. Die Ergebnisse könnten künftig auch neue Möglichkeiten für Kultur und Tourismus eröffnen. Was tatsächlich unter dem Güssinger Acker liegt und welche Geschichte sich daraus erzählen lässt, sollen nun weitere Untersuchungen zeigen.