Lenker unter Drogeneinfluss verletzte Radfahrer

Auf gerader Straße

Am 15. November 2023 kollidierte ein 35-jähriger Lenker mit einem Radfahrer. Dieser wurde schwer verletzt. Der Lenker stand, wie sich später herausstellte, unter Drogeneinfluss.

Von Elisabeth Kirchmeir

Bei dem 35-Jährigen war nach dem Verkehrsunfall ein Drogentest gemacht worden.

Bei dem 35-Jährigen war nach dem Verkehrsunfall ein Drogentest gemacht worden.

© BVZ/Kirchmeir

Am 30. Jänner 2024 musste sich der 35-Jährige wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Körperverletzung vor Gericht verantworten. Er behauptete, zum Unfallzeitpunkt nicht unter Drogeneinfluss gestanden zu sein.

Der 75-jährige E-Bike-Fahrer war am 15. November gegen 13.30 Uhr auf der B63 in Richtung Riedlingsdorf unterwegs gewesen. Er trug einen Fahrradhelm.

Hinter ihm näherte sich der 35-Jährige im Auto seines Vaters. Dieses habe er sich ausborgen dürfen, um bei einem Baumarkt Einkäufe zu tätigen, gab der Mann vor Gericht bekannt.

Der Unfall ereignete sich an einem Mittwoch.

In Wien bei Party „sechs bis sieben Joints“ geraucht

Das Wochenende davor habe er, berichtete der Angeklagte, in Wien verbracht. Von Freitag bis Sonntag habe er an einer Party teilgenommen, da habe er „sechs bis sieben Joints“ konsumiert.

Am 15. November habe er unter „schlimmen Zahnschmerzen“ gelitten. Ein Zahn sei „komplett unter Eiter“ gestanden. Deshalb habe er Tabletten genommen.

Den Radfahrer habe er schon von weitem am rechten Fahrbahnrand fahren gesehen. „Plötzlich bemerkte ich den Zusammenstoß“, schilderte er den Unfall. Beim Auto seines Vaters sei ein Seitenspiegel abgebrochen.

„Ich ließ das Auto ausrollen und sah den Fahrradfahrer im Straßengraben liegen“, berichtete er. Er habe die Rettung verständigt.

Natürlich sei er schuld am Unfall, gab der Angeklagte zu, aber der Radfahrer sei auch „ein bissl umag'fahrn“.

Richterin: „Das ist eine kerzengerade Straße!“

„Das ist eine kerzengerade Straße!“, hielt ihm die Richterin vor. „Wie kann es sein, dass ihn anfahren?“

„Ich hielt den Abstand nicht ein“, gab der Angeklagte zu. Gegenverkehr habe es zu diesem Zeitpunkt nicht gegeben. Aber die Sonne habe ihn geblendet.

„Die Straße verläuft nach Norden. Wie kann Sie da die Sonne blenden?“, widersprach der Anwalt des verletzten Radfahrers.

Die Polizei machte bei dem Unfalllenker einen Alkovortest, der negativ verlief.

Auffälliges Verhalten bei der Polizei

„Im Zuge der Einvernahme fiel mir auf, dass mit dem herrn etwas nicht stimmt“, berichtete jener Polizist, der den Lenker auf der Polizeiinspektion Pinkafeld einvernommen hatte. Der Unfalllenker schwitzte, war nervös und konnte nicht lange sitzen bleiben. Dieses Verhalten habe bei ihm den Verdacht geweckt, so der Polizist, dass der 35-Jährige unter Drogen stehen könnte.

Ein Drogentest wurde durchgeführt, der zu einem positivem Ergebnis führte und auf regelmäßigen THC-Konsum hinwies.

Der E-Bike-Fahrer hatte bei der Polizei angegeben, dass er sich an den Unfall nicht mehr erinnern könne. Er sei erst wieder im Spital zu sich gekommen. Er hatte unter anderem einen Schienbeinbruch und Wirbelverletzungen erlitten und musste zwei Wochen lang im Spital bleiben. Fahrrad, Brille und Helm hatten ebenfalls Schaden genommen.

Geldstrafe und bedingte Haftstrafe

Der Angeklagte wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung im drogenbeeinträchtigten Zustand zu 900 Euro Geldstrafe unbedingt und acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. An das Opfer m uss er 200 Euro Teilschmerzensgeld bezahlen.

Den Führerschein hatte ihm schon die Bezirkshauptmannschaft für fünf Monate abgenommen.

Über die Haftpflichtversicherung des Autobesitzers werden weitere Schadenersatzzahlungen abgewickelt.

„Ich gehe davon aus, dass eine Suchtgiftbeeinträchtigung vorlag“, erläuterte Richterin Karin Lückl das Urteil. Außerdem habe der Angeklagte den Seitenabstand zum Radfahrer nicht eingehalten.

Der Angeklagte war mit dem Urteil einverstanden.

Detail am Rande: Der Angeklagte berichtete, dass ihn die Polizei nach dem Unfall mit dem Auto habe weiterfahren lassen. „Da hätte ich fast noch einen Unfall gehabt“, sagte er. „Kurz vor der Ampel in Pinkafeld hatte ich einen Reifenplatzer.“